Komisches Rechtsverständnis der Associated Press

Im April letzen Jahres kündigte die Associated Press (AP) an, sich gegen Blogger und Newsaggretoren zu wehren, die aus ihren Artikeln zitiert. Im April diesen Jahres erregte die Frage „Is permission needed to retweet hot news?“ ebenso Aufsehen, da die AP der Meinung war, das selbst die Headlines schon Urheberrechtsansprüche enthielten und man nur für das Anzeigen des Titels eine Erlaubnis bräuchte.

Heute surfe ich bei Spiegel Online rum und komme auf eine Bilderstrecke, in der zwei Facebook-Screenshots zu sehen sind. Eigentlich nichts besonderes, aber siehe da, was unter dem Bild steht: „AP / Facebook“. Das bedeutet, dass die Facebook-Screenshots bei der AP-Meldung mitgeliefert worden sind.

In den Nutzerbedingungen von Facebook heißt es in Punkt 5:

„6. Du wirst unsere Urheberrechte und Markenzeichen (einschließlich Facebook, die Facebook- und F-Logos, FB, Face, Poke, Wall und 32665) oder andere ähnliche und daher leicht zu verwechselnde Zeichen nicht ohne unsere schriftliche Erlaubnis verwenden.
7. Wenn du Informationen von Nutzern erfasst, dann wirst du Folgendes tun: Ihre Zustimmung einholen, klarstellen, dass du (und nicht Facebook) ihre Informationen sammelst, und Datenschutzrichtlinien bereitstellen, in denen du erklärst, welche Informationen du sammelst und wie du diese verwenden wirst.“

Ob die AP bei Facebook eine Genehmigung für das Logo auf dem Screenshot eingeholt hat? Sicher ist jedoch, dass die AP keine Genehmigung von der abgebildeten Person eingeholt haben kann – denn diese befindet sich derzeit in Haft. Die AP verstößt hier also klar gegen die Facebook-Nutzerbedingungen und ggf. auch gegen das Persönlichkeitsrecht.

Die BILD hat aus dem leicht anzüglichen Facebook-Bild mal wieder einen Aufhänger gemacht – und zeigt statt Screenshot das Bild alleine mit dem Bilduntertitel „Foto: AP“, obwohl hier eher „Foto: Privat/Facebook“ oder ähnliches hingehört. Das Bild ohne Facebook drumherum scheint aber von der AP direkt mitgeliefert zu sein, denn auch die Berliner Zeitung hat AP als Bildquelle angegeben.

An der Stelle geht es über einen einfachen Verstoß gegen die Facebook-Nutzungsbedingungen hinaus: Wer den Screenshot nicht kennt könnte meinen, dass das Bild von einem AP-Fotografen selbst geschossen wäre, was aber nicht der Fall ist.

Das Rechtsverständnis von AP ist also sehr beachtlich: Während die eigenen Inhalte unter keinen Umständen kopiert oder zitiert werden sollen, kopiert man fleißig aus Facebook Bilder und manche Medien geben somit AP als Quelle an, was zum Eigenmachen der fremden Inhalte führt.

Ich frage mich, in wie weit man dann noch die Forderungen der AP zum Schutz ihrer Texte ernst nehmen kann, wenn sie sich selbst nicht an Richtlinien anderer hält.

Die „seriöse“ oe24.at verzichtet übrigens schon gänzlich auf Quellenangaben, so wie auch die bekannte Huffington Post – vielleicht weil die schon den Überblick verloren haben, wer nun Bildurheber ist?