Berlusconi weg und alles gut?

Die gute Nachricht: Berlusconi will zurücktreten.

Die schlechte Nachricht: Sein potentieller Nachfolger Alfano ist nicht viel besser.
Allerdings ist Alfano nicht der einzige mögliche Nachfolger Berlusconis.

Bundestrojaner auch in Niederlande, Österreich und Schweiz

Laut DigiTask, die den Bundestrojaner programmiert haben, wurde “eine ähnliche Software” auch schon an die Niederlande, die Schweiz und Österreich verkauft – in Österreich steht die Einführung der Online-Durchsuchung kurz bevor, allerdings wurden dort schon 2008 Key-Logger eingesetzt (was der Staatstrojaner auch kann). Vielleicht können die dortigen Parteien auch mal Anfrangen an die Landtage stellen und mal erfragen, ob das stimmt und in welchem Umfang diese Trojaner eingesetzt werden, welche Funktionen genutzt werden und so weiter.

Mit dem Ausland bietet das Thema noch viel Zündstoff und die Sache wird uns sicherlich noch einige Zeit lang beschäftigen. (Für uns, die wissen wie der Hase läuft, heißt das: Augen auf, das ist DIE Gelegenheit um mal unliebsame Sachen durchzuwinken!)

Den falschen Knopf gedrückt

Blick, die BILD-Zeitung der Schweiz, hat etwas spannendes: In der Schweiz haben Parlamentsabgeordnete der BDP beim E-Voting im Parlament angeblich den falschen Knopf gedrückt (Vorsicht, Blick-Link) und somit verhindert, dass die Bevölkerung per Volksabstimmung darüber entscheidet, ob die Regierung für 4 Milliarden Schweizer Franken (über 3,6 Milliarden €) Kampfjets kauft.

Der Lapsus hat massive Auswirkungen: Hätten die drei BDP-Nationalräte nicht den falschen Knopf erwischt, sähe das Ergebnis nun anders aus: Statt 98 zu 93 Stimmen gegen das Referendum wäre dieses mit 96 zu 95 Stimmen angenommen worden.

Das ist der BDP natürlich peinlich. Allerdings heißt es in dem Artikel auch:

Doch alles sei halb so schlimm, denn die BDP befürworte grundsätzlich den Kauf neuer Kampfflieger, so Hassler.

Insofern kann man das ja nur als schlechte Ausrede ansehen, damit die BDP eine Rechtfertigung für ihre Abstimmung hat. In dem Zusammenhang sei auch darauf hingeweisen, dass am 23. Oktober (also in 21 Tagen) Parlamentswahlen in der Schweiz sind. Da käme es für eine “Bürgerlich-Demokratische Partei” ja nicht so gut, wenn sie so kurz vor der Wahl genau gegen die Bürger abstimmt.

Wären die wirklich zu dumm, um den richtigen Knopf zu drücken, würden die auch nicht im Parlament sitzen. So etwas ist für die Partei nämlich untragbar, man stelle sich mal vor die würden gegen die eigenen Forderungen stimmen, weil sie den Knopf verwechseln. Die haben einfach nur eine verdammt schlechte Ausrede parat.

(Danke, Piipsi)

"We are the best"

In NSFW035 kam unter anderem dieses Viral-Video vor:

Das wurde von der isländischen Spaßpartei Besti flokkurinn (auf deutsch “Die beste Partei”), praktisch das isländische Pendant zur PARTEI, zur dortigen Kommunalwahl 2010 gemacht. Die wurden dann auch tatsächlich mehrheitlich gewählt und der Spitzenkandidat Jón Gnarr (der im Mantel, übrigens Komiker und Partei-Gründer) ist jetzt auch Oberbürgermeister von Reykjavik. Am 11. Oktober kommt auf 1LIVE ein Feature über die “Beste Partei”, falls sich jemand noch mehr informieren will.

Einfach eine geniale Idee, ich will sowas von der Piratenpartei zur nächsten Bundestagswahl sehen!* :-D

* Wenn dann aber bitte mit irgendeinem Klassiker wie “Simply The Best” und nicht irgendein Piratenlied, letzteres kommt bei der Masse eher komisch an.

