Reallife-DDoS vor Gericht

HAHA, sehr genial: DDoS lässt sich immer wieder ins reale Leben übertragen. Klassiker unter den Reallife-DDoS sind die Besuche vom Chaos Communication Congress bei Donut-Läden in Berlin, die wegen den vielen Teilnehmern nicht mit den Bestellungen nachkommen (hier ein Video vom 25c3).

In Berlin gab es jetzt sogar einen Reallife-DDoS vor Gericht: Eine Frau ist zwischen Juli 2008 und April 2010 in Zügen der deutschen Bahn schwarzgefahren – ganze 940 Mal wurde sie erwischt. Nun stand sie vor Gericht:

Was soll man mit einer Frau machen, die in Zügen Unterschlupft gesucht und kein Ziel hatte? 940 Anklagepunkte sind nicht zu bewältigen, waren sich Richterin, Anklagevertreter und Verteidiger einig. Fast 900 wurden „in Hinblick auf die zur erwartende Verurteilung in den übrigen Fällen“ vorläufig eingestellt.

Das ist doch mal ein schönes Ding. Aber es geht ja noch weiter: Zugbegleiter aus ganz Deutschland waren als Zeugen geladen. Und da gab es natürlich wieder ein Problem, nämlich ein zweiter Reallife-DDoS:

Kaum einer der Zugbegleiter konnte sich an Irene D. erinnern. „Kein Theater, dann vergisst man einen Fahrgast ohne Fahrkarte schnell“, meinte eine 43-jährige Zeugin.

Und was nun? Klar, die Frau wurde trotzdem bestraft.

Am Ende führten 36 Fälle zum Schuldspruch. Irene D. sei vermindert schuldfähig gewesen und habe in einer Notlage gehandelt, hieß im Urteil. Acht Monate Haft auf Bewährung ergingen. Und ein Bewährungshelfer soll ihr künftig helfen, ihr Leben zu organisieren.

Man kann natürlich nur mutmaßen, wie das Urteil gewesen wäre, wenn alle 940 Fälle gewichtet geworden wären und sich die Zeugen besser hätten erinnern können. Sicherlich wäre es höher ausgefallen.

Alles in allem aber ein toller Hack. :-)

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