Lobby statt Korruptionsbekämpfung

Gestern wurde ja Kino.to hochgenommen, das dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Ein spannendes Detail gibt es bei der taz:

Die Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen (INES), die ursprünglich die Korruption im Freistaat bekämpfen sollte, wurde auf den Fall angesetzt.

Sechs Staatsanwälte und drei Dutzend weitere Mitarbeiter widmeten sich jetzt ganz dem „roten Tuch“ der deutschen Filmwirtschaft, dem Schutz des Urheberrechts und des Privateigentums – bis kino.to abgeschaltet wurde.

Die haben also ganze 30 Personen dazu abgestellt, den Kino.to-Betreibern hinterherzujagen, anstatt Korruption zu bekämpfen.

Jetzt kann jeder mal kurz selbst überlegen, was schlimmer ist: Die Verluste der Contentindustrie weil sich Leute Filme gratis im Netz angucken ODER die Verluste von Steuerzahlern weil jemand Korruption begeht und das nicht aufgedeckt wird.

Klar, da gibt es auch vorallem in der Wirtschaft Korruption, aber 2009 waren laut Bundeskriminalamt (PDF) 20% der „Nehmer“ Kommunalbehörden, 5% Militär und ebenfalls 5% Universiäten/Bildungseinrichtungen, 4% Baubehörden, 2% Polizei und ebenfalls 2% Bundes- und Landesbehörden. Das wären zusammen schon 38% aller Fälle, die im Zweifel den Steuerzahler betreffen. 7% der „Nehmer“ haben dies in ihrer Funktion als Bürgermeister gemacht, 1% der Gelder flossen in Bordell-Besuche. Mit eindeutigen 57% erhoffen sich die Geldgeber das Erlangen von Aufträgen, und sowas betrifft natürlich den Steuerzahler, wenn in der Stadt irgendwas gebaut werden soll und die Ausschreibung nicht korrekt läuft.

Aber die Probleme der Contentindustrie sind ja wichtiger. Willkommen in Lobbyland Deutschland.

YouTube ist tot

Zu diesem Fazit kommt Gilly bei dem „YouTube Copyright School“-Video:

Laut dem ist nämlich so ziemlich alles verboten: Filme abfilmen, Konzertaufnahmen und Remix-Videos mit unterlegter Copyright-Musik. Einzig und alleine Original-Content soll erlaubt sein.

Wenn YouTube das konsequent durchsetzen würde, dann würde der Traffic aber sehr zurückgehen.

Es sei noch auf den re:publica-Vortrag von Sascha Pallenberg „Youtube als Zukunft des Bloggings“ hingewiesen, der sehr sehenswert ist (aber teilweise wenig neues bringt und das YouTube-Partner-Mimimi auslässt). Falls jemand von euch Original-Content erstellen will.

Kinoeinnahmen steigen trotz Raubkopien

Die Einnahmen aus Kinofilmen sind im letzten Jahr trotz „Raubkopien“ wieder gestiegen.

2010 wuchs der weltweite Umsatz an den Kinokassen um fast 10%, ausserhalb der USA/Kanada sogar um 13%. 31,8 Milliarden Dollar, umgerechnet 23 Milliarden Euro, konnten eingenommen werden.

Die Daten kommen von der MPAA (hier das PDF), die zum Ende der Pressemitteilung auch Raubkopien anprangern und das Ende der Filme in einingen Jahren prognostizieren.

Sind Videos, Kassetten und CDs wegen Leervideokassetten, Leerkassetten und Rohlingen eigentlich auch schon gestorben? Anhand derer kann man ja gut sehen, wie real eine solche Prognose ist.

In dem kompletten Bericht (wieder nur als PDF) ist auf Seite 3 folgende Grafik zu finden:

Wie man sieht steigen die Einnahmen weltweit jedes Jahr, bloß die Amis selbst scheinen sich an dieser positiven Entwicklung nicht zu beteiligen. Die MPAA hat glaube ich kein Filesharing-Problem sondern viel mehr ein Problem, ihre eigenen Landsleute in die Kinos zu locken. Im Ausland scheint es hingegen gut zu funktionieren.