Datums-Trollerei

Da hat der Postillon den Lesern aber einen tollen Streich gespielt: Nachdem bekannt wurde, dass Ronald Pofalla wohl zur Deutschen Bahn gehen wird (nach Eckart von Klaeden der nächste Lobbyismus-Skandal der CDU), hat der Postillon ebenfalls eine solche Meldung online gestellt. Und dann auch noch rückdatiert, sodass es aussieht, als wären alle Medien auf den Postillon reingefallen.

Indizien für die Rückdatierung gibt es genug, doch trotzdem glauben einige, dass die Meldung zuerst vom Postillon kam. Dabei ist es auch gar nicht so schwer, diese Inszenierung zu machen und aufrecht zu erhalten.

Das Datum im Blog

Das einfachste ist das Datum im Blog. Denn egal welche Blogplattform man nutzt, überall kann man das Datum selbst einstellen. Da der Postillon in seiner URL-Struktur nur Jahr und Monat nutzt, kann er am 31. Januar eine Meldung publizieren und diese bis zum 1. Januar rückdatieren, ohne dass sich der URL-Teil /2014/01/ ändert. Stellt der Postillon bereits vor der Veröffentlichung des Artikels zum Beispiel das Datum auf Januar 1845, erscheint der Artikel direkt mit /1845/01/ in der URL.

Lokale Veränderungen

Man kann das Datum auch lokal verändern, im Browser. In Chromium geht das über Rechtslick > Element untersuchen, für Firefox braucht man ein Plugin. Dort ist dann unten eine Box zu sehen, mit der man direkt in den Quelltext eingreifen und ihn verändern kann. Somit lasse ich die Meldung mal am 22. September 2013, dem Tag der Bundestagswahl, „erscheinen“:

medienkompetenz-datum1

Das ist jedoch nur lokal bei mir zu sehen. Wenn ich den Tab schließe und die Seite erneut besuche, ist diese temporäre Änderung auch bei mir wieder weg. Gedacht ist die Funktion eigentlich für Entwickler.

Der Foto“beweis“

Besser als ein Screenshot ist aber ein Foto. Screenshots kann man ja schließlich mit Bildbearbeitungsprogrammen verändern, aber ein Foto MUSS ja beweisen, dass es so war … oder?

Datums-Manipulation

Mit der obrigen Methode oder einem Bildbearbeitungsprogramm kann man natürlich auch die Twitter-Timeline vom Postillon ändern und den Tweet einfach dazwischenschieben. Nur blöd, dass es dafür natürlich keine URL gibt, mit der der Tweet verifiziert werden könnte. ;-)

Entlarvt

Und wie entlarvt man solche Manipulationen nun? Das ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich, bei dieser Geschichte aber nicht allzu schwierig. Zunächst wäre da Rivva und die Timelines auf Twitter und Facebook, in denen der Artikel erst am 2. Januar auftaucht. Genauer wird es, wenn wir einfach in den Feed schauen, dort steht „Publiziert:Thu, 02 Jan 2014 10:27:42 PST“.

Publiziert:Thu, 02 Jan 2014 10:27:42 PST

PST ist UTC-8, wir haben UTC+1. Neun Stunden später, der Artikel wurde also um 19:27 Uhr Mitteleuropäischer Zeit veröffentlicht. Die Agenturmeldungen gab es aber schon weitaus früher: 14:34 Uhr von afp und 16:58 Uhr von dpa.

Übrigens: Was von dem Yahoo-Bing-Cache zu halten ist, der am 31. Dezember 2013 bereits eine Meldung gecrawlt haben will die angeblich erst am nächsten Tag erscheint, brauchen wir nicht zu diskutieren, oder? Wenn man in Blogs vordatiert ist der Artikel nämlich erst ab dem eingestellten Zeitpunkt öffentlich sichtbar.

Update Freitag, 14:26 Uhr: Inzwischen berichten auch zahlreiche andere Medien.

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