ZDF will kein Nachrichtensender sein

Der ZDF-Chefredakteur Peter Frey verkündet, dass das ZDF kein Nachrichtensender sein will. Es geht in dem Interview zwar um ZDFinfo, also einem der Sender die ohnehin unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hin blubbern, aber da Frey Chefredakteur für das gesamte ZDF-Programm ist, dürfte seine Aussage auf alle ZDF-Sender zutreffen:

Live-Schalten nach Triplois wird man jedenfalls vergeblich im Programm von ZDFinfo suchen. “Das sollen andere machen, die das besser können”, so Frey.

Ja, zum Beispiel Al Jazeera, dessen Ausstrahlung der Proteste in Ägypten teilweise 1:1 übernommen und mit einem deutschen Kommentar auf ZDFinfo ausgestrahlt wurde.

Wahrscheinlich ist es dem ZDF peinlich, dass sie trotz Auslandsstudio in Kairo selbst nichts auf die Reihe bekommen haben und die Al Jazeera-Ausstrahlung übernehmen mussten. :-)

Ägyptischer Blogger verurteilt

Die Revolution in Ägypten hat ja viel gebracht: “Ägyptischer Blogger von Militärgericht verurteilt”. Er hat während der Revolution über das “Fehlverhalten” des Militärs gebloggt, die sollen da an Festnahmen und Folterungen von Demonstranten beteiligt gewesen sein. Da scheint auch was dran zu sein, hier ein n-tv-Bericht vom 16. März.

Mubarak und Westerwelle sind sich einig

Mubarak tritt nicht zurück. In Ägypten tobt die Bevölkerung. Doch auch für uns ist das sehr interessant, denn Mubarak ist sich da mit Westerwelle einig.

Westerwelle sagte im Januar:

Es gebe keine bessere Politik gegen Extremismus in der Gesellschaft als dafür zu sorgen, dass Menschen, die Arbeit oder Ausbildung suchen, Arbeit und Ausbildung auch wirklich sehen. Das sagte Westerwelle beim Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen FDP in Düsseldorf.

Und in Ägypten, wo seit Montag selbst Ärzte und Juristen ihre Arbeit niedergelegt haben, soll die Bevölkerung laut Mubaraks Rede auch wieder möglichst schnell an die Arbeit gehen. Natürlich mit dem Hintergrund, dass die Proteste aufhören – so wie es der FDP bei Protesten wie zum Castor oder Stuttgart 21 in Deutschland auch recht wäre.

Mubarak und Westerwelle sind sich in dem Punkt also einig. Fragt sich bloß, für wen das nun schlimmer ist: Das Westerwelle Mubarak-Ansichten hat oder das Mubarak FDP-Ansichten hat. Ich finde beides extrem schlimm.

Regierungs-Propaganda per SMS [UPDATE]

WTF?!

Der Mobilfunkbetreiber Vodafone Egypt protestiert gegen SMS, die auf Veranlassung der ägyptischen Regierung verschickt werden. In einer Mitteilung schreibt das Unternehmen, die ägyptischen Behörden könnten die Mobilfunkanbieter – neben Vodafone sind das Mobinil und Etisalat – nach den Telecom-Gesetzen dazu zwingen, bestimmte Kurzmitteilungen zu versenden; dabei hätten die Unternehmen auf den Inhalt der Botschaften keinen Einfluss und könnten auch nicht auf sie antworten. Diese Praxis sei nicht hinzunehmen, meint Vodafone.

Warum zum Teufel wird man dann Telco in Ägypten, wenn die Regierung einen zu Propaganda zwingen kann? Achja: Geld. Dafür schmeißen einige schonmal ihre Moral über Board.

Übrigens: Vodafone war in Deutschland damals auch die erste Telco, die sich hinter Zensursula gestellt hat und ohne jegliche Rechtsgrundlage Internetseiten sperren wollte. Es wundert mich also nicht, dass die in Ägypten dann auch einfach mal ihr Mobilfunknetz abschalten, weil die Regierung das möchte.

UPDATE: Geld. Sag ich doch.

Ägypten schaltet das Internet ab [UPDATE]

So wie es aussieht, hat Ägypten mal den Stecker gezogen: Internet und SMS funktionieren nicht mehr, berichtet ein CNN-Reporter. Aus Regierungssicht ist das gar keine schlechte Idee, den Protestlern einfach mal ihre Kommunikationsinfrastruktur zu sperren.

Aber auch von Außerhalb ist Ägypten scheinbar vom Netz: Nahezu alle ägyptischen Websiten sind nicht mehr erreichbar, z.B. www.egyptair.com oder die Seite der ägyptischen Regierung. Angeblich soll Ägypten 10 Minuten nach Veröffentlichung dieses AP-Videos offline gegangen sein, das Video zeigt zu beginn wie ein Protestler angeschossen wird.

Siehe auch Netzpolitik.org mit anderer Quelle zur Abschaltung, ebenso gibt es bereits eine Reuters-Meldung.

UPDATE: So wie es aussieht gibt es in Ägypten doch nur eine DNS-Sperre, Facebook und Twitter sollen per IP-Adresse erreichbar sein.