Wulff: Zapfenstreich und Büro

Sogar den ehemaligen Bundespräsidenten ist Wulff zu peinlich:

Die vier noch lebenden Amtsvorgänger haben bereits die Teilnahme an dem Zeremoniell am Donnerstag abgesagt. Wie „Welt online“ berichtet, werden die Altbundespräsidenten Walter Scheel, Richard von Weizäcker, Roman Herzog und Horst Köhler dem Festakt fernbleiben.

An der Stelle könnte man sich natürlich fragen, warum es überhaupt einen Zapfenstreich für Wulff gibt. Die Regierung faselt was von Tradition, außerdem hätte Wulff ja auch Termine bei der Bundeswehr wahrgenommen.

Wulff will übrigens auch ein Büro mit Mitarbeitern. Getreu dem Motto „Ist der Ruf schon ruiniert, lebt es sich ungegniert“ pocht er darauf, dass er das gleiche Recht habe wie seine Vorgänger.

Ist das vielleicht eine Krankheit, sämtliche Vorteile die sich einem bieten mitnehmen zu wollen und dabei die Moral komplett über Board zu werfen? Ich meine, so egoistisch kann man doch selbst als CDUler nicht sein, oder?

Absage von Georg Schramm

Nach Spekulierungen, dass Georg Schramm seine Bundespräsidenten-Kandidatur wohl absagt, hat er dies gestern auch offiziell gemacht und N24 ein Interview gegeben:

Darin hat er eigentlich nur richtiges gesagt und auch die Begründung ist verständlich. Und damit wir das auch als Text haben, habe ich ein Transkript gemacht (mit sämtlichen „äh“s):

Stephanie Puls: Wir sind zurück mit den Nachrichten am Mittwochmittag, herzlich Willkommen. Der Kabarettist Georg Schramm will nicht Bundespräsident werden, das teilte seine Ehefrau Isa Fritz auf Anfrage dem Nachrichtensender N24 mit. Und warum das so ist, wollen wir jetzt selbst mal von ihm hören, nämlich telefonisch zugeschaltet aus Badenweiler ist Georg Schramm, Kabarettist und beinahe Bundespräsidentschafts-Kandidat. Herr Schramm, wer ist denn da diesbezüglich auf Sie gekommen?

Georg Schramm: Ähm, das Internet, in einem, in einem extremen Umfang, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Ähm, mit einer Flut von Anfragen und Bitten zum Teil, was auch belegt, dass es keine Politikverdrossenheit gibt, sondern ein großes Politikinteresse, nur ’ne Verdrossenheit an dem, was uns die Politiker bieten.

Puls: Und was ist der Grund für Ihre Absage?

Schramm: Ähm, weil ich glaube, meine Stärke liegt in dem was ich beruflich mache, als Kabarettist. Und da als eine Schachfigur ähm da hin und her geschoben zu werden, bei dem Amtsmissbrauch den die etablierten Parteien betreiben, da sehe ich keinen Sinn drin. Also ich sehe das als ’ne … Also ich habe die Botschaft sehr wohl wahrgenommen aus dem Internet, aber ich glaube wir sollten eher gemeinsam daran arbeiten, dem Amt des Bundespräsidenten den Zugriff zu entziehen der etablierten Parteien.

Puls: Also hätten Sie auch…

Schramm: Da gibt es mehrere Möglichkeiten.

Puls: … Ja. Und hätten Sie auch abgesagt, wenn die SPD und die Grünen auf Sie zugekommen wären?

Schramm: (lacht) Eine extrem fiktive Frage, dann hätten wir immer noch keine Mehrheit, aber dann wäre es reizvoller gewesen. Aber ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich glaube nicht dass ich tauge für dieses Amt. Ich tauge als ähm, sagmal, als Projektionsfläche für die Sehnsucht der Leute nach, nach glaubwürdiger Politik, aber nicht wirklich als Bundespräsident. Und meine Frau wäre auch keine gute First Lady, muss ich sagen.

Puls: Oh, das hat sie hoffentlich nicht gehört.

