Polizei-Schichtwechsel schuld an Loveparade-Katastrophe?

Das Rätselraten, wer nun die Schuld an der Loveparade-Katastrophe trägt, geht weiter. Der SPIEGEL hat nun neue Informationen:

Den Ermittlungen zufolge waren für den Zugangsbereich des Partygeländes, wo Besucher zu Zehntausenden durch einen engen Tunnel laufen mussten, lediglich zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei zur Sicherung eingeplant – und diese mussten sich am Nachmittag der Techno-Parade ablösen. Der Schichtwechsel war ursprünglich nicht geplant gewesen, wurde aber notwendig, weil das Düsseldorfer Innenministerium wenige Wochen vor der Love Parade per Erlass bestimmt hatte, die Dienstzeit der eingesetzten Beamten zu begrenzen – auf maximal zwölf Stunden, inklusive An- und Abreise.

Im Vorfeld soll wohl schon polizei-intern gewarnt worden sein, dass es durch diese Änderung am Nachmittag zu Problemen kommen kann, wenn genau dann der Schichtwechsel vorgenommen werden muss.

Die geplante Ablösezeit am Nachmittag falle in die “kritische Einsatzphase” der Love Parade, in der man dann nur “eingeschränkt handlungsfähig” wäre. Die Kräfte könnten in dem Gedränge nur unter großen Schwierigkeiten ihren Einsatzort erreichen; für zwei Stunden könne nicht garantiert werden, dass polizeiliche Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt würden.

Zudem soll es auch noch große Kommunikationsprobleme gegeben haben: Laut Vernehmungen von Polizeibeamten waren an dem Tag auch immer wieder die Funkgeräte ausgefallen, das Handynetz war ohnehin wegen den Besuchern überlastet. Eine Vorrangschaltung, wodurch bei Netzüberlastung Einsatzgeräte bevorzugt werden, wurde nur für einen kleinen Teil der Polizei-Handys angemeldet.

Schon Ende Januar geriet die Polizei in Kritik, da ebenfalls nach SPIEGEL-Informationen ein Polizist den Befehl zur Öffnung der Sperren gegeben haben soll, was zu dem Unglück geführt haben soll. Die Polizeigewerkschaft forderte daraufhin die Unschuldsvermutung für die verdächtigen Beamten.

(Bild: Achim Hepp unter CC BY-SA 2.0)

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