Der Papst über Kondome, Williamson und Frauen

Großer Wirbel im Vatikan: Der Papst äußert sich über Kondome. In einem Interview hat er zunächst gesagt, das Kondome “in Einzelfällen” erlaubt seien:

Papst Benedikt XVI. erlaubt den Einsatz von Kondomen “für begründete Einzelfälle”, um eine Ansteckungsgefahr zu verringern. Das könne zum Beispiel für männliche Prostituierte gelten, sagte er in einem Interview. Bislang hatte sich die katholische Kirche strikt gegen Kondome ausgesprochen.

Ich frage mich ja sowieso, wer in unserer mittlerweile gut aufgeklärten Welt auf solche Sachen hört. Ob der Papst auch noch eine Liste veröffentlicht, auf der Beispiele für die “begründeten Einzelfälle” stehen?

Das ist scheinbar gar nicht nötig, denn er hat sein Interview erweitert, wie jetzt berichtet wird:

Es sei “klar und unmissverständlich”, dass es Benedikt auch darum gehe, deutlich zu machen, dass es in bestimmten Fällen “besser sei, ein kleineres Übel zu wählen”.

“Ein kleineres Übel” – so ganz will sich der Papst also immer noch nicht damit abfinden, das es durchaus gut sein kann (z.B. bei Krankheiten oder nichtgewünschter Schwangerschaft), ein Kondom zu benutzen. Unglaublich, aber wahr.

Doch es gibt noch mehr interesante Äußerungen.

Williamson

Auch über Bischof Richard Williamson hat der Papst etwas gesagt, hier im letzten Absatz. Ich zitiere das mal, bevor das wieder depubliziert wird:

Der Papst gibt zu, dass im Vatikan niemand im Internet nachrecherchiert hat, um wen es sich bei dem umstrittenen Bischof Richard Williamson handelte. Hätte er von Williamsons Holocaust-Leugnung gewusst, hätte er die Rücknahme der Exkommunikation nicht unterschrieben und den Fall abgetrennt.

Eine feine Ausrede. Am 21. Januar 2009 hob Benedikt XVI. die Exkommunikation auf, aber bereits im November 2008(!) wurde der Vatikan über Williamson’s Holocaust-Leugnung unterrichtet:

In diesem auf Englisch verfassten Report heißt es: “Von höchstem Interesse ist es, dass während eines Interviews mit Bischof Richard Williamson dieser den Holocaust leugnet. Dies ist gegen das Gesetz und wird in Deutschland strafrechtlich verfolgt.” So konkret wurde der Papst gewarnt.

Was soll also diese billige Ausrede, niemand hätte ins Internet geguckt, wenn die Fakten über die Holocaust-Leugnung bekannt waren? Zudem hatte man ja ganze zwei Monate Zeit, um mal ins Internet zu gucken.

Frauen

Ein weiteres interessantes Detail ist, weshalb Empfängnisverhütung damals verboten wurde (letzter Absatz):

In der Enzyklika heißt es unter anderem: “Männer, die sich an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben, könnten die Ehrfurcht vor der Frau verlieren, und ohne auf ihr körperliches Wohl und seelisches Gleichgewicht Rücksicht zu nehmen, sie zum bloßen Werkzeug ihrer Triebbefriedigung erniedrigen und nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet.”

Wenn der Papst so großen Respekt vor Frauen hat, warum ist es dann bis heute nicht möglich, das eine Frau Priesterin wird? Die Ausrede finden wir bei ZDF-Heute:

In anderen Fragen wie etwa der Frauenordination und der Bewertung der Homosexualität hingegen, bekräftigt er den bisherigen Kurs der Kirche. Diese habe keine Vollmacht, Frauen zu Priestern zu weihen. “Es ist nicht so, dass wir sagen, wir wollen nicht, sondern: wir können nicht”, wird der Pontifex zitiert.

Ja ne, is kla. m(

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Ein Gedanke zu “Der Papst über Kondome, Williamson und Frauen

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