Schramm: Doch, sie hat mich drum gebeten das zu sagen. (lacht)

Puls: Was halten Sie denn von Joachim Gauck?

Schramm: Joar, also, es hat in der jüngsten Vergangenheit sicher schlimmere Bundespräsidenten gegeben. Äh, das Schlimme finde ich, wie er zur Kandidatur kommt. Äh, ihn selber finde ich keinen schlechten Kandidaten. Äh, an ihm gibt’s sicher was auszusetzen, wie damit umgegangen wird, wie übrigens auch mit seinen Zitaten in Kurzform umgegangen wird, ähm, Freund und Feind, aber vorallem wie er als Schachfigur benutzt wird, das finde ich ähm gar nicht gut. Weil es geht überhaupt nicht um seine Qualitäten, es geht ausschließlich um den Machtpoker zwischen den Parteien.

Puls: Mhm. Nach den letzten beiden Rücktritten, nach dem Rücktritt von Horst Köhler, natürlich auch nach dem Rücktritt von Christian Wulff, stellen auch immer wieder Leute die Frage: Braucht dieses Land überhaupt einen Bundespräsidenten…

Schramm: Das ist eine gute Frage.

Puls: … Wie sehen Sie das?

Schramm: Also wenn er so zustande kommt, brauchen wir ihn eigentlich nicht, da er ja kein … nicht die Macht hat, den Parteien wirklich in den Arm zu fallen. Wenn er die hätte, ähm, wenn er eine stärke Position hätte, die wir ihm ja aus bekannten politischen Gründen damals nicht gegeben hätten, dann könnte das Amt ’nen Sinn machen – so ist es fraglich.

Puls: Mhm. Welche Qualifikationen, welche persönlichen Qualitäten braucht denn der Bundespräsident von Deutschland und wer wäre Ihr Wunschkandidat?

Schramm: Och, ich hab, ich hab soviele Finger habe ich gar nicht, muss ich Ihnen sagen. Wenn Hildegard Hamm-Brücher noch jünger wäre, wär sie eine tolle Kandidatin. Jutta Limbach wär ne großartige Kandidatin, Herr Voßkuhle, der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts Papier wär ein großartiger Kandidat, Klaus Töpfer wär kein schlechter gewesen. Ähm, also es gibt viele, äh, die auch persönliche Glaubwürdigkeit haben. Und man darf Christian Wulff nicht als den Normalzustand eines Politikers sehen, das ist er nicht. Gott sei dank noch nicht.

Puls: Sagt der Kabarettist Georg Schramm, vielen Dank für dieses Gespräch.

Schramm: Gerne.

Volker Pispers über Wulff und Gauck

Volker Pispers hat mal wieder einen schönen Kabarett-Beitrag zur aktuellen Lage geliefert. Dort als Podcast (1,3 MB), hier unten auf YouTube und ich habe mal ein Transkript davon gemacht. Viel Spaß. :-)

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Veilchendienstag.

Selten war der Spruch von den „tollen Tagen“ so zutreffend wie dieses Jahr. Ausgerechnet an Altweiber, dem ersten Höhepunkt des Straßenkarnevals, beschließt die Staatsanwaltschaft Hannover, dass Schluss mit lustig ist für den als Bundespräsidenten verkleideten größten Jeck des Landes.

Promt steigt am Freitag ihre Tollität Prinz Peinlichkeit Christian das Allerletzte nochmal in die Bütt, um in seiner Rücktrittsrede einen echten Kracher loszulassen: „Ich bin immer aufrichtig gewesen.“ Helau, jubelt das Volk mit Tränen in den Augen, super der Witz!

Dann der Auftritt der Bundeskanzlerin, die den peinlichsten Bundespräsidenten Allerzeiten keine 20 Monate zuvor mit all ihrer Kraft und Erpressungskunst im dritten Wahlgang durchgedrückt hatte. Mit zur Altweibermaske versteinertem Gesicht bekundet sie ihren großen Respekt für alles, was unser Payback-Präsident sich so geleistet hat. Dabei würde sie ihm wahrscheinlich am Liebsten mit Anlauf in die Körperteile treten, die er ganz offensichtlich nicht in der Hose hat.

