Kölner Karneval ist nicht Charlie

Kurz nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Frankreich startete das Festkomitee Kölner Karneval, welches den Rosenmontagszug in Köln organisiert, einen Wettbewerb: Auf Facebook konnte man 14 Entwürfen „liken“, die alle die Anschläge thematisierten. Der Entwurf mit den meisten „Likes“ sollte gebaut und beim Rosenmontagszug mitfahren. Gewonnen hat schließlich dieses Motiv:

charlie-hebdo-karnevalswagen-koeln-640x480 (Bild: Festkomitee Kölner Karneval)

Doch nun teilt das Festkomitee mit, dass es den Bau des Wagens gestoppt habe. Offizielle Begründung:

Wir sind sehr dankbar über die zahlreichen Rückmeldungen der Menschen zu dem geplanten Wagen. In den sozialen Netzwerken und in den Medien wurde das Thema des geplanten Wagenbaus vielfach diskutiert. Zudem haben uns in den letzten Tagen zahlreiche Rückmeldungen per Email und auf dem Postweg erreicht. Viele Menschen stimmen uns zu und bekräftigen das Vorhaben, ein Zeichen zu setzen. Einige Rückmeldungen haben uns auch von besorgten Bürgern erreicht, die wir sehr ernst nehmen. Der Karneval soll jedoch nicht zu Sorgen führen – vielmehr wollen wir alle gemeinsam unbeschwert feiern.

Wir möchten, dass alle Besucher, Bürger und Teilnehmer des Kölner Rosenmontagszuges befreit und ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben. Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht. Aus diesem Grund haben wir heute entschieden, den Bau des geplanten Charlie-Hebdo-Wagens zu stoppen und den Wagen nicht im Kölner Rosenmontagszug mitfahren zu lassen.

Das ist ziemlich schwach, denn irgendwer hat immer etwas zu meckern. Dieser Logik zufolge dürften die Karnevalswagen alle nur harmonisch sein, niemanden verulken oder gar verhöhnen. Schluss mit Spaß, es darf ja schließlich niemand „besorgt“ sein, wenn ein Karnevalswagen Putin bloß stellt oder Merkel aufs Korn nimmt.

Zudem hat sich das Festkomitee damit einen schönen Social-Media-Fail eingefangen: Erst groß Mitbestimmung posaunen und am Ende wird doch nichts draus. Hätte ich dort mitgestimmt, würde ich mich zurecht verarscht fühlen. Vielleicht sollten die Abstimmer ihre „Sorgen“ über diese Entwicklung mal dem Festkomitee schicken.

Während die Kölner mal wieder den Schwanz einziehen bin ich schon auf die Wagen von Jacques Tilly gespannt, der das Thema sicherlich aufgreifen wird.

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