Die (De-)Motivation bei Wikipedia

Die Wikipedia hält gerade eine Konferenz in Haifa (Israel) ab, die “Wikimania 2011″. In dem Bericht von Heise heißt es:

Die Konferenz steht unter dem Eindruck der Berichte zu einer international nachlassenden Nutzerbeteiligung bei der freien Online-Enzyklopädie. […]

“Wir haben in den vergangenen Monaten große Forschungsanstrengungen unternommen, um mehr über die Motivation und über die Formen der Mitarbeit zu erfahren”, erklärte Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner am Donnerstag zur Eröffnung der Konferenz. Die erklärten Ziele von Wikimedia sind die Steigerung der Artikelanzahl und die Anzahl der Mitarbeiter.

Soso, geforscht. Vielleicht hätten die einfach mal mich gefragt, denn ich habe einige Gründe für die Demotivation bei Wikipedia.

Da ist natürlich erstmal für neue Artikel das bekannte Relevanz-Problem: Wenn das Thema einem Wikipedia-Admin fremd ist, hält er es für unrelevant und da die Relevanzkriterien enorm hoch sind, werden die meisten Artikel dann auch gelöscht. Ich würde sagen: Relevanz ist relativ. Relevanz ergibt sich nicht aus Kriterien, die Jahre alt sind. Relevanz ergibt sich aus aktuellen Geschehnissen, aus Zeit, aus Ereignissen. Ein Beispiel ist MOGIS. Statt der Selbstdarstellung wäre ein neutraler Wikipedia-Artikel besser, jedoch gibt es diesen nicht mehr. In der englischen Wikipedia hingegen scheint die Relevanz gegeben (ach nee!). Wer soll da Motivation haben, neue Artikel zu starten?

Ein weiteres Problem ist der Umgang in der Wikipedia. Und damit meine ich nicht den Umgangston, der ist in der Regel vollkommen okay. Nein, ich meine z.B. Copyright-Fetischisten, die fremde Bilder löschen lassen (auf dem Schulhof hätten wir auch “Petze!” gerufen) oder Fotografen, welche die Verwendung ihrer CC-Bilder abmahnen, weil Nutzer die CC-Lizenz in den Artikeln nicht sehen. Und sowas nennt sich dann “freie Enzyklopädie”. Wer soll da Motivation haben, mitzumachen?

Und dann, als drittes Probleme, solche Sachen wie Wiki-Watch. Ich bin auch schon häufiger über Artikel gestolpert, die für mich manipuliert aussahen. Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter einer Firma ein Bild der Firmenzentrale einstellt und der gleiche Nutzer auch mehrfach an dem Artikel über die Firma rumbastelt, kann man die Neutralität wohl vergessen. Und das ist ja dann auch noch die offene Manipulation, die erkennbar ist. Auch Politiker-Artikel werden gerne mal manipuliert, indem der “Kritik”-Abschnitt rausgeworfen wird mit der Begründung, dass man bei lebenden Personen vorsichtig sein sollte mit Behauptungen. Das ist zwar richtig, aber wenn es einen Haufen Belege gibt, dann sehe ich keinen Grund, diesen Abschnitt zu entfernen. Doch erwischt man den Admin mit dem falschen Parteibuch, kann man das vergessen. Wer soll da noch Motivation haben, neutral mitzumachen?

Wenn die Wikipedia die Leute nun mehr motivieren will, sollte sie daran etwas ändern. Mein Wikipedia-Account beschränkt sich auch nahezu nur auf die Änderung/Ergänzung von bestehenden Artikeln. Getreu dem Motto “Ich gebe euch mein Wissen, macht damit was ihr wollt” schaue ich auch nicht nach, ob das hinterher gelöscht wurde. Ebenso gucke ich auch nicht in der History nach, ob schon mal jemand “mein” Wissen versucht hat, in den Artikel einzubringen – wenn es nicht drinsteht, schreibe ich es rein und im schlimmsten Fall wird es halt wieder gelöscht.

Für mehr reicht meine Motivation bei der Wikipedia dann nicht mehr.

Übrigens, noch zu “freies Wissen”: Es ist auch irgendwie demotivierend, dass man die Wikipedia-Inhalte nicht frei nutzen kann. Man muss nämlich immer die CC-Lizenz der Wikipedia einhalten, dabei sollte das Wissen wirklich frei sein. Genauso wie die Bilder, dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit Abmahnungen und dem ganzen Kram.