Jan Delay über Abmahnungen – Teil 2

Kaum wurde das Statement von Jan Delay über Abmahnungen im Netz rumgereicht, kommt Delay mit einem zweiten Statement daher. Dabei relativiert wer seine Meinung und gibt zu, dass er selbst auch Abmahngebühren bekommen hat:

ich rufe nicht dazu auf grundsätzlich musik zu klauen! ich rufe dazu auf, sich nicht beim saugen von schlechter – oder ohne herzblut gemachter musik erwischen zu lassen! und ich rufe dazu auf, künstler die man für gut befindet zu supporten indem man ihre musik kauft!
des weiteren hat universal mich darauf hingewiesen, daß bei meiner letzten abrechnung auch ein nicht gerad geringer betrag aus solcherlei erlösen stammte.. peinlich ;-).. das habe ich nicht gewusst! ein sorry dann auch an universal! dieses ekelige kriegsgewinnler geld will ich aber gar nicht haben! ich werde das komplett spenden, auch in zukunft! und es ändert nichts daran, daß ich diese art von geschäftemacherei um die einbrechenden umsätze zu kompensieren ein unding finde!

Das ist in der Tat peinlich. Vorallem, weil somit schonmal das Argument wegfällt, dass die Künstler von dem durch Abmahnungen eingenommenen Geld “nix” sehen. Das er seinen Anteil des Abmahngeldes spenden will, finde ich eine gute Sache. (Ich erwarte dann aber auch, dass er das bald mal irgendwie beweist.)

Dann fordert Delay, dass sich die Musikindustrie etwas neues ausdenken muss, damit Musik finanzierbar bleibt. Dem würde ich zwar so zustimmen, aber es liest sich ein bisschen so nach dem Motto “Ich bin Musiker und mache die Musik, seht ihr zu wie ihr mich vermarktet!”. Ich glaube, dass an der Stelle eben Selbstvermarktung eine Rolle spielt, bei der Delay eben auch mitarbeiten muss und nicht alles dem Label überlassen kann.

Und dann kommt Delay zum Ende mit drei Ideen, die es teilweise schon gibt. Diese lauten:

- wieso das alles nicht handhaben wie schwarzfahren? “fahrkartenkontrolleure” werden eingestellt, und wer so dumm ist sich erwischen zu lassen muss 60 euro blechen..
- eine “musik-steuer” auf alles was musik wiedergeben kann. rechner, mp3-player, boxen, anlagen, usb-sticks, etc.. die erlöse gehen über eine dafür geschaffene institution an newcomer, plattenlabel, studios, produzenten, komponisten, video-regisseure, usw.. an alle unter einer festgesetzten einkommensgrenze. dieter bohlen und ich kriegen davon nix!
- mal konsequent die ganzen anwälte statt auf mittellose kids, auf all die “taff”s und “explosiv”s dieser welt ansetzen. die sollen mal gerne und viel dafür zahlen, daß sie ständig unsere musik kommerziell ausbeuten.
- oder eine selbstbestimmte, erweiterte “radiohead”-variante. die musikschaffenden gründen einen verein mit einem konto, und jeder der was saugt kann sein schlechtes gewissen mit einem selbstbestimmten betrag frei kaufen. hat was kirchlich-mittelalterliches ;-) man müsste natürlich schreiben für welchen künstler/song, aber ich denke in unserer heutigen verlinkten online-welt, sind es keine kosten oder mühen, mal irgendwohin 1 euro zu überweisen. das würde die ganze industrie natürlich außen vor lassen..

1. Als Fahrkartenkontrolleure kann man die bei Rasch und Co. arbeitenden Studenten “Ermittler” nennen, die in Tauschbörsen fleißig IP-Adressen loggen und Abmahnungen verschicken.

2. Eine “Musik-Steuer” gibt es auch schon, nämlich die Pauschalabgabe u.a. auf Brenner, MP3-Player und CD-/DVD-Rohlinge. Das merkt nur niemand, weil diese Pauschalabgaben einmalig sind und im Kaufpreis schon miteingerechnet sind.

3. Der Musiker-Verein ist sicherlich mal eine neue Idee. Doch wie Delay selbst schreibt: Die Industrie bleibt komplett außen vor. Der Produzent im Tonstudio kriegt nichts ab, das Label welches viel Promotiongeld ausgibt ohne zu wissen ob die Platte die Werbeausgaben wieder reinspielt kriegt nichts ab, das Presswerk kriegt nichts ab und so weiter.

Sicherlich könnte man den letzten Punkt so umsetzen, wenn sich diese Künstler selbst vermarkten, selbst aufnehmen und selbst promoten. Eben das, was schon CC-Künstler die ganze Zeit machen und dabei mal mehr, mal weniger Erfolg haben.

Vielleicht sollte Jan Delay sich einfach mal mit CC-Künstlern unterhalten? Wobei das natürlich nichts ändern wird, denn wenn Delay diese Seite erstmal zu hören bekommt, wird er merken wie gut er es doch bei Universal hat – auch (oder gerade wegen) dem Abmahngeschäft.

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Ein Gedanke zu “Jan Delay über Abmahnungen – Teil 2

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