Amazon hat derzeit eine Aktion: Bis zum 15. September gibt es jeden Tag einen “Taschen-Guide” kostenlos. Tolle Sache. Jetzt achtet mal auf den Störer auf den Covers, so wie bei dem heutigen Kostenlos-Exemplar “Selbstorganisation”:
“Limitierte Jubiliäumsausgabe”, soso. Wahrscheinlich werden die E-Books nach 1.000 Downloads als “nicht mehr verfügbar” eingestuft oder wie muss man sich das vorstellen?
Natürlich gibt es diese Ratgeber auch als Buch. Scheinbar hat der Verlag Haufe-Lexware also schlichtweg vergessen, für die E-Books eine zweite Cover-Version ohne Störer zu machen. Schließlich können E-Books unendlich oft kopiert werden, da ist nichts limitiert.
Überhaupt, die E-Book-Umsetzung scheint nur teilweise gelungen zu sein. So gehen die Tabellen teilweise über den Rand hinaus, wenn man am Desktop eine “normale” Schriftgröße eingestellt hat. (In der Leseprobe sind die Tabellen noch grün unterlegt, das ist im E-Book selbst aber nicht.)
Auch den Blocksatz bei Überschriften finde ich misslungen. Dieser macht zum einen keinen Sinn und zum anderen sieht es einfach nur doof aus, wenn bei einer Überschrift massig Platz zwischen den einzelnen Wörtern ist.
Inhaltlich habe ich mich mit dem E-Book weniger auseinandergesetzt, weil ich jetzt nur mal technisch drüberschauen wollte. Aber drei Sachen sprangen mir dann doch ins Auge. Unter “Was ist beim Einsatz von E-Mails als Aufgabe zu beachten?” steht:
Mal abgesehen davon, dass man nie sicher sein kann, dass der eigene Computer virenfrei ist (weil “Virenschutzprogramme” eben auch ihre Grenzen haben), so fehlt in der Überschrift am Ende das Wort “fern”. Dieser Fehler kann passieren, schlimmer ist jedoch, dass auf Chip und PC-Welt verwiesen wird, statt wirklich ein Programm zu empfehlen. Wenigstens auf eine Vergleichsseite wie z.B. bei der Wikipedia hätte man verweisen können. Mehr als den obrig gezeigten Text gibt es zu diesem Thema übrigens nicht, danach folgt bereits ein anderer Tipp.
Im gleichen Kapitel steht, dass man E-Mails verschlüsseln kann, damit zwischen Absender und Empfänger niemand den Inhalt verändern kann. Mehr nicht. Hier hat man neben einer gernaueren Erklärung, wie man sowas macht und welche Möglichkeiten es gibt, sogar Verweise auf Seiten vermieden, auf denen es Anleitungen gibt.
Aller guten Dinge sind drei, dies ist wirklich ein besonderer Schnitzer:
Na, erkannt? Richtig, bei der zweiten URL fehlt ein Bindestrich. Wenn mir das als Leser beim flüchtigen Drübergucken schon auffällt, sollte es dem Lektorat erst recht auffallen. Interessant ist übrigens, dass an mehreren Stellen die Autoren auf weitere Informationen im Internet hinweisen. Dabei handelt es sich meistens um ihre eigenen Internetseiten – man beachte auch, dass oben Chip und PC-Welt keine Verlinkung im E-Book wert waren, Autorenseiten jedoch schon.
Was nach diesen drei Beispielen übrig bleibt: Die technische Umsetzung ist ein “geht so”, es gibt teilweise nur unzureichende Informationen und die Art, wie die Autoren öfters auf ihre eigenen Seiten verweisen, erinnert mich eher an diese Selbstdarsteller im Internet. Die bringen ihre E-Books kostenlos raus und bauen damit Mailinglisten auf, aus denen sie dann mit kostenpflichtigen E-Books möglichst viel Profit schlagen wollen.
Als Verleger würde ich alleine schon bei diesen Textfragmenten eine Veröffentlichung ohne großer Überarbeitung ablehnen (und wer weiß, wie der Rest des Buches ist). Als Kunde bezweifele ich, ob unter diesen Voraussetzungen der Ratgeber überhaupt etwas bringen kann. Lust darauf, das Buch komplett zu lesen, habe ich nach diesem kurzen Überblick jedenfalls wenig.



