Esoterik: Hallo Piratenfraktion

Hallo Piratenfraktion,

ich komme zwar nicht aus Berlin, aber natürlich seid ihr die Beta-Version dessen, was uns in anderen Bundesländern und auch auf Bundesebene erwarten wird, wenn die Piraten in die Landtage und in den Bundestag einziehen sollten.

Es ist wirklich unfassbar, dass ihr euch hinter eine Esoterikerin stellt, die ihre sinnlosen Methoden als Heilpraktikerin weiterverbreitet. Während die Piraten sich – meiner Meinung nach vollkommen richtig – gegen Rechtsextremismus (was macht eigentlich Bodo Thiesen?) und gegen Scientology ausgesprochen haben, stellt ihr euch hinter Leute, die mit ihren falsch versprechenden Methoden wichtige ärztliche Behandlungen blockieren.

Nehmen wir mal das Beispiel des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs. Er hat auf Alternativmedizin vertraut und seinen Krebs mit Fruchtsäften und Akupunktur, satt einer notwendigen Operation bekämpft. Als ihn seine Familie und Freunde neun Monate später zur Operation überreden konnten, war es schon so spät, dass die Ärzte den Tumor nicht mehr vollständig entfernen konnten.

Steve Jobs ist ein gutes Beispiel, wie gefährlich die Alternativmedizin ist, wenn man vollends von dieser überzeugt ist. Es kann nicht im Sinne der Piratenfraktion sein, dass solche Lehre weiterverbreitet wird und dadurch womöglich noch weitere Menschen in Lebensgefahr gebracht werden oder wie im Falle von Steve Jobs zu einem schnelleren Tod führen.

Mit eurer Stellungnahme stellt ihr euch hinter diejenigen, die solche Methoden propagieren. Ist das wirklich euer ernst? Ich dachte, ihr wolltet anders sein als die ganzen Alt-Parteien, bei denen sicherlich viele Eso-Spinner mitwirken (Florian Freistetter hat schon eine Eso-OB-Kandidatin der Grünen gefunden).

Eins noch, ihr begründet euren Rückhalt damit, dass ihr die Heilpraktikerin solange anstellen wollt, wie ihre Ansichten nicht die Arbeit für die Fraktion behindern. Das ist ein schwaches Argument, denn mit dieser Begründung könntet ihr jetzt auch Scientologen oder andere Sektenmitglieder einstellen.

Grüße,
Christian

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14 Gedanken zu “Esoterik: Hallo Piratenfraktion

  1. Erstens: Wolfgang Dudda ist nicht “die Piraten” und wird das auch nie sein.

    Zweitens: Steve Jobs fand Alternativmedizin prima und wird gottgleich verehrt, ein Pirat tut es ihm gleich und erntet einen Shitstorm? Interessant.

    Drittens: Kannst du mir erklären, inwieweit die private Haltung einer Mitarbeiterin der Piratenpartei – nicht einmal mit Repräsentantenamt! – ihre Arbeit für die Partei beeinflussen sollte?

    Ich verrate dir mal was: Es gibt in der Piratenpartei sogar Amtsträger, die die katholische Kirche gut finden, obwohl die das Massensterben in Afrika relativiert. Huuu.

    Was für ein saudämlicher Beitrag.

  2. @Legion:
    Erstens: Willst du mir sagen, dass die Piraten Nazis doch toll finden? Dudda habe ich da zwar verlinkt, aber es gab ja auch noch zwei Piraten die ihre frührere NPD-Mitgliedschaft erst nach ihrer Wahl bekannt gegeben haben und dann, auf Druck ihrer Parteikollegen, zurückgetreten sind. Ich vermute daher schon, dass die Mehrheit der Piraten gegen Rechtsextremismus ist. Es gab da auch ein Statement vom Bundesvorstand.

    Zweitens: Ich habe auch nie verstanden, warum Apple-Fanboys Steve Jobs so verehren. Allerdings hat Jobs keine Seminare gemacht, in denen er seinen Irrglauben weitergegeben hat – hier liegt der Unterschied. Oder gibt es eine “Steve Jobs Health”-App? ;-)

    Drittens: Bei der Piratenfraktion angestellt zu sein ist durchaus schon eine relevante Position, auch wenn man bei einer solchen Stelle (für gewöhnlich) nicht im Rampenlicht steht. Außerdem halte ich es für ziemlichen Unsinn, dass man eine innere Überzeugung (für was auch immer) strikt zwischen Privat und Beruf trennen kann.

    Klar, gegen die katholische Kirche kann man auch viel haben. Diese behindert aber nicht ärztlichen Behandlungen, indem sie Leuten falsche Methoden zur Heilung verspricht.

