WikiLeaks-Festplatte zerstört [UPDATE]

Laut dem SPIEGEL soll Daniel Domscheit-Berg die Festplatte mit den WikiLeaks-Daten zerstört haben:

Er habe die Dateien „in den letzten Tagen geschreddert, um sicherzustellen, dass die Quellen nicht gefährdet werden“, so Domscheit-Berg. Begründung: WikiLeaks-Gründer Julian Assange könne keinen sicheren Umgang mit dem Material garantieren.

In dem Datenbestand befand sich nach SPIEGEL-Informationen unter anderem die sogenannte „No-Fly-Liste“ der US-Regierung, auf der die Namen von Verdächtigen notiert waren, denen das Betreten eines Flugzeugs untersagt ist. Assange sagte, zu dem Material hätten auch Insiderinformationen aus 20 rechtsextremistischen Organisationen gehört. Domscheit-Berg wollte das nicht bestätigen. Assange fordert seit Jahresanfang die Herausgabe der Daten.

Es ist doch bemerkenswert, dass der SPIEGEL angeblich weiß, was auf einer verschlüsselten und nun zerstörten Festplatte drauf gewesen sein soll. Ebenso ist es interessant, dass Julian Assange wissen will was auf der Festplatte drauf war, wenn er dessen Inhalt noch nie gesehen hat.

Dass Daniel Domscheit-Berg die Daten vernichtet hat, ist ein Rückschlag für Whistleblower. Leute, die teilweise ihr Leben und mindestens ihren Job riskieren, können nichtmal sicher sein, dass ihre Informationen auch wirklich an die Öffentlichkeit geraten, bloß weil sich die Leute der Leaking-Plattform streiten. Und das wird OpenLeaks nun anlasten, da kann Daniel noch so viel versprechen wie er will. Streit ist schließlich auch unter den OpenLeaks-Leuten nicht ausgeschlossen.

Wie Fefe schon schrieb: Daniel hat sich mit der Herausgabe-Bedingung in eine Ecke gebracht, aus der er nicht mehr heil rauskommt. Und leider ist auch der Chaos Computer Club an dieser Eskalation nicht ganz unschuldig, vielleicht wäre die Geschichte ohne den Ausschluss von Daniel ganz anders ausgegangen.

UPDATE:

WikiLeaks hat gerade ein paar Tweets rausgehauen: Sie wiederholen darin die Behauptungen im SPIEGEL (No-Fly-List, 20 Nazi-Organisationen), außerdem sollen 5 GB Daten über die Bank of America dabeigewesen sein und „US intercept arrangements“ für hunderte IT-Unternehmen. Auch 60.000 E-Mails der NPD seien gelöscht worden (wahrscheinlich diese hier?). Woher sie dieses Wissen nehmen, ist immernoch ungeklärt.

8 Gedanken zu “WikiLeaks-Festplatte zerstört [UPDATE]

    • @Tilman: Nunja, es ist undurchsichtig. Julian Assange (JA) hat gegenüber dem SPIEGEL behauptet, er habe keinen Schlüssel zum Entschlüsseln des Materials. Da ist halt die Frage, ob vorher irgendwer von WikiLeaks die Daten überhaupt gesehen hat oder nicht.

      Vielmehr will ich damit aber auch anmerken, dass jetzt jeder behaupten kann, was für Daten auf der Festplatte angeblich drauf waren, ohne dass es belegt werden kann. Selbst Dementis können nicht belegt werden, wenn die Daten alle weg sind. Da sowohl DDB als auch JA schon Unwahrheiten verbreitet haben, würde ich keinem von beidem Glaubwürdigkeit schenken.

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