Links 15

Die Links sind diesmal schon etwas älter. Macht aber nichts.

Weser Kurier: Wiesenhof ist Trikot-Verkaufsbremse
Ihr erinnert euch an “Das System Wiesenhof”? Und daran, dass Wiesenhof seit August der Sponsor von Werder Bremen ist? Nun, Einzelhändler und Fanshop verkaufen nur Blanko-Trikots, weil fast niemand die Wiesenhof-Werbung haben will. Die Blanko-Trikots gibt es, weil der Sponsor erst nach der ersten Trikot-Produktion feststand. Einzelhändler versuchen sogar über das Ausland an weitere Blanko-Trikots zu kommen. Fein! :-)

taz.de: Idee der Piraten: Berlin brüskiert Daimler
Es gibt auch gute Nachrichten von Piraten. In Berlin haben sie es geschafft, dass ein Bezirksparlament die Straße der zukünftigen Firmenzentrale von Daimler nicht nach deren Namensvorschlägen benannt hat. Stattdessen wurde die Straße nach der jüdischen Bildhauerin Edith Kiss benannt, welche 1944 in das Konzentrationslager in Ravensbrück deportiert wurde und im Daimler-Benz-Werk in Ludwigsfelde Flugzeugmotoren montieren musste. Der Vorschlag kam von den Piraten, ein toller Schachzug.
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Entlassungen bei Springer

Während Christoph Keese das Leistungsschutzrecht verteidigt, werden 47 Journalisten der ComputerBILD vor die Tür gesetzt. Hintergrund ist, dass Springer die ComputerBILD in eine externe GmbH überführt – welche tariflos ist, die Journalisten werden dort also nicht nach Tarif bezahlt (und sicherlich nicht übertariflich). Wer nicht in die GmbH geht, wird entlassen. Ein schönes Beispiel, das verdeutlicht, wie viel dem Springer-Verlag ihre eigenen Journalisten wert sind.

Meine These dazu: Laut Leistungsschutzrecht-Entwurf sollen Urheber ja an den Einnahmen beteiligt werden. Es dürfte außer Frage stehen, dass die Verlage das meiste abschöpfen werden, aber durch diese Mehreinnahmen bei den Urhebern könnten die Verlage auch deren Verträge runterdrücken. Zumindest werden sie es versuchen.

Eine WIN-Situation für die Verlage: Mehr Einnahmen und weniger Personalkosten. Und wir, die aus den Verlagsangeboten zitieren, sollen es bezahlen. Ich glaub, es hackt.

Anti-Staatstrojaner-Tool

Bwahahahaha, es gibt ein Anti-Staatstrojaner-Tool. Ursprünglich von ArchiCrypt gecoded hat sich Steganos das geschnappt und verbreitet es jetzt, zum Beispiel über CHIP (vorsicht, CHIP-Link) und ComputerBILD (vorsicht, ComputerBILD-Link).

Das ist natürlich ein Bullshit-Tool, die c’t hat das gut erklärt: Es reicht schon ein einziges Zeichen in der Trojaner-Datei zu ändern und schon scheitern die Antivirus-Hersteller. Falls ihr Steganos-Produkte nutzt, solltet ihr euch jetzt mal schnell nach Alternativen umsehen, es ist ein Unding dass die mit dem Anti-Staatstrojaner-Tool den Nutzern eine falsche Sicherheit vortäuschen.

Unter Informatikern wird “Hast du schon das Anti-Staatstrojaner-Tool?” jetzt sicherlich zum Running-Gag. Könnte man auch als T-Shirt-Motiv für den 28C3 entwerfen… :-)

ComputerBILD: Die Zeitschrift für DAUs

Die ComputerBILD: Die Zeitschrift, in der das Wort “Festplatte” noch mit einem Sternchen versehen wird …

… und unten auf der Seite ein Hinweis zu finden ist, wo der typische ComputerBILD-DAU-Leser diesen Begriff im Heft erklärt bekommt.

(Sorry für die schlechte Foto-Qualität, habe ich erst am PC gesehen.)

Übrigens ging es in dem Artikel über die gefakete BKA-Sperre, über die schon Ende März berichtet wurde. Da hinkt die ComputerBILD aber ziemlich hinterher.

