Bundestagswahl 2013: Wahlwerbespots unter der Lupe [UPDATE]

Wahlwerbespot-Check: Was haben sich die Parteien denn kreatives ausgedacht, uns zu überzeugen? Nicht allzuviel, aber schauen wir uns das mal im einzelnen an.

Bundestagsparteien

Die CDU setzt in ihrem Spot komplett auf Angela Merkel. Ziemlich egoistisch. Immerhin wurde „Neuland“ aufgegriffen, aber während Merkel „Ich will ein Land, in dem die belohnt werden, die etwas leisten“ sagt, schuften hierzulande neuerdings die Werkvertragsarbeiter unter Tariflöhnen, nachdem das bei Leiharbeitern nicht mehr geht. Auch sehr bemerkenswert: „Das Richtige ist nicht immer was am Lautesten gefordert wird. Das Richtige ist, was am Ende den Menschen hilft.“ Merkel ist also absolut egal, was die Bürger fordern – Mutti wird schon wissen, was für die Menschen das Beste ist.

Bei der SPD überlässt man das Rednerpult dem Volk. Klare Standpunkte, wie sie auch beim Stammtisch um die Ecke fallen. KiTas, Bildung und Mindestlohn sind die zentralen Themen. Am Ende betont Peer Steinbrück nochmal, dass er Kanzler werden und alles besser machen will. Gut gemacht, wäre da nicht das kleine Detail, dass die SPD für Hartz IV und deren Auswüchse der Agenda 2010 selbst schuld ist und die Bürger oft genug verraten hat, zuletzt beim Leistungsschutzrecht.

Die FDP zeigt uns am Anfang Landschaftsbilder, wirbt mit „Deutschland geht es gut“ (der Satz fällt auch im CDU-Spot) und einem Kaffee trinkenden Rainer Brüderle im Café (nicht in einer Bar). Er verspricht die Steuern nicht zu erhöhen, Soli-Abschaffung und Rentenerhöhungen. Klare Positionen, starke Bilder. Man lässt sich sogar zur Aussage „Der Euro bleibt sicher“ (Cache) hinreißen. Dass die FDP vorallem für den Mittelstand Politik machen will, geht es aus dem Spot auch hervor. Die Hoteliers freuen sich schon.

Die Grünen setzen auf William Cohn: Der von „Roche & Böhmermann“ bekannte Sprecher philosophiert über die „Gastropoda – auch bekannt als ‚gemeine Schnecke'“, die erkennbar stellvertretend für die CDU stehen soll. Zwischendrin werden Bilder der CDU/CSU eingeblendet, zum Beispiel wird während „… wie häufig bei Zwitterwesen beobachten wir hier eine ausgeprägte Vetternwirtschaft …“ Bilder von Horst Seehofer eingeblendet. Gut, CDU-CSU-Bashing, aber was fordern die Grünen denn nun? Das wird nicht ersichtlich.

Deswegen haben Die Grünen einen zweiten Wahlwerbespot. Glaubt man der YouTube-Bezeichnung, wird nur dieser im Fernsehen ausgestrahlt. Dort erzählen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt, was sie vorhaben: Armut, KiTas statt Betreuungsgeld, „100 % Erneuerbare Energie“ statt Kohle und Atomkraft, gegen Massentierhaltung und für ökologische Landwirtschaft. Neben den klaren Standpunkten gibt es aber auch Spielraum: Strom soll „bezahlbar“ sein und „Familien müssens leichter haben“ – ungenaue Forderungen. Dabei versuchen die beiden, trotz ihres starren Vortrages etwas locker zu wirken, indem sie auf die 90-Sekunden-Begrenzung des Spots eingehen und symbolisch ein großes grünes Scheibenrad mit dem Slogan „Und du?“ durch das Land rollen lassen.

Im Spot der Die Linke werden Menschen gezeigt, die Missstände aufzählen und mitten im Satz ruhig gestellt werden. Am Ende ein paar Politikerphrasen von Merkel und Westerwelle. Das ganze vor weißem Hintergrund. Keine direkten Positionen, aber das Anprangern und der hinterherige Slogan „100 % sozial“ lässt durchblicken, wofür die Partei steht. Ist in Ordnung.

Kleinparteien

Die Piratenpartei präsentiert in ihrem Spot Szenen mit Menschen vor weißem Hintergrund in Zeitlupe mit einem Off-Sprecher. Die Themen sind Kulturförderung, Bildung, Arbeit, Drogen, Adoption für gleichgeschlechtliche Partner und Überwachung. Am Ende wird der Slogan „Aufbrechen, klarmachen, ändern“ eingeblendet – obwohl die Piraten eigentlich einen anderen Slogan haben („Wir stellen das mal infrage„). Der Spot ähnelt dem der Linken. Scheinbar wurde auch Fiktion mit Realität vermischt, denn dem Theater Trier scheint es doch recht gut zu gehen. Auch hier fehlt eine deutliche Positionierung, einzig der Slogan am Ende zeigt, dass die Piraten diesen Ist-Zustand ändern wollen.

