De-Mail made in USA [UPDATE 2]

Die Bundesregierung beauftragt hin und wieder das IT-Unternehmen Computer Science Corporation (CSC) (Cache 1, Cache 2). CSC arbeitet auch für die CIA, das FBI und die NSA. Und was kriegen die Geheimdienste so?

Für die NSA programmierte die Firma unter anderem die Software „Trailblazer“, mit der der Geheimdienst Mobiltelefone und E-Mails ausspionieren und die gesammelten Daten auswerten konnte.

Hui. Und die deutsche Bundesregierung, was kriegt die so von CSC?

Außerdem war die Firma am Projekt De-Mail für den sicheren e-Mailverkehr beteiligt – das geht aus einem internen Papier des Innenministeriums hervor, dass NDR und „SZ“ vorliegt.

Ja, richtig gelesen: Die angeblich so hochsichere De-Mail wurde vom gleichen IT-Dienstleister mitentwickelt, der auch E-Mail-Spionagesoftware für die NSA programmiert! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das dürfte der Todesstoß für den De-Mail-Quatsch sein.

Was die Tagesschau allerdings nicht erwähnt: Trailblazer war der Berliner Flughafen der NSA: Das Projekt wurde 2006 eingestellt, weil das Programm nicht fertig wurde und die Kosten explodierten. Trotzdem ein Skandal, dass CSC bei solchen Projekten mitwirkt. CSC war auch bei anderen Projekten wie der Erstellung von Waffenregister und Personalausweisregister beteiligt. Besonders lustig: CSC hat den Quellcode des Staatstrojaners untersucht, ob er „verfassungskonform“ sei. :-D

Erwähnenswert ist noch, dass sich die Aufträge vermehrt haben, seitdem Ex-CDU-Politiker Reinhard Göhner im Aufsichtsrat von CSC sitzt. So ein Zufall!

Die Bundesregierung wusste natürlich von nichts, denn ihr müsst wissen: Wenn man so einen Vertrag über vier Jahre abschließt und einer IT-Firma hochsensible Daten anvertraut, dann überprüft man diese Firma vorher natürlich nicht. Da die Verbindung zwischen CSC und NSA schon seit über 10 Jahren bekannt waren, kann da selbst ein Ex-IT-Mitarbeiter der NSA nur drüber lachen.

Diese Inkompetenz (sofern wahr) ist mal wieder unglaublich. Welche Firmen arbeiten eigentlich noch alle im Auftrag der Bundesregierung, die nicht durchleuchtet wurden und Dreck am Stecken haben?!

Übrigens, CSC arbeitet laut Website auch für Behörden in Österreich und der Schweiz.

UPDATE: Michael Hartmann (SPD) ist empört – EMPÖRT! -, dass CSC an De-Mail mitgewirkt hat und sagt (Cache):

„Da ist mein Misstrauen mittlerweile übergroß, dass alles, was da gemacht wird, auch fremden Interessen zur Verfügung gestellt wird, man nicht vertragstreu ist, oder nur vertragstreu ist in eine Richtung, nämlich gegenüber der amerikanischen Mutter.“ Hartmann fordert im NDR Info Interview: „Diese Praxis muss beendet werden!“

Dabei hat Hartmann nichts dagegen, wenn die deutschen Behörden schnüffeln. Er stimmte für die BKA-Gesetz-Erweiterung von 2008, die dem BKA unter anderem die Online-Durchsuchung und Rasterfahndung erlaubt.

UPDATE 2: Auch netzpolitik.org hat was. Die haben in der Drucksache 17/14530 auf Seite 8 eine Auflistung gefunden, wie viel CSC (und andere Firmen, die mit der NSA in Verbindung stehen) an Aufträgen verdient haben. Die Tabelle zeigt die Daten vom 12. bis 17. Bundestag an. CSC wird also schon seit der Wiedervereinigung mit Aufträgen bedacht.

7 Gedanken zu “De-Mail made in USA [UPDATE 2]

  1. Sorry, aber das ist Quatsch.
    De-Mail wurde konzipiert von Secunet und die Software-Entwicklung selber lag bei den De-Mail Anbietern. D.h., T-Systems und Materna haben ihre Systeme jeweils selber entwickelt.

    Die Systeme wurden anschließend von einer Dritten Stelle auditiert (ebenfalls ohne Beteiligung von CSC).

    CSC mag zwar an dem De-Mail Projekt (im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens) als Ganzes beteiligt gewesen sein, aber die De-Mail Systeme selber wurden definitiv ohne deren Zutun – entsprechend den frei verfügbaren Richtlinien – entwickelt. Zumindest für einen der Provider bin ich mir da sehr, sehr sicher :)

    • Du hast insofern recht, dass die genaue Beteiligung von CSC an De-Mail nicht bekannt ist. Vielleicht kommen da ja noch genaue Details. Aber selbst wenn CSC nur berät, könnte das für die NSA Gold wert sein.

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