Inside WikiLeaks – Rezension

Ich habe jetzt innerhalb von zwei Tagen „Inside WikiLeaks“ gelesen, das Buch von Ex-WikiLeaks-Mitarbeiter Daniel Domscheit-Berg. Eines vorweg: Boulevard findet man zwar an einigen Stellen, aber das Buch ist alles andere als eine Abrechnung mit Julian Assange sondern bietet tiefe Einblicke in WikiLeaks.

Was erfährt man über Julian Assange?

Über Julian Assange erzählt Domscheit-Berg fast die erste Hälfte des Buches über. Assange war sein Freund, Domscheit-Berg beschreibt ihn als Maschine mit Starallüren: Tagelang kann er am Computer arbeiten, schläft ein paar Stunden um dann erneut wieder vor dem Rechner zu sitzen. Am Rande des 24C3 beansprucht er den ganzen Presseraum für sich und schickt die Journalisten raus, obwohl der eingereichte Vortrag nicht ins Hauptprogramm aufgenommen wurde und Assange in einem Kellerraum vor gerade mal 20 Leuten seinen 45-Minuten-Vortrag als Workshop hält. Das ist vergleichbar mit einigen Stars, die Extrawünsche haben (Beispiele).

WikiLeaks

Der überwiegende Teil des Buches handelt von WikiLeaks selbst. Davon, wie Assange und Domscheit-Berg zeitweise die einzigen beiden waren, die bei WikiLeaks arbeiteten. Dass es nur einen alten Server gab, den vermutlich jeder noch so kleine DDoS zu Fall gebracht hätte, hätten sie nicht von hunderten weltweit verstreuten Servern gegenüber der Presse gesprochen. Wie Assange und Domscheit-Berg die Seite am Leben erhielten und nebenbei sämtliche E-Mails als fiktive Personen (vom Support bis hin zur Rechtsabteilung) beantworteten.

Über die Medienerfahrung ist auch einiges zu lesen: Wie die Arbeit mit den Medien war, wie die Medien WikiLeaks schnell im Griff hatten und wie der Patzer mit den Zivilisten-Namen in den Afghanistan-Dokumenten zustande kam. Auch über die Arbeit an IMMI wird berichtet.

Besonders das Thema Geld ist interessant. Angefangen davon, dass Assange die alleinige Kontrolle über die Spendenkonnten haben wollte, bis hin zu merkwürdigen Kooperationen mit Unternehmen, die Videos über die Leaks produzierten und diese zu horrenden Preisen an Fernsehsender verkauften. Hier wird deutlich: Was WikiLeaks an Spenden einnimmt und für was diese ausgegeben werden, ist absolut intransparent und auch intern für den Hauptkern der WikiLeaks-Mitarbeiter nicht nachvollziehbar.

OpenLeaks

Das neue Projekt von Daniel Domscheit-Berg, OpenLeaks, wird oftmals im Buch erwähnt und im letzten Kapitel ausführlich erklärt. Das ist okay, aber eben vorallem das letzte Kapitel wirkt ein bisschen wie Eigenwerbung.

Gesamteindruck zum Buch

Das Taschenbuch ist gut zu lesen. Im Anhang findet man alle Übersetzungen der englischen Texte, was besonders bei den zitierten Chatverläufen hilfreich ist. Auch eine zweiseitige Chronik über WikiLeaks ist dabei.

Für mich war besonders der Teil über WikiLeaks interessant. Dass Assange sich wie ein Popstar verhält, haben wir in den letzten Wochen und Monaten schon gesehen.

Fazit

Wer sich mit WikiLeaks beschäftigt, der sollte sich das Buch kaufen. Es ist seine stolzen 18 Euro wert und enthält viele Informationen über WikiLeaks. Eine Leseprobe findet sich bei Amazon.

(Disclosure: Ich habe mir das Buch selbst gekauft und auch kein Geld für den Beitrag bekommen, falls das jemand denken sollte. Das Buch ist wirklich empfehlenswert.)

5 Gedanken zu “Inside WikiLeaks – Rezension

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