Leistungsschutzrecht: Ok, Google …

Axel Springer knickt ein und gibt Google eine kostenlose Nutzungslizenz, denn sie haben festgestellt, dass in nur zwei Wochen der Such-Traffic um fast 40 Prozent zurück ging. Von Google News kamen sogar fast 80 Prozent weniger Nutzer auf die Springer-Angebote. Dies hatte dann auch Auswirkungen in den Zahlen der IVM und AGOF – und somit auf die Werbeeinnahmen:

Bezogen auf das Gesamtjahr hätten die Rückgänge einen finanziellen Schaden im siebenstelligen Bereich pro Portal bedeuten können.

Fehlt nur noch das passende #OkGoogle-Bild. ;-)

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Bundesregierung beschließt LSR [UPDATE 5]

Die Bundesregierung hat das Leistungsschutzrecht verabschiedet. Jetzt dürfen sich also Bundesrat und Bundestag mit dem Entwurf rumschlagen. Übrigens haben sie kurz vor knapp noch eine dritte Version aufgelegt, in der sie das Lex Google dann doch nochmal ein bisschen ausgeweitet haben, nämlich auf „gewerbliche Anbieter von Diensten“, welche „die Inhalte entsprechend aufbereiten“. Natürlich alles schön schwammig gehalten, aber Rivva wäre davon beispielsweise betroffen.

Aus aktuellem Anlass sei an dieser Stelle erwähnt, dass unter den 16 Kabinett-Mitgliedern auch @peteraltmaier, @schroeder_k, @sls_bmj, @philipproesler und @danielbahr dabei sind. Falls jemand mal Feedback geben will (wobei die Accounts von Bahr und Rösler wieder tot sind, typische Symbolpolitik der FDP).

UPDATE: Der Elektrische Reporter hat einen Beitrag zum Leistungsschutzrecht gemacht, der die Thematik nochmal zusammenfasst. Gut gemacht, basiert aber auf dem zweiten Entwurf (dem Lex Google).

UPDATE 2: Google lehnt eine mögliche Lizenzierung ab, falls das Gesetz auch Bundesrat und Bundestag bestehen sollte.

„Das ist ein schwarzer Tag für das Internet in Deutschland“, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck.

Wie wahr. Außerdem ist man bei Hubert Burda entzückt:

Ein Sprecher von Hubert Burda Media sagte am Mittwoch auf Anfrage, man begrüße den Gesetzentwurf und gedenke, das Leistungsschutzrecht auch wahrzunehmen.

Hubert Burda hat unter anderem BUNTE, CHIP und Focus.

UPDATE 3: Robert Basic hat auch noch etwas unfassbares in Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht: Journalisten, die für ihre Arbeit eine Empfehlung aber kein Geld bekommen. In dem Beispiel nennt er den großen Verlag nicht, aber das soll kein Einzelfall sein.

UPDATE 4: Heise hat weitere Reaktionen zusammengetragen.

UPDATE 5: Einen habe ich noch, der die Absurdität des ganzen offenbart: Sogar die Junge Union ist gegen das Leistungsschutzrecht.

Verlage bedienen sich am Urheberrecht

Dass die Hannoversche Allgemeine Zeitung eine Paywall hochziehen will, hatten wir schon. Jetzt kommt raus, dass die Autoren der Texte von diesem zusätzlichen Verdienst nichts verdienen sollen.

Sehr lustig ist auch, wie sich Axel Springer zum Affen macht. So hat Christoph Keese, Chef-Lobbyist von Axel Springer, im Interview mit Leistungsschutzrecht.info noch gesagt:

Es kann nicht im Interesse der Urheber sein, allen Verlagen Total-Buy-Out-Rechte einzuräumen.

Dem kann man nur zustimmen. Doch dann sollte Axel Springer da mal mit gutem Beispiel vorangehen, denn im ZAPP-Bericht sagt ein Architekturjournalist, dass er seine für DIE WELT geschrieben Texte nicht zweitverwerten darf. Ein klassisches Total-Buy-Out.

(via netzpolitik.org)

Tweet des Tages: Geht's noch?

Liebe Twitterer,

die ihr euch aufregt, dass die Welt kompakt eure Tweets abgedruckt hat: Geht’s noch? Natürlich will niemand gerne in der Springer-Presse stehen, aber hey, ihr seid nicht der Gegenstand einer ekligen Boulevard-Berichterstattung, sondern ihr werdet einfach nur zitiert. So what?

Ich finde es ziemlich peinlich, was ihr da abzieht. Ich bin kein Springer-Freund, aber euer „mimimi das sind meine Tweets“-Gehampel erinnert mich an Mathias Döpfner und Christoph Keese, die für Springer ständig rumheulen, wie schlimm es doch ist dass Google News ihre Artikel zitiert. Ihr seid nicht besser, im Gegenteil, ihr bestätigt Springer damit nur noch in ihrer bescheuerten Urheberrechts-Haltung („Die Leute im Internet haben ja auch was dagegen, wenn wir ihre Sachen zitieren“).

Und deswegen gilt für euch das gleiche wie für die Verlage: Wenn’s euch nicht gefällt, dann geht doch. Sperrt euch in Facebook ein, nutzt nur noch E-Mails oder lasst das am besten direkt ganz mit diesem Internet. Aber heult nicht darüber rum, dass ihr zitiert werdet.

Danke.

Euer @chriszim, der sich von diesen Beschwerde-Twitterern distanziert und seine Tweets als gemeinfrei versteht. Share it!