Bundesregierung beschließt LSR [UPDATE 5]

Die Bundesregierung hat das Leistungsschutzrecht verabschiedet. Jetzt dürfen sich also Bundesrat und Bundestag mit dem Entwurf rumschlagen. Übrigens haben sie kurz vor knapp noch eine dritte Version aufgelegt, in der sie das Lex Google dann doch nochmal ein bisschen ausgeweitet haben, nämlich auf „gewerbliche Anbieter von Diensten“, welche „die Inhalte entsprechend aufbereiten“. Natürlich alles schön schwammig gehalten, aber Rivva wäre davon beispielsweise betroffen.

Aus aktuellem Anlass sei an dieser Stelle erwähnt, dass unter den 16 Kabinett-Mitgliedern auch @peteraltmaier, @schroeder_k, @sls_bmj, @philipproesler und @danielbahr dabei sind. Falls jemand mal Feedback geben will (wobei die Accounts von Bahr und Rösler wieder tot sind, typische Symbolpolitik der FDP).

UPDATE: Der Elektrische Reporter hat einen Beitrag zum Leistungsschutzrecht gemacht, der die Thematik nochmal zusammenfasst. Gut gemacht, basiert aber auf dem zweiten Entwurf (dem Lex Google).

UPDATE 2: Google lehnt eine mögliche Lizenzierung ab, falls das Gesetz auch Bundesrat und Bundestag bestehen sollte.

„Das ist ein schwarzer Tag für das Internet in Deutschland“, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck.

Wie wahr. Außerdem ist man bei Hubert Burda entzückt:

Ein Sprecher von Hubert Burda Media sagte am Mittwoch auf Anfrage, man begrüße den Gesetzentwurf und gedenke, das Leistungsschutzrecht auch wahrzunehmen.

Hubert Burda hat unter anderem BUNTE, CHIP und Focus.

UPDATE 3: Robert Basic hat auch noch etwas unfassbares in Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht: Journalisten, die für ihre Arbeit eine Empfehlung aber kein Geld bekommen. In dem Beispiel nennt er den großen Verlag nicht, aber das soll kein Einzelfall sein.

UPDATE 4: Heise hat weitere Reaktionen zusammengetragen.

UPDATE 5: Einen habe ich noch, der die Absurdität des ganzen offenbart: Sogar die Junge Union ist gegen das Leistungsschutzrecht.

Anti-Staatstrojaner-Tool

Bwahahahaha, es gibt ein Anti-Staatstrojaner-Tool. Ursprünglich von ArchiCrypt gecoded hat sich Steganos das geschnappt und verbreitet es jetzt, zum Beispiel über CHIP (vorsicht, CHIP-Link) und ComputerBILD (vorsicht, ComputerBILD-Link).

Das ist natürlich ein Bullshit-Tool, die c’t hat das gut erklärt: Es reicht schon ein einziges Zeichen in der Trojaner-Datei zu ändern und schon scheitern die Antivirus-Hersteller. Falls ihr Steganos-Produkte nutzt, solltet ihr euch jetzt mal schnell nach Alternativen umsehen, es ist ein Unding dass die mit dem Anti-Staatstrojaner-Tool den Nutzern eine falsche Sicherheit vortäuschen.

Unter Informatikern wird „Hast du schon das Anti-Staatstrojaner-Tool?“ jetzt sicherlich zum Running-Gag. Könnte man auch als T-Shirt-Motiv für den 28C3 entwerfen… :-)