Ein echter Lesetipp im Zusammenhang, wie die “BILD”-Redaktionen so arbeiten: “Der Aufmacher”, die von BILD rausgeklagten Stellen finden sich im Internet. Da kommt heutzutage noch dazu, dass die “BILD” auch gerne immer wieder Fotos von Opfern aus sozialen Netzwerken rauskopiert und benutzt, meistens ohne Verpixelung. Die meisten kennen das ja schon aus dem BILDblog.

Bevor ihr fragt, warum ich eine ComputerBILD kaufe: Habe ich gar nicht. Mein Bruder ist leider total verblendet und kauft sich diesen Schund ständig. Er wollte mir heute da unbedingt einen Artikel zeigen, wobei mir dann diese Sternchen aufgefallen sind. Immerhin sagt er von sich selbst, dass ihm die c’t zu hoch sei. Ich lasse das mal so stehen. ;-)

Verdienen mit gratis ePerso-Lesegeräten

Um die Akzeptanz des neuen Personalausweises zu fördern, gibt es neben dem freien Eintritt zur CeBIT auch Kartenlesegeräte und Vergünstigungs-Gutscheine für Kartenlesegerät-Käufe. Zwei Computerzeitschriften haben sich bereit erklärt, diese unter das Volk zu bringen – unter anderem die ComputerBILD.

Das der neue Personalausweis zur reinen Wirtschaftsförderung gedacht ist, wurde schon oft spekuliert. Heise liefert in der c’t nun Zahlen:

Für die Nutzung der AusweisApp, die Anfang Januar zum Dowload zur Verfügung stehen soll, verteilen zwei Computerzeitschriften “Freikarten” in Form von Kartenlesern und Gutscheinen. Für diesen Service erhalten sie nach Auskunft des Bundesinnenministeriums 792.540,00 Euro. Eine Zeitschrift liefert mit ihrer DVD-Ausgabe 400.000 Basiskartenleser von Reiner SCT an den Kiosk. Dafür bekommt Reiner SCT die 35 Euro, die der Kartenleser kostet, was sich auf 14 Millionen Euro addiert. Weitere 1.864.800,00 Euro erhält die Firma für Service und Support. Ihre Kartenleser kommen mit einer begrenzten Garantie, die mit einer der Zeitschrift beigelegten “LoginCard” verlängert werden kann. Die CD-Ausgabe der Zeitschrift kommt mit einem Gutschein über 25 Euro, der beim Kauf eines Standard- oder Komfortkartenlesers angerechnet wird.

Auch die Telekom erhält Geld: Ganze 466.200,00 Euro soll T-Systems laut Heise kriegen, um die Ausweistechnik in einem Projekt der Europäischen Kommission einzubringen.

Viel Geld, bezahlt aus dem Konjunkturpaket II:

Von den 24 Millionen Euro, die im Rahmen des Konjunkturpaket II als Zuwendungsmaßnahme den Personalausweis voranbringen sollen, sind derzeit nach Auskunft des Ministeriums 5.767.127,10 Euro überwiesen worden, weitere 17.301.572,90 Euro sind fest verplant. Insgesamt werden dem Bürger so 1.237.000 Basiskartenleser und Zuschüsse für 230.000 Standard- und Komfortleser offeriert. Bleibt die Frage, ob er mitspielt, sich erst den Leser, dann im Januar die AusweisApp besorgt, die – das ist die letzte Zahl für heute – für 800.000 Euro entwickelt wurde.

Aus meiner Sicht eine reine Wirtschaftsförderung: Die Firmen verdienen Millionen, die neue Sicherheit ist eher mager. Und das, obwohl die Akzeptanz des neuen Personalausweises bislang niedrig ist: Viele alte Menschen haben Angst vor der neuen Technik, viele junge Menschen lehnen die Technik aus Datenschutzgründen ab.

Ein Rohrkrepierer, für denen Millionen an Steuergeldern rausgeschmissen werden – obwohl wir, laut Merkel im Juni 2010, mehr sparen müssen. Während Hartz IV-Familien am Rande ihrer Existenz leben, kriegen die Firmen die an der Entwicklung und Verbreitung des neuen Personalausweises mitarbeiten Millionengelder für ein Projekt, das niemand braucht. Ist das gerecht?