Links 13

Neue Links, diesmal mit ganz viel digitaler Demenz.

CARTA: Zwischenbilanz zu Spitzers “DigitaleDemenz”
Martin Lindner, selbst Hirnforscher und Dr.phil.habil. (Literaturwissenschaft, Semiotik, Medienwissenschaft) über Spitzers Buch:

Sobald man ein klein wenig näher hinschaut (was NormalleserInnen nicht tun und auch kaum können), sieht man, dass es hier keine (!) klaren wissenschaftlichen Ergebnisse gibt, die als bewiesen gelten dürfen – obwohl Spitzer ständig gegen seine Feinde, die Medienpädagogen, polemisiert und auf “über 200 Studien” verweist, die er ausgewertet habe.

taz: Keinen Plan vom Netz
André Spang, twitternder Lehrer und Pianist:

Wenn man das Netz produktiv nutzt, dann wird es auch den Verstand fordern. Oberflächlicher Konsum hingegen selbstverständlich nicht. Genau hier liegt aber das pädagogische Potenzial: Dass Schüler lernen, Inhalte produktiv und ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend zu gestalten. Dabei selbstbestimmt vorzugehen und sich auch Fragen, Ziele und Antworten selbst zu stellen.

Der Artikel ist sehr lesenswert, denn er schreibt dort auch, wie man z.B. Blogs und Wikis im Unterricht einbinden kann. Das klingt alles sehr vernünftig.
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Links 6

Es gibt wieder Links. Bonus: Jetzt noch übersichtlicher.

maingold.com: Und was machten die Blogs im Jahre 2011?
Eine schöne Zusammenfassung über die Blogosphäre im letzten Jahr. Mir ist gar nicht aufgefallen, dass die Blogcharts nicht mehr aktualisiert werden. Übrigens finde ich die Millionen von Techblogs weitaus schlimmer als die viele Politik. ;-)

Indeskretion Ehrensache: Im Gasthaus “Zum Prinzip” im Herzen Hannovers
Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) will ihre Inhalte hinter einer Paywall und einer grottigschlechten App verstecken. Thomas Knüwer hat dazu mal aufgeschrieben, wie die Zukunft der HAZ aussehen wird.

DerWesten Recherche: Anti-Polizei-Kampagne nach der Katastrophe
Nach der Loveparade hat Reiner Schaller darüber nachgedacht, eine Kampagne gegen die Polizei zu fahren. Das ist insofern interessant, weil Schaller später die Überwachungsvideos veröffentlicht hatte und dabei die Polizeiketten als Ursache anprangerte. (Die Loveparade-Dokuseite ist übrigens wieder offline, welch Zufall.)

rbb Nachrichten: Abgeordnetenhaus wählt neue Verfassungsrichter
Die Piraten haben Meinhard Starostik für das Verfassungsgericht Berlin nominiert und er hat die 2/3-Mehrheit gepackt. Starostik hat unter anderem gegen ELENA und die Vorratsdatenspeicherung geklagt. Vollkommen unverständlich, dass die Piraten diesen Coup nicht nutzen (seufz).

heise.de: Niedersachsens Überwachungssoftware stammt von Syborg
Endlich ist bekannt, wer für seine Lösch-Funktion nochmal extra kassiert. Den Behörden ist der Quellcode natürlich nicht bekannt. SYBORG-Software ist auch von Berlin, NRW, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern gekauft worden. (Siehe auch: 0zapftis-Wiki, buggedplanet.)

YouTube: „Die Auflösung“ – Wahlwerbespott der FDP
Schöne Parodie zu den Wahlen im Saarland mit Kevin @koerber von der Medien-KuH. :-)

Döpfner: Zeitungen haben Zukunft

Die Axel Springer AG will die WAZ kaufen. Achtet dabei auf das dortige Zitat von Mathias Döpfner, dem Springer-Chef:

[…] teilte Döpfner in freundlich-optimistischem Ton mit, dass seiner Meinung nach Zeitungen und Zeitschriften „auch langfristig … eine attraktive Zukunft haben“ […]

Na, da sind wir aber alle beruhigt. Noch Ende Juni sagte Döpfner in der Debatte um die Tagesschau-App nämlich folgendes:

„Wenn Gratisangebote der Öffentlich-Rechtlichen den Privaten das Geschäftsmodell in der digitalen Welt zerstören, wird es in den nächsten zehn Jahren Zeitungspleiten geben. Und dann werden irgendwann Gremien zusammentreten, um die Zukunft des Qualitätsjournalismus zu retten und den Zeitungen gnädig Gebühren anbieten.“

Das können wir dann wohl mal als Propaganda beerdigen, denn laut Döpfner haben Zeitungen ja eine langfristige und attraktive Zukunft.