Leider wiederholt Angela Merkel nicht den großen Brüllerwitz, den sie bei Wulffs Amtsantritt erzählt hat: „Christian Wulff hat ein klares Wertesystem, das ihm Orientierung gibt.“ Tätä, tätä, tätä, was haben wir gelacht! Und danach ging in der Jeckenhochburg Berlin mit der Suche nach dem neuen Ehrensold-Anwärter der Sitzungskarneval erst richtig los.

Nach Glamor Betty und Torfsack Wulff, Sie mit Arm-Tattoo und Er mit Hirn-Piercing, sollte das Amt wieder in Würde und Anstand erstrahlen. Und da konnte es nur einen geben, den amtierenden Präsidenten der Herzen und vom Narrenvolk verehrten Gauckler. Denn SPD und Grüne sind wild entschlossen, sich weiter vorzugauckeln, der Pastor aus dem Osten sei einer der Ihren. Aber vielleicht ist er das ja auch und SPD und Grüne haben mit dem Vorschlag Gauck gar nicht die Kanzlerin vorgeführt sondern nur sich selbst entlarvt.

Joachim Gauck hat Hartz IV gelobt, Thilo Sarrazin als mutig bezeichnet und die Proteste der Occupy-Bewegung gegen die Banken und den das Leben von immer mehr Menschen ruinierenden Kapitalismus als lächerlich und albern abgetan. Da weiß man doch, woran man ist. Ja, da saß sie auf dem Podium und strahlte, die ganz ganz große Koalition aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen mit dem Apologet in der Zweidrittel-Gesellschaft als Heilsbringer in ihrer Mitte.

Angela Merkel aber, die ist mal wieder mit einem blauen Auge davongekommen. Und das passt doch prima zu Veilchendienstag. Bis neulich.

Bundespräsident abschaffen

Jemand hat eine Petition eingereicht, das Amt des Bundespräsidenten abzuschaffen. Diese wird mit den Sparmaßnahmen der Regierung begründet.

Money-Quote:

Betriebswirtschaftlich unter Kosten-Nutzen-Aspekten betrachtet rechnet sich dieses Amt nicht. Der Bundespräsident, der vor allem repräsentative Aufgaben zu erfüllen hat, gestaltet weder die Politik noch ist er essenziell für unsere auswärtigen Beziehungen.

Nun, das stimmt natürlich. Die Kosten von Bellevue will ich gar nicht erst erahnen. Die Unterschrift unter den Gesetzen ist auch ein Witz, wenn man sich mal ansieht, was die Bundespräsidenten da schon alles einfach durchgewinkt haben (Terrorgesetze, Vorratsdatenspeicherung, …). Und die Außenrepräsentation *hüstel* macht Westerwilli.

Auf einen Bundespräsidenten können wir also auch gut verzichten.

(Die Petition geht übrigens nur noch bis morgen, die wurde schon am 6. Januar eingereicht und der Initiatior hat da wohl nicht genug PR für gemacht.)

Georg Schramm zu möglicher Bundespräsidenten-Nominierung

Ah, endlich hört man auch etwas von Georg Schramm, den wir ja alle gerne mal als Bundespräsidenten hätten. Sein Agent hat sich zu einer Anfrage von Telepolis wie folgt geäußert:

„Georg Schramm benötigt etwas Zeit um sich zu entscheiden, wie er auf die vielen Anrufe und Mails reagieren wird, die ihn zu einer Kandidatur um das Amt des Bundespräsidenten drängen; wir werden diese Entscheidung öffentlich machen, ich bitte noch um ein paar Tage Geduld.“

Oh ich hoffe doch, dass er nichts dagegen hat und ihn die Piraten vorschlagen. Er wird ja eh nicht gewählt, aber die Nominierung an sich wäre schon ein Oberknaller. :-)