Das Netzwerk und 60 Jahre BVerfG

Alexander Lehmann hat zusammen mit Studenten auf einem Workshop ein neues Video gescripted und anschließend umgesetzt: „Das Netzwerk“. Es thematisiert zum Jahrestag von 9/11, wer in Wahrheit die Fäden der Gesellschaft zieht:

Nicht die Anschläge, sondern die Reaktion und die Gegenmaßnahmen, greifen die freie demokratische Gesellschaft an.

Passend zu dem Video gibt es heute auch einen Geburtstag zu feiern: Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) wird heute 60 Jahre alt. Am 2. März 2010 haben die Richter die Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig erklärt, eine der in dem Video angedeuteten Gegenmaßnahmen.

"Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte" Rezension + Gewinnspiel

Der Dokumentationsfilm „Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte“ dreht sich um die damaligen Rechtsanwälte Horst Mahler, Otto Schily und Hans-Christian Ströbele. Als Aufhänger dient ein dpa-Foto von 1973, welches die drei im Gerichtssaal des Amtsgerichts Moabit zeigt: Horst Mahler als angeklagter RAF-Terrorist, Schily und Ströbele als seine Vertreidiger.
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Telepolis-Fail zu 9/11

Ich könnte mir gerade sonstwo hin beißen. Qualitätsjournalismus, my ass! Nichtmal Telepolis kann man noch vertrauen.

Worum geht’s? Um die beiden Leseproben zu dem 10-Jahre-nach-9/11-Buch. Ich merkte bei der zweiten Leseprobe ja an, dass das alles wie Gerhard Wisnewski klingt. Und das sagt Wikipedia zu den Autor des 10-Jahre-nach-9/11-Buches, Mathias Bröckers:

Bröckers ist neben Gerhard Wisnewski und Andreas von Bülow einer der bekanntesten und publizistisch erfolgreichsten Vertreter von Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 im deutschen Sprachraum. Mit seiner „WTC-Conspiracy“-Reihe beim Online-Magazin Telepolis wurde Bröckers einem größeren Publikum bekannt und erzielte mit seinem folgenden, bei Zweitausendeins erschienenen Buch Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9. hohe Auflagen.

Na super.

Warum ich mich ärgere: Klar, dass Telepolis da Schrott ins Netz stellt, das ist die eine ärgerliche Sache. Damit ist auch Telepolis kein wirkliches Qualitätsmedium mehr, heißt, dass ich weniger Telepolis-Artikel lesen werde, weil ich damit rechnen muss, dass die noch mehr solcher Autoren da beherbergen.

Auf der anderen Seite hätte ich ja auch einfach mal die Autoren-Namen googeln können, was ich nicht getan habe, weil Telepolis einen Vertrauensvorschuss hatte („Wenn die das Buch da bewerben, dann wird das schon kein Schwachsinn sein“). Dieser Vorschuss ist jetzt natürlich weg.

Unter dem Strich bleibt ein Recherche-Fail meinerseits und die erschreckende Erkenntnis, dass jeder bei Telepolis seinen Müll abladen kann – und das nicht nur bekannter Weise in den Foren, sondern auch in den Artikeln. Tja, gar nicht so einfach, bei den Verschwörungstheoretikern den Überblick zu behalten. Kein Wunder also, dass die bei Leuten, die nicht so aufgeweckt sind, auf nährbaren Boden treffen und für Wahrheitsvermittler gehalten werden (weil, wer ein Buch schreibt, der muss ja die Wahrheit schreiben… oder? ;-).

Ich habe das Wisnewski-Buch übrigens mal auf meine Wunschliste gepackt und das Angebot dazu steht immernoch (ich lese das Buch und blogge nach jedem Kapitel über den Schwachsinn, den Wisnewski schreibt, wenn mir jemand vorher das Buch kauft). :-)

Zweite 9/11-Verschwörungs-Leseprobe

Es gibt jetzt den zweiten Teil zu dem 10-Jahre-nach-9/11-Buch, ich schrieb ja gestern schon drüber.

Sehr interessant in dem zweiten Leseproben-Teil ist, dass es im März 2001 auch geheime Gespräche mit Energieunternehmen in den USA gegeben haben soll. Das erinnert an die Geheimverhandlungen von Schwarz-Geld mit der Atommafia zur Laufzeitverlängerung im letzten Herbst.

Eine Stelle verwundert mich, entweder haben die Autoren schlecht recherchiert oder wollten einfach nur eine allgemeine Phrase schreiben: Da heißt es über ein Dokument des Think-Tanks „Project for the New American Century“:

(die Schrift Rebuilding America’s Defenses aus dem Jahr 2000 finden Interessierte weiterhin im gut sortierten Netz)

Nun, sie hätten auch einfach schreiben können, dass es einen Wikipedia-Artikel gibt (ausfühhrlicher ist die englische Wikipedia) und dort alles relevante drinsteht. Im Zweifelsfall ist Wikipedia nämlich doch noch ein Stück weit neutraler als eine Seite von Verschwörungstheoretikern, die dort die wildesten Thesen verbreiten. Immerhin wird bei Google direkt als erstes Ergebnis das Original-Dokument angezeigt (welches, oh Wunder, auf der Original-Website des Think-Tanks offen und für alle Sichtbar rumliegt).

Tja, die Leseprobe, ich weiß nicht. Scheint so, als wären die Leseproben das Vorwort gewesen, denn es gibt keine wirkliche Theorie, die sie sich da vornehmen. Schade eigentlich, denn ich hätte gerne als Leseprobe mal gesehen, wie die an eine Theorie rangehen und diese überprüfen. Denn das soll wohl der rote Faden des Buches sein, Theorien überprüfen und rausfinden, welche Wahrheit übrig bleibt. Und genau da ist es wichtig zu sehen, ob sie da wirklich mit Fakten rangehen oder selbst irgendeinem Hang verfallen sind.

Das Vorwort liest sich hingegen eher nach Gerhard Wisnewski. Leider hat noch niemand etwas für die Ich-lese-Verschwörungs-Schwachsinn-und-erzähle-euch-die-Highlights-Aktion gespendet… Ich meinte das ernst. ;-)