WikiLeaks und die Repräsentanten

Sicherlich haben viele den Zickenkrieg mitbekommen: Der Chaos Computer Club (CCC) hat Daniel Domscheit-Berg von OpenLeaks rausgeschmissen. Als Begründung heißt es, Daniel Domscheit-Berg habe dem Club geschadet, weil er bei seinem OpenLeaks-Vortrag dazu aufgerufen hatte, das System zu testen. Vor der Vorstandsitzung hatte Andy Müller-Maguhn aus dem CCC-Vorstand schon dem SPIEGEL ein Interview gegeben, in dem er sagte, dass der CCC kein Gütesiegel vergibt.

Meiner Meinung nach wird das alles sehr hochgespielt, denn irgendwie ist das Camp wie auch der Congress nicht nur ein Treffen zum Vorträge-Lauschen, sondern natürlich auch, um solchen Projekten mal auf den Zahn zu fühlen. Es geht aber wohl noch um einige andere Dinge, z.B. dass Clubräume für Pressetreffen ohne Absprache genutzt wurden oder die berühmte Festplatte, die Daniel Domscheit-Berg von WikiLeaks mitnahm und erst zurückgeben will, wenn WikiLeaks eine sichere Infrastruktur hat. Darüber hatte er auch in seinem Buch geschrieben.

Interessant ist nun etwas anderes: Anke Domscheit-Berg, die Frau von Daniel, hat gestern getwittert, dass Andy Müller-Maguhn „offizieller Repräsentant“ von WikiLeaks ist. Auf der WikiLeaks-Seite sah das so aus:

Heute sieht die Seite so aus:

Ja, Andy Müller-Maguhn wurde entfernt, auch aus dem Quelltext. Zusätzlich wurde auch noch die Datei von „Media.html“ in „Press.html“ umbenannt. Wer den bit.ly-Link aus Anke’s Tweet klickt, erhält jetzt nur noch eine Error-Meldung vom Server.

Ich weiß nicht, wer dort Zugriff auf die WikiLeaks-Seite hat, aber es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet nachdem dieser doch nicht gerade unwichtiger Punkt über Twitter rumging, nun dieser von der Seite verschwunden ist.

Denn: Wenn Andy Müller-Maguhn immernoch „offizieller Repräsentant“ von WikiLeaks ist, so war er auf dem Camp mindestens in einem Interessenskonflikt und hätte sich bei der Sitzung enthalten müssen. Er jedoch soll es gewesen sein, der das ganze überhaupt angestossen hat.

Irgendwie alles ein sehr übles Geschmäckle. Und ich kann nur den Beitrag von Philip Banse empfehlen, der sagt, dass der Rauswurf dem CCC sehr geschadet hat. Dieser Meinung bin ich auch.

Fefe hat auch einiges Schlaues über die ganze Sache geschrieben: eins, zwei, drei, vier.

14 Gedanken zu “WikiLeaks und die Repräsentanten

    • @menensys: Danke für den Hinweis.

      Auf der alten Seite steht über den Adressen:

      The commentators listed and their details listed are publically available

      Und auf der neuen:

      The commentators listed and their contact details are publically available. These commentators (except for the Official Representatives) do not represent WikiLeaks; they are listed because they are knowledgeable about the topics.

      Insofern hast du recht, WikiLeaks hatte es in der alten Version nur nicht klar genug ausgedrückt. Interessant ist aber, dass WikiLeaks überhaupt reagiert, denen kann das ja eigentlich egal sein.

      Und selbst wenn AMM aus Knowledge-Gründen dort stand, zeigt es doch, dass er eine engere Verbindung zu WikiLeaks gehabt haben muss, schließlich wird da ja auch nicht jeder auf die Liste gesetzt, der was will. Den möglichen Interessenskonflikt sehe ich daher immernoch.

  1. Es ist eben die Frage, ob die dort gelisteten Personen alle gefragt wurden. Auf der Seite steht (und stand):

    The commentators listed and their details listed are publically available

    Klingt ein bisschen so, als hätte man die Kontakte einfach im Internet eingesammelt.

    Dann ist die Frage, wer die Entfernung angewiesen hat, vermutlich Andy Müller-Maguhn selbst. Wenn er nicht auf die Idee gekommen ist, dann vermutlich jemand anders vom CCC mit der Begründung, wenn man schon den Openleaks-Sprecher medienwirksam aus dem Verein wirft, kann man nicht gleichzeitig bei Wikileaks auf der Seite stehen. Insofern sehe ich das erstmal als konsequenten Schritt, insbesondere dann wenn er gelistet war, ohne das zu wissen oder es bereits wieder vergessen hatte.

