Entlassungen bei Springer

Während Christoph Keese das Leistungsschutzrecht verteidigt, werden 47 Journalisten der ComputerBILD vor die Tür gesetzt. Hintergrund ist, dass Springer die ComputerBILD in eine externe GmbH überführt – welche tariflos ist, die Journalisten werden dort also nicht nach Tarif bezahlt (und sicherlich nicht übertariflich). Wer nicht in die GmbH geht, wird entlassen. Ein schönes Beispiel, das verdeutlicht, wie viel dem Springer-Verlag ihre eigenen Journalisten wert sind.

Meine These dazu: Laut Leistungsschutzrecht-Entwurf sollen Urheber ja an den Einnahmen beteiligt werden. Es dürfte außer Frage stehen, dass die Verlage das meiste abschöpfen werden, aber durch diese Mehreinnahmen bei den Urhebern könnten die Verlage auch deren Verträge runterdrücken. Zumindest werden sie es versuchen.

Eine WIN-Situation für die Verlage: Mehr Einnahmen und weniger Personalkosten. Und wir, die aus den Verlagsangeboten zitieren, sollen es bezahlen. Ich glaub, es hackt.

"Bild: Wikimedia" *UPDATE*

Bettina „Twister“ Hammer, Bürgerrechtlerin und Autorin, hat bei Telepolis einen Beitrag über Kostüme in Comics geschrieben. Ich will nicht auf das inhaltliche eingehen, denn mir fiel beim Überfliegen des Artikels etwas ganz anderes auf.

Die Bilder im Artikel stammen aus der englischen Wikipedia. Das wäre kein Problem, wenn die ersten Bilder nicht lediglich mit „Quelle: Wikimedia“ und „Bild: Wikimedia“ betitelt wären. Die Urheber werden also nicht genannt, das lässt schon mal stutzig werden. Tatsächlich ist das erste Bild dann auch direkt „(c) 1941-2005 Marvel Characters, Inc. ALL RIGHTS RESERVED.“ und in der Kategorie „Non-free comic images“. Das Bild wurde also nicht von einem Urheber eingestellt, sondern von einem Nutzer und mit der in den USA zulässigen Fair-Use-Regelung in der Wikipedia genutzt, wie man unter dem Bild auch lesen kann. So verhält es sich auch bei einem weiteren Bild, welches „© Warner Bros., The CW Television Network, & DC Comics“ ist und ebenfalls dank Fair Use in der Wikipedia genutzt werden kann.

Der Haken dabei: In Deutschland gilt Fair Use nicht, somit darf man die Bilder natürlich nicht einfach so in Deutschland verwenden, schon gar nicht mit dem falschen Verweis „Bild: Wikimedia“. Bei den anderen Bildern ist wenigstens der Copyright-Inhaber genannt, ob die Verwendung damit legaler wird sei dahingestellt.
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Interessante Idee: Blogger-Streik

Zugegeben, bei BasicThinking gibt es meistens nur noch Tech-Zeug und Startup-Zeug, weshalb ich den Feed auch oft überspringe. Eine Perle jedoch hat Jürgen Vielmeier gestern veröffentlicht: „Wenn Blogger streiken würden“. Es geht um die Frage, was passieren würde, wenn Blogger streiken würden. Angelehnt ist die Frage an den derzeitigen Streik der Journalisten im Tarifstreit des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) gegen die Tageszeitungen.

Auf beiden Seiten gibt es interessante Argumente, daher lest euch den Beitrag bei BasicThinking mal durch.

Was noch fehlt und exentiell wichtig ist: Wer beim DJV oder bei ver.di Mitglied ist, erhält in der Streikzeit ein „Streikgeld“ aus einem Solidaritäts-Fonds (welcher wiederum durch die Mitgliedsbeiträge gefüllt wird). Wer also streikt, erhält trotzdem ein bisschen Geld (ver.di hat dazu einen Streikgeldrechner). Soetwas gibt es bei Bloggern gar nicht, weil wir Blogger uns immernoch nicht organisiert haben. Das wundert mich auch nicht, denn wer würde schon freiwillig einen Blogger-Verband gründen wollen, der beim Start wahrscheinlich direkt von jedem zweiten Blog verrissen und für blöd erklärt wird? (Man erinnere sich nur an die massive Kritik an „Digitale Gesellschaft“.)

Hier ist der Journalismus uns um einiges voraus. Ich weiß gar nicht, ob der DJV oder die Freischreiber auch Blogger (welche nicht in „traditionellen“ Medien veröffentlichen) aufnehmen, aber ich glaube da sieht es eher schlecht aus. Und selbst wenn so sind Blogger eben doch ganz anders als freie Journalisten, eben weil sie meistens keine bezahlten Artikel schreiben und gar keine Tarifverträge haben (mit wem auch, mit sich selbst?). Insofern bräuchten Blogger eine eigene Vereinigung, doch natürlich ist es schwer, eine solche aufzubauen und damit dem Großteil der Blogosphäre gerecht zu werden.

Fazit: Blogger können gar nicht streiken, denn das bedeutet 100%tiger „Verdienst“-Ausfall (Traffic, Leser, Werbekunden nehmen evtl. Abstand usw.). Außerdem gibt es ja auch noch viele Hobby-Blogger, die seltener bloggen, weil sie das Blog nur als Hobby ansehen und noch eine Menge anderer Dinge machen, denen ist Bezahlung meistens ohnehin egal (was per se auch nicht schlecht ist).

Übrigens, die streikenden Journalisten bloggen auch. Irgendwie ist die Grenze zwischen Bloggern und Journalisten also doch nicht so groß. ;-)

Weitere Informationen zu den Streiks gibt es hier bei ver.di.