ARD-Doku: Bild.Macht.Politik

Die ARD hat eine Dokumentation über die BILD gemacht. Sie ist ziemlich harmlos ausgefallen, aber immerhin kommen Günter Wallraff und Lukas Heinser zu Wort. Sehr interessant ist die Sicht auf die BILD-Kampagnen bei Guttenberg und Wulff. Auch in der Doku wird festgestellt, dass die BILD bei der Politik nicht mehr kampagnenfähig ist.

Ein echtes Schmankerl kommt am Ende, so ab der 40. Minute, wo es um ein Busunglück in Belgien geht. Schaut euch das einfach selbst an, unglaublich dieser Diekmann.

(Direktlink)

Wulff: Zapfenstreich und Büro

Sogar den ehemaligen Bundespräsidenten ist Wulff zu peinlich:

Die vier noch lebenden Amtsvorgänger haben bereits die Teilnahme an dem Zeremoniell am Donnerstag abgesagt. Wie „Welt online“ berichtet, werden die Altbundespräsidenten Walter Scheel, Richard von Weizäcker, Roman Herzog und Horst Köhler dem Festakt fernbleiben.

An der Stelle könnte man sich natürlich fragen, warum es überhaupt einen Zapfenstreich für Wulff gibt. Die Regierung faselt was von Tradition, außerdem hätte Wulff ja auch Termine bei der Bundeswehr wahrgenommen.

Wulff will übrigens auch ein Büro mit Mitarbeitern. Getreu dem Motto „Ist der Ruf schon ruiniert, lebt es sich ungegniert“ pocht er darauf, dass er das gleiche Recht habe wie seine Vorgänger.

Ist das vielleicht eine Krankheit, sämtliche Vorteile die sich einem bieten mitnehmen zu wollen und dabei die Moral komplett über Board zu werfen? Ich meine, so egoistisch kann man doch selbst als CDUler nicht sein, oder?

Volker Pispers über Wulff und Gauck

Volker Pispers hat mal wieder einen schönen Kabarett-Beitrag zur aktuellen Lage geliefert. Dort als Podcast (1,3 MB), hier unten auf YouTube und ich habe mal ein Transkript davon gemacht. Viel Spaß. :-)

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Veilchendienstag.

Selten war der Spruch von den „tollen Tagen“ so zutreffend wie dieses Jahr. Ausgerechnet an Altweiber, dem ersten Höhepunkt des Straßenkarnevals, beschließt die Staatsanwaltschaft Hannover, dass Schluss mit lustig ist für den als Bundespräsidenten verkleideten größten Jeck des Landes.

Promt steigt am Freitag ihre Tollität Prinz Peinlichkeit Christian das Allerletzte nochmal in die Bütt, um in seiner Rücktrittsrede einen echten Kracher loszulassen: „Ich bin immer aufrichtig gewesen.“ Helau, jubelt das Volk mit Tränen in den Augen, super der Witz!

Dann der Auftritt der Bundeskanzlerin, die den peinlichsten Bundespräsidenten Allerzeiten keine 20 Monate zuvor mit all ihrer Kraft und Erpressungskunst im dritten Wahlgang durchgedrückt hatte. Mit zur Altweibermaske versteinertem Gesicht bekundet sie ihren großen Respekt für alles, was unser Payback-Präsident sich so geleistet hat. Dabei würde sie ihm wahrscheinlich am Liebsten mit Anlauf in die Körperteile treten, die er ganz offensichtlich nicht in der Hose hat.

Leider wiederholt Angela Merkel nicht den großen Brüllerwitz, den sie bei Wulffs Amtsantritt erzählt hat: „Christian Wulff hat ein klares Wertesystem, das ihm Orientierung gibt.“ Tätä, tätä, tätä, was haben wir gelacht! Und danach ging in der Jeckenhochburg Berlin mit der Suche nach dem neuen Ehrensold-Anwärter der Sitzungskarneval erst richtig los.

