Verkehrsverbunde, my ass!

Kennt ihr Verkehrsverbunde? Wikipedia sagt:

Ein Verkehrsverbund ist ein rechtlicher und organisatorischer Zusammenschluss von Gebietskörperschaften, in Deutschland also Landkreisen oder kreisfreien Städten, historisch gelegentlich auch mit den Verkehrsunternehmen einer Region, zur gemeinsamen und abgestimmten Durchführung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Wer also ein Ticket kaufen will, der muss sich nach den Tarifen des jeweiligen Verkehrsbundes richten. Schön und gut.

Nicht so schön es ist es aber, wenn ihr von Verkehrsbund A in Verkehrsbund B wollt. In meinem Fall möchte ich von Düsseldorf (VRR) nach Köln (VRS). Ein schwieriges Unterfangen, das könnt ihr mir glauben – obwohl es zahlreiche Bahnverbindungen gibt. Dafür gibt es aber mittendrin eine Verbundgrenze, was – abgesehen von überhitzen ICEs – so ziemlich das schlimmste ist, was einem bei einer Bahnreise passieren kann.

Die Online-Fahrplanauskunft vom VRR sagt:

Der durchgestrichene Einkaufswagen soll heißen, dass man das Ticket nicht online kaufen kann. Schön und gut, aber wie viel die Fahrt kosten wird, erfährt man auch nicht.

Die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn, wo man denken sollte dass diese doch bundesweit tätig ist und das errechnen kann, spuckt das hier aus:

„Preisauskunft nicht möglich“ – super. Aber hey, alle guten Dinge sind drei, versuchen wir es doch mal bei der Fahrplanauskunft vom VRS, was sagt der denn so?

Unten links ist schon zu sehen, dass es „Preisstufe 5“ ist und das Ticket 10 € kosten soll. Ein Klick auf „Beratung & Kauf“ gibt mir dann eine Auswahl, ich kann für Hin- und Rückfahrt zwischen 2x Einzelticket (20 €, also 10 € pro Fahrt), einem 4er-Erwachsenen-Ticket (36 €, also 9 € pro Fahrt) oder einem Tagesticket (21,80 €) entscheiden. Das Tagesticket kann man sogar online kaufen.

Wahnsinn, von drei Verkehrsunternehmen schafft es eines, mir eine ordentliche Reisekostenauskunft zu geben. Und die Gewissheit, dass ich bei den Kosten wohl doch nicht so schnell nach Köln brausen werde. :-)

Bei einer solchen schlechten Fahrkostenauskunft brauchen sich die Verkehrsverbunde dann auch nicht beklagen, wenn die Leute Schwarzfahren. Bei so schlechtem Service (ich weiß nicht, ob die Bahn-Ticketautomaten besser sind als die Online-Auskunft, die hier versagt hat…) braucht man sich echt nicht zu wundern.

Polizei-Schichtwechsel schuld an Loveparade-Katastrophe?

Das Rätselraten, wer nun die Schuld an der Loveparade-Katastrophe trägt, geht weiter. Der SPIEGEL hat nun neue Informationen:

Den Ermittlungen zufolge waren für den Zugangsbereich des Partygeländes, wo Besucher zu Zehntausenden durch einen engen Tunnel laufen mussten, lediglich zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei zur Sicherung eingeplant – und diese mussten sich am Nachmittag der Techno-Parade ablösen. Der Schichtwechsel war ursprünglich nicht geplant gewesen, wurde aber notwendig, weil das Düsseldorfer Innenministerium wenige Wochen vor der Love Parade per Erlass bestimmt hatte, die Dienstzeit der eingesetzten Beamten zu begrenzen – auf maximal zwölf Stunden, inklusive An- und Abreise.

Im Vorfeld soll wohl schon polizei-intern gewarnt worden sein, dass es durch diese Änderung am Nachmittag zu Problemen kommen kann, wenn genau dann der Schichtwechsel vorgenommen werden muss.

Die geplante Ablösezeit am Nachmittag falle in die „kritische Einsatzphase“ der Love Parade, in der man dann nur „eingeschränkt handlungsfähig“ wäre. Die Kräfte könnten in dem Gedränge nur unter großen Schwierigkeiten ihren Einsatzort erreichen; für zwei Stunden könne nicht garantiert werden, dass polizeiliche Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt würden.

Zudem soll es auch noch große Kommunikationsprobleme gegeben haben: Laut Vernehmungen von Polizeibeamten waren an dem Tag auch immer wieder die Funkgeräte ausgefallen, das Handynetz war ohnehin wegen den Besuchern überlastet. Eine Vorrangschaltung, wodurch bei Netzüberlastung Einsatzgeräte bevorzugt werden, wurde nur für einen kleinen Teil der Polizei-Handys angemeldet.

Schon Ende Januar geriet die Polizei in Kritik, da ebenfalls nach SPIEGEL-Informationen ein Polizist den Befehl zur Öffnung der Sperren gegeben haben soll, was zu dem Unglück geführt haben soll. Die Polizeigewerkschaft forderte daraufhin die Unschuldsvermutung für die verdächtigen Beamten.

(Bild: Achim Hepp unter CC BY-SA 2.0)