    Aber da Müller-Maguhn im Spiegel-Interview gesagt hat, er wäre in den letzten Monaten mehrere Male bei Assange in England gewesen, habe ich sowieso nicht den Eindruck, dass er aus seinen Verbindungen zu Wikileaks einen Hehl macht. Das darin ein Interessenkonflikt besteht, ist gut möglich.

    • @menensys: Ich glaube nicht, dass die Leute ungefragt auf der WikiLeaks-Liste stehen. Bei dem Medien-Rummel, der um WikiLeaks betrieben wird/wurde, wäre das schon recht absurd, ungefragt Kontaktdaten zu veröffentlichen.

      Wer die Entfernung angewiesen hat, könnte in dem Zusammenhang zwar wichtig sein, doch letztendlich bringt das ja nur wieder mehr Intransparent: Jetzt ist AMM vllt. immernoch eng mit WikiLeaks verbunden, jedoch nur noch still und heimlich. Konsequent wäre es, wenn er sagen würde, er würde den Kontakt – nachdem er ihn zu OpenLeaks so medienwirksam abgebrochen hat – auch zu WikiLeaks abbrechen. (Und das müsste er natürlich auch in den Medien machen, damit wieder Ruhe ist und niemand mehr spekuliert.)

  2. Es geht ja nicht darum, dass niemand vom CCC bei Wikileaks oder Openleaks mitmachen oder mit diesen Organisationen Kontakt haben darf, nur sollte nicht der Eindruck entstehen, dass sie vom Club offiziell unterstützt werden oder man ihnen zuarbeitet. Der Rauswurf wurde damit begründet, dass Daniel Domscheit-Berg genau diesen Eindruck erweckt hat. Ob das nun gerechtfertigt ist oder nicht.

    Vielleicht kommen nach dem Ende der CCC-Nachrichtensperre ja ein paar Erläuterungen zu dem Vorgang…

    • @menensys: Ja, ich hoffe auch dass da noch mehr Erklärungen kommen. Allein die „Nachrichtensperre“ ist aber auch schon wieder so eine Sache, wo ich nur „WTF?!“ sagen kann. Der CCC setzt sich gegen Zensur ein, verhängt aber intern eine „Nachrichtensperre“ um erstmal auszudiskutieren. Eine öffentliche Diskussion würde ja auch nicht schaden, wobei ich damit nicht meine, dass jetzt jeden Tag ein Exklusiv-Interview bei SPON erscheint, bei dem einer aus dem CCC-Vorstand seine Sicht der Dinge erzählt… ;-)

  3. Nur zur Sicherheit, dass eine echte Nachrichtensperre verhängt worden ist, wüsste ich nicht. Ich hätte das in Anführungszeichen setzen sollen. Wenn keiner über den Vorgang redet, basiert das vermutlich auf freiwilliger Zurückhaltung.

    • @menensys: Ja, eine direkte Nachrichtensperre gibt es nicht.

      Beim Freitag heißt es, dass es keine offizielle Stellungnahme vom CCC gibt und laut Constanze Kurz antworten die CCC-Sprecher zu dem Thema derzeit nicht, „weil die interne Debatte über den Entschluss des Vorstands noch läuft“. (Mit Ausnahme von Frank Rieger.)

      AMM sagt zum Freitag, die CCC-Sprecher wollen sich nicht äußern, weil „sie den Beschluss persönlich nicht mittragen und kommunizieren wollen“.

      Dieses Schweigen ist aber mitunter auch schädlich, besonders wenn es sich noch länger hinzieht.

  4. Ich finde das schweigen der sprecher eher klug. Was sollen sie auch tun, sich öffentlich gegen ihren eigenen Vorstand stellen? Der muss zurücktreten, denen fehlt der Rückhalt im eigenen Verein. Andy ist nur noch peinlich und eine belastung.

    Jede Kritik an openleaks muss man sich im Kopf mal andersrum überlegen. Vieles gilt dann nämlich genauso für wikileaks. Fanboy Andy will das wohl nicht wahrhaben, im ccc sind aber viele kluge Leute, die das wohl verstehen.

    • @Mathias: Nunja, mit dem Schweigen halten sie sich halt raus und entgehen somit wenigstens Fehltritten. Ob das unbedingt gut ist, da bin ich mir selbst unschlüssig. Teils-teils.

      Mir fehlt zum Beispiel auch ein offizielles Statement auf ccc.de, stattdessen wird lieber über SPIEGEL und Freitag kommuniziert. Kommunikationsmäßig ist das irgendwie alles nicht so toll.

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