Nach Glamor Betty und Torfsack Wulff, Sie mit Arm-Tattoo und Er mit Hirn-Piercing, sollte das Amt wieder in Würde und Anstand erstrahlen. Und da konnte es nur einen geben, den amtierenden Präsidenten der Herzen und vom Narrenvolk verehrten Gauckler. Denn SPD und Grüne sind wild entschlossen, sich weiter vorzugauckeln, der Pastor aus dem Osten sei einer der Ihren. Aber vielleicht ist er das ja auch und SPD und Grüne haben mit dem Vorschlag Gauck gar nicht die Kanzlerin vorgeführt sondern nur sich selbst entlarvt.

Joachim Gauck hat Hartz IV gelobt, Thilo Sarrazin als mutig bezeichnet und die Proteste der Occupy-Bewegung gegen die Banken und den das Leben von immer mehr Menschen ruinierenden Kapitalismus als lächerlich und albern abgetan. Da weiß man doch, woran man ist. Ja, da saß sie auf dem Podium und strahlte, die ganz ganz große Koalition aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen mit dem Apologet in der Zweidrittel-Gesellschaft als Heilsbringer in ihrer Mitte.

Angela Merkel aber, die ist mal wieder mit einem blauen Auge davongekommen. Und das passt doch prima zu Veilchendienstag. Bis neulich.

Rücktrittsrede von Christian Wulff als Remix

Christian Wulff ist zurückgetreten. Endlich. Spiegel Offline hat sich die Rücktrittsrede geschnappt und mit Songify einen tollen Remix daraus gemacht:

Auf Soundcloud gibt es die MP3, mit der ihr laut Spiegel Offline machen könnt „was Ihr wollt – Share is love“. o/

(via gigalinux)

Maulkorb bei der CDU

Wulff ist immernoch nicht zurückgetreten. Und die CDU ist erstaunlich still, findet ihr nicht auch? Seit Zensursula wissen wir ja, dass die CDU Zensur mag. Und das wohl nicht nur außerhalb, sondern auch intern, wie die Welt berichtet:

Denn sie [Kanzlerin Angela Merkel] hatte nur zwei Stunden vorher ihrem CDU-Vorstand, der sich in Kiel zu einer Klausurtagung versammelt hatte, eine ganz andere Strategie eingeschärft:

Erstens, keine Kritik aus der CDU an Wulff. Aber, zweitens, auch keine Forderung nach einem Ende der Debatte. […]

Bemerkenswert war die Sprachlosigkeit der CDU zu ihrem Bundespräsidenten – nicht nur öffentlich, auch in interner Sitzung meldete sich kaum jemand zu Wort.

Klar, an der Stelle kann man sich fragen, woher die Welt weiß was intern läuft, wenn eben intern nicht öffentlich ist und somit auch keine Journalisten daran teilgenommen haben. Aber der Axel-Springer-Verlag weiß da ja immer mehr als alle anderen und die Welt scheint da ohnehin einen guten Draht zu haben:

Einer, der in Berlin wichtig ist, sagt, er lasse sich selbstverständlich nicht von Industriellen einladen, weil er wisse, dass er sich nicht revanchieren könne. Ein Landesvorsitzender sagt, wer nach den früheren Skandalen um Bonusmeilen immer noch dienstliche Meilen privat nutze, müsse schon ein manisches Bedürfnis haben, über seine Verhältnisse zu leben.

Öffentlich wollen sich diese Leute aber nicht äußern.

Der Aufhänger war übrigens ein Tweet von Peter Altmaier, der den Namen „Jens Spahn“ getwittert hatte, Spahn hatte sich kritisch über Wulff auf Facebook geäußert:

Ich weiß langsam nicht mehr, was mich mehr nervt: Das Dauertrommelfeuer einer teilweise bigotten Medienszene oder das Unvermögen, des Präsidenten, scheinbar einfach zu klärende Fragen – ohne dass was offen bleibt – zu beantworten…

Das ist eine gute Frage. Bei Altmaier wurde gemunkelt, er hätte sich der Meinung anschließen wollen, stattdessen heißt es nun, Altmaier wollte den Namen googeln und habe ihn versehentlich getwittert.

Wenigstens gibt es also noch vereinzelt CDUler, die öffentlich Kritik üben. Ich dachte schon es würden jetzt grüne Zustände in der CDU herrschen.