Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat sich zu ACTA geäußert – natürlich nicht gerade erfreulich, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins Alexander Skipis schreibt:
Mit der Ablehnung von ACTA setzt das EU-Parlament – wie auch schon zuvor die Bundesregierung – ein sehr gefährliches Zeichen. Die Entwicklung kultureller Inhalte ist gefährdet, weil die Bekämpfung von planmäßigen Urheberrechtsverletzungen damit einen Rückschlag erlitten hat.
Was für ein Mist. Kultur entsteht oftmals erst durch Urheberrechtsverletzungen – man denke an die Remix-Kultur der Mashups oder an Memes. Mit ACTA wäre eine Strafverfolgung von Urheberrechtsverletzungen auch nicht einfacher geworden als sie es jetzt ist.
Es folgt offensichtliches Piratenpartei-Bashing und eine “die Politik muss was tun”-Phrase:
Auch wenn vordergründig die Position derjenigen bestätigt wird, die das Urheberrecht geschwächt sehen wollen, ist es umso wichtiger, gemeinsam mit allen Beteiligten weiterzudenken, damit der Schutz des geistigen Eigentums gewährleistet bleibt – als Voraussetzung für ein vielfältiges und hochwertiges kulturelles Angebot. Vor allem die Politik steht hier in der Verantwortung.
Und dann kündigt der Börsenverein an, “Ideen” auszuarbeiten:
Der Börsenverein hat darüber hinaus die Initiative ergriffen, gemeinsam mit allen Akteuren konkrete Ideen für ein modernes Urheberrecht im Internetzeitalter zu entwickeln. Wir wollen damit die kreativen Potenziale, die das Netz bietet, im Interesse der kulturellen Entwicklung freilegen und fördern.
Das erinnert mich an das Leistungsschutzrecht. Wahrscheinlich sagt sich der Buchhandel: Wenn die Zeitungsverlage Gesetze lobbyieren können, dann machen wir das jetzt auch mal. Der Buchhandel macht solche Aktionen wie “Ideen” sammeln nämlich nicht grundlos, denn schließlich ist der Börsenverein auch für Lobbyismus zuständig, Wikipedia dazu:
Auf politischer Seite vertritt der Börsenverein eine offensive Politik im Bereich des Urheberrechts [...]. Er kümmert sich um politische Lobbyarbeit und verbandspolitische Themen.
So harmlos die Ankündigung klingt, sie könnte eine Art Leistungsschutzrecht für den Buchhandel werden. Zumindest würde mich eine solche “Idee” nicht überraschen, man denke an die aktuelle Loriot-Klage.
Ein Lacher ist übrigens, dass die Politiker uns ACTA anfangs ja als “das ist nur gegen Produktpiraterie” verkauft haben. Nichtmal die Contentindustrie glaubt an solche Argumente, wie man anhand der Reaktion des Börsenvereins des deutschen Buchhandels sehen kann.
Bonus-Lacher: Nahezu wöchentlich schließen Buchhändler. Der (Einzel)Buchhandel liegt im Sterben und das einzige, was dem Buchhandel einfällt, ist das zu machen, was die Film- und Musikindustrie macht: Sich an das Urheberrecht klammern.