  3. Erstens: “Die Piraten” lehnen Linksfaschos gleichfalls ab, Wolfgang Dudda kooperiert aber öffentlich mit der militanten Antifa. So viel zu dieser Personalie. Der Bundesvorstand hat bestätigt: Blick nach Rechts genügt nicht. Steht inzwischen auch im Programm.

    Zweitens: Natürlich hat Steve Jobs regelmäßig esoterische Seminare veranstaltet, sie hießen Keynotes. ;-)

    Drittens: Subjektive Haltung, aber nicht relevant. Darf man als Parteimitglied ohne besonderen öffentlichen Posten kein Privatmensch mehr sein? Alternativmedizin ist nicht illegal. Ach, noch was: Dein verlinkter Text basiert ebenfalls nur auf Vermutungen. Von mir kommt gleich noch einer.

    Ach, und: Doch. “Christus wird dich heilen.”

  4. @Legion:
    Erstens: Du sollst dich nicht an der Personalie festhalten. :P

    Zweitens: Hrhr.

    Drittens: Welcher verlinkter Text? Dass Jobs länger nicht zum Arzt ist, steht in seiner Biografie, schreibt der Lobo im verlinkten Text.

    Zu deinem Spruch: Mir ist noch kein Katholik über den Weg gelaufen, der mir gesagt hat, ich solle statt zum Arzt zu gehen lieber beten oder in die Kirche gehen. Außerdem wird es vergleichbare Sprüche auch in anderen Religionen/Weltanschauungen geben, dennoch gehen die Leute zum Arzt.

  5. @Legion:
    Erstens: Mache ich auch nicht. In diesem Fall ist es aber wie bei Guttenberg: So eine Personalie hätte niemals dieses Amt kriegen sollen. Blöd, dass die Piraten noch keine Positionen zur Medizin im Parteiprogramm haben.

    Drittens: Ja, dieser Schwachsinn ist mir auch schon über den Weg gelaufen. Mir wäre neu, wenn man ernsthafte Krankheiten durch den Placebo-Effekt besiegen könnte. Bei Jobs hat das mit dem Placebo-Effekt ja wunderbar funktioniert. ;-)

    Ob Frau Scherler zum Arzt geht oder nicht ist mir schnuppe, es geht darum dass sie den Irrsinn an andere weitergibt, die eventuell ernsthafte Hilfe benötigen, diese durch falsche Versprechen aber nicht kriegen bzw. gar nicht in Erwägung ziehen.

  6. Erstens: Was wer wo bekommen darf, obliegt der Partei, nicht dir. Es stört dich? Tritt bei, bring die Mehrheit hinter dich, Problem gelöst.

    Drittens: Bei Jobs hat das mit dem Arzt auch nicht geholfen. ;)

  7. @Legion:
    Erstens: Ich gehe davon aus, dass in der Piratenpartei genug Menschen sind, die genau das machen werden.

    Drittens: Lies hier den dritten Absatz auf der rechten Seite. Wer sich nicht früh genug behandeln lässt, dem können irgendwann auch die Ärzte nicht mehr helfen. Auch die Wissenschaft hat ihre Grenzen, aber die Esoterik hat Jobs durch diese Verzögerung geschadet.

  8. Es geht hauptsächlich darum, dass wir nicht anfangen, Wissen auf die Waage zu legen. Denn sobald das passiert, kann das der Stein sein, der die Lawine in ein neues dunkles Zeitalter auslöst.
    Ich halte selbst nicht viel von Esoterik, aber Wissen als unwert zu bezeichnen ist zum Einen gegen das Grundgesetz (Art. 5 Abs. 3) und zum Andren, wie schon gesagt, eines der schlimmsten Dinge, die wir unserer Zivilisation antun könnten.

    Um dir das Bild zu vereinfachen: Höre dir an, was Studenten vom Wert anderer Studiengänge halten, insbesondere wenn es um Geistes- und Naturwissenschaften geht.

  9. @Herrje: Wenn es um die Gesundheit oder sogar das Leben von Menschen geht, dann muss Wissen allerdings auf die Waage gelegt werden.
    Und natürlich gibt es beim Wissen qualitative Unterschiede. Medizin muss evidenzbasiert sein. Dieses Eso-Blabla aus Toleranzgründen damit auf eine Stufe zu stellen, ist verdammt gefährlich.

    Es ist erschreckend, wie Meinungsfreiheit und Wertepluralismus missverstanden werden.
    Als Partei müssen wir Werte vertreten. Wir sind nicht der Staat. Es ist nicht nur unser Recht, sondern unsere Pflicht, bestimmte Ansichten nicht zu tolerieren, selbst wenn sie rechtlich gesehen noch in Ordnung sind.

    Ich stimme dem Artikel zu. Die Stellungnahme der Fraktion ist ein Unding.

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  11. Pingback: Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Piraten und der Esoterror

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