Nach diesen ganzen Spots wird es Zeit für etwas witziges – wie gut, dass es Die Partei gibt. Deren Spot ist synchronisiert, im Stil der Homeshopping-Sender gemacht und preist „Die PARTEI mit extra Demokratie“ und „4 Jahre Demokratie gratis testen“ an. Es gibt sogar ein Bund Bananen gratis. Sehr erheiternd. :-D

[UPDATE (11.09.2013, 20:26 Uhr)]
Das ist aber nur einer von vier Spots der PARTEI. Der zweite Spot stellt das RAF-Video der Entführung von Hanns-Martin Schleyer nach: Kanzlerkandidat Oliver Maria Schmitt bettelt um Wahlstimmen und bewirbt sein Buch „Mein Wahlkampf„. In dem dritten Spot werden Politiker-Statements gezeigt und anschließend von PARTEI-Mitgliedern nachgeplappert. Ein weiterer Spot zeigt verschwommen eine Sexszene, der Spot ist laut Einblendung „zum Thema Familienpolitik“. Alles sehr spaßig und unterhaltsam.
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Ein Blick nach Rechts: Die Alternative für Deutschland hat einen erstaunlich guten Spot gemacht, in dem Bürger draußen auf der Straße Fragen stellen, die anschließend durch einen eingeblendeten Text und einer Off-Stimme mit der Position der Partei beantwortet werden. Themen: Griechenland aus dem Euro raus, Staatsschulden reduzieren, Volksentscheid über EU-Einfluss, gegen Euro-Rettung und eine bessere Energiepolitik. Mit „Einwanderung nach Qualifikation“ will die AfD aber auch, dass wie in Kanada Ausländer nach ihren Fähigkeiten selektiert werden.

Noch ein Blick nach Rechts: Die NPD beginnt ihren Spot mit „Massenzuwanderung“, die Rechten wollen die D-Mark wieder haben und „nicht Zahlmeister der EU sein“ (O-Ton Udo Pastörs) und deswegen aus dem Euro raus. Der Rest geht vorallem gegen Ausländer. Hier sind Parteimitglieder zu sehen, die ihre teils ausländerfeindlichen Positionen direkt vortragen. War ja klar.

Die Metaebene

Auch auf der Metaebene kann man ein bisschen was finden. Zunächst einmal fällt auf, dass lediglich die SPD, die Grünen (beim Trittin-Göring-Eckardt-Spot) und die Linke ihre Videos mit Untertitel (auf deutsch) gefüttert haben, um ihre Spots auch hörgeschädigten Menschen besser zugänglich zu machen. HD-Freunde können sich alle Wahlwerbespots in 720p ansehen, die Spots der Grünen, Linke, Piraten und AfD sogar in 1080p (HDTV).

Besonders auffällig ist, dass das Wort „Rente“ besonders oft fällt, allerdings in unterschiedlichem Zusammenhang. Bei der SPD wird die Unsicherheit über die Rente ausgesprochen, die FDP verspricht, dass die Renten steigen werden (wohl eher Wunschdenken). Die AfD will das Geld der Euro-Rettung in die Renten stecken, während die Linke fordert, dass Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen sollen, damit mehr Geld vorhanden ist. Ebenfalls Spot-übergreifend werden Lohn/Mindestlohn und KiTas häufig angesprochen.

Die Panne bei den Wahlwerbespots von FDP und NPD, die beide die Fahrrad-Familie verwendet die auch in einem Quark-Werbespot vorkommt (wie passend), ging ja schon rum. Und wie steht es mit dem Netzwerken? Einzig die NPD blendet in ihrem Spot nicht nur ihre Website-Adresse, sondern auch die Adresse ihrer Facebook-Seite ein.

Bei der Forderung, was die Wähler am 22. September tun sollten, gibt es auch Unterschiede. Die CDU möchte beide Stimmen haben, FDP und AfD fordern zur Zweitstimme auf. Die SPD will „Ihre Stimme“, ebenso unklar sind die Aufrufe der Linken („Die Linke wählen“), der NPD („Wählen Sie NPD“) und der PARTEI („Wählen Sie am 22. September Die PARTEI“). Die Piraten verzichten ganz auf einen Aufruf, ebenso die Grünen im ersten Spot mit William Cohn – im zweiten Spot wollen die Grünen dann aber doch die Zweitstimme haben.

Fazit

Viel Kreativität zeigen die Spots allesamt nicht. Die meisten setzen auf „Heile Welt“-Bilder oder stellen Personen (Spitzenkandidaten, Mitglieder, angebliche Bürger, Betroffene) in den Mittelpunkt. Besonders häufig werden die Themen Rente, Lohn/Mindestlohn und KiTas angesprochen.

Mich hat keiner der Wahlwerbespots vom Hocker gehauen. Das habe ich aber auch nicht erwartet. Schließlich darf man nicht vergessen, dass auch ein Wahlwerbespot alleine nicht sehr aussagekräftig ist – denn die Spots sind, genauso wie die Plakate, Werbung.

2 Gedanken zu “Bundestagswahl 2013: Wahlwerbespots unter der Lupe [UPDATE]

  1. warum wird bei der AfD nach „rechts“ geblickt so wie bei der NPD? Möchten Sie uns damit etwas ins Unterbewusstsein einpflanzen was gar nicht stimmt? Dann müsste fairerhalbe auch ein Blick nach „Links“ bei den Piraten stehen. Dann stimmts wieder mit den vergleichen.

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