Man sollte vielleicht öfters mal Briefe von Herrn Döpfner veröffentlichen um die Propaganda von Springer zu entlarven. Und wo wir bei der WAZ waren, die haben da rein zufällig auch eine Leaking-Plattform… :-)

iShareGossip: Agenturmeldung statt Recherche

Erst vor kurzem hat Stefan Niggemeier gezeigt, dass die meisten Nachrichten auf den Nachrichtenseiten von Agenturen übernommen werden. So auch derzeit im Falle der Meldung, dass der Betreiber der Mobbingseite iShareGossip.com festgenommen worden sei.

Der Agenturtext dazu ist bei nahezu allen Nachrichtenseiten zu lesen, meist wie bei RP-Online und DerWesten nur ein kurzer Text. Der SPIEGEL hat immerhin bei der Polizei nachgefragt:

Die Lübecker Polizei bestätigte SPIEGEL ONLINE die vorläufige Festnahme eines Verdächtigen. Für weitere Auskünfte verwies die Behörde auf die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Diese war am Freitagmorgen nicht zu erreichen.

Unverständlich ist mir jedoch, warum es scheinbar kein Journalist schafft, die Internetseite von iShareGossip aufzurufen und im Blog mal nachzulesen, ob es dort etwas gibt. Da gibt es in der Tat etwas – nämlich ein Statement des restlichen iShareGossip-Teams. Da die Seite indiziert ist verlinke ich das besser mal nicht, aber gegen einen Screenshot von blog.isharegossip.com sollte nichts einzuwenden sein:

Dieses Statement wird nichtmal vom SPIEGEL, der ja suggeriert er hätte super recherchiert, angesprochen. Soviel Zeit war für die Recherche dann wohl doch nicht.

Auch nach Stefan Niggemeiers Kritik und der Debatte darum scheinen die meisten Nachrichtenseiten also weiterhin nur auf Agenturmeldungen zu setzen. Solange keine Agentur das Dementi von iShareGossip über den Ticker laufen lässt, wird es in den Medien vermutlich auch nicht erwähnt werden. Lediglich die IT-Nachrichtenseite Golem hat in einem Artikel von heute Morgen das Dementi erwähnt.

So funktioniert also der Journalismus im 21. Jahrhundert. Super. Einstellungsvoraussetzung ist übrigens in der Regel ein abgeschlossenes Journalistenstudium. Zum Nachrichten abschreiben. Yeah.

Übrigens: Auf das Dementi bin ich nur durch meine Neugier aufmerksam geworden, die wohl jeder hat, der sich fragt, ob es da eine Reaktion von anderen Teammitgliedern gibt.

Anmerkung:
Während dem Schreiben des Artikels kündigte DerWesten auf meine Nachfrage an, sich das nochmal anzugucken. Wenig später kam die Meldung, dass Manuel T. ein „Trittbrettfahrer“ sei, in dem Zusammenhang wird nun auch das Dementi erwähnt.

Statement der NRW-Piraten zu den Finanzen

Die Piratenpartei NRW hat jetzt ein Statement zu dem WAZ-Bericht veröffentlicht. Es sollen wohl

ca. 80 Buchungen mit einer Summe von ca. 4.500 € in der vierjährigen Geschichte der Partei nicht mehr durch die Kassenprüfer zweifelsfrei nachvollzogen werden

können. Es würde dennoch keine Gefahr der Parteienfinanzierung bestehen. Gleichzeitig werden Fehler bei der Mitgliederverwaltung eingeräumt, die aber nahezu alle behoben sein sollen.

Naja, mal abwarten was da noch rauskommt. Der Kassenbericht 2010 soll in etwa einem Monat veröffentlicht werden. Immerhin sind die Piraten transparent, was das angeht.