Tipp: Rüstungsland Deutschland

Nettes Feature: „Rüstungsland Deutschland – Die Waffenschmieden der Republik“ (MP3, 12 MB | PDF-Manuskript). Wie der Name vermuten lässt, geht es um den Waffen-Handel. Darin gibt es so Knaller wie diesen hier: Die Entscheidung über den Export von Leopard-Panzern

wird im geheim tagenden Bundessicherheitsrat getroffen, von der Bundeskanzlerin und ihren Ministern. Erst ein Jahr später wird die Öffentlichkeit unterrichtet, mit dem Rüstungsexportbericht, der längst getroffene Entscheidungen, längst unterzeichnete Verträge auflistet.

Das ist also diese Demokratie.

Sehr schön auch die Stelle mit dem Waffen-Lobbyist, der die 2010 entdeckten mutmaßlichen Waffen-Lieferungen von Heckler & Koch in Unruhe-Gebiete von Mexiko damit rechtfertigt, dass es einen ähnlichen Fall mit einer anderen deutschen Waffenfirma schonmal in Indien gab. Mit anderen Worten: Es ist scheinbar vollkommen normal, dass sich die Rüstungsfirmen nicht an Abmachungen halten.

Der Journalist von dem Feature, Axel Schröder, zeigt in dem Feature auch, wie sehr die Rüstungsfirmen abblocken. Sehr hörenswert, auch wenn man nur einen sehr kleinen Einblick bekommt, was am Abblocken der Firmen wie auch der nur knapp 30minütigen Sendezeit liegt.

Es wäre echt mal schön, wenn es da einen 1-2stündigen Podcast außerhalb dieser Radiosender gibt, ohne Depublizierungspflicht. Der Schröder könnte bestimmt so spannende Sachen von seinen Rüstungsrecherchen erzählen wie Gaby Weber über die Eichmann-Recherchen (vorsicht, letzteres etwas verschwörungslastig).

GEZ wird AZDBS

Wenn die Haushaltspauschale 2013 kommt, will sich die GEZ umbenennen. Und zwar in den tollen Namen „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“. Ein passender Name, nicht? Wir zahlen beim Einkaufen ja auch alle unseren „Umsatz-Beitragsservice“ und der Staat will unseren „Einkommens-Beitragsservice“ haben.

Ich freue mich schon auf die Domain, einen Twitteraccount haben sie schon. :-)

DRadio Kultur Reportage über Esoterik

Bei Deutschlandradio Kultur gibt es eine etwa 20minütige Reportage mit dem Titel „Teurer Trost: Der Esoterikmarkt boomt“.

Claudia van Laak war für die Reportage unterwegs in der Berliner Esoterikszene – es ist die größte Deutschlands. Denn nirgendwo ist der Markt gewinnbringender als in anonymen Großstädten.

Die Reporterin hat sich dort mit einer Geschädigten getroffen und Questico sowie eine Esoterikmesse besucht. Höhepunkt ist eine polnische Heilerin auf einem Esoterik-Treffen, die per Fernheilung Menschen gesund heilen will.

Ein schöner Einblick in diesen Pseudomittel-Markt, den ihr euch mal anhören solltet.

DRadio Wissen nimmt Yahoo!-Rant offline

Mario Sixtus, bekannt als „Elektrischer Reporter“, hat für Deutschlandradio Wissen einen Rant über Yahoo! und dessen Bilderdienst Flickr mit dem Titel „Der Todesstern des Internets“ eingesprochen. Das an sich ist nichts Spektakuläres, jedoch hat DRadio Wissen den Beitrag relativ schnell wieder offline genommen.

Und jetzt wird es interessant, denn Mario Sixtus schreibt:

Ich habe gerade mit Ralf Müller-Schmid, Redaktionsleiter von DRadio Wissen, telefoniert. Er hat veranlasst meinen Kommentar offline zu nehmen, da DRadio Wissen einen Großteil seiner unter Creative Commons stehenden Illustrationsfotos via Flickr bezieht. Herr Müller-Schmid erklärte, er wolle nicht Gefahr laufen, „Double Standards“ bezichtigt zu werden. Trotz eines längeren Telefonats kann ich seine Position nicht teilen, akzeptiere sie aber wohl oder übel.

Soso, Angst vor Doppelmoral-Vorwürfen. Ziemlich unglaubwürdig, wo doch jeder etwas zu meckern hat, wenn er Dienste nutzt. Wenn ich daran denke, wie Facebook-Nutzer über Spiele und schlechtes handling der Seite klagen oder Twitter-Nutzer immer wieder über den Fail-Whale erbost sind, die Dienste dennoch weiternutzen.

Bemerkenswert ist, dass man hierdran sieht, wie einfach die innere Schere in den „klassischen“ Medien funktioniert: Nur weil ein Dienst genutzt wird, darf er nicht kritisiert werden. Und sowas nennt man dann „Pressefreiheit“.

Wenigstens kann man den Beitrag drüben bei Mario Sixtus hören. Im Kern hat er durchaus recht, obwohl ich hier im Blog Flickr-Fotos nutze und die CC-Suche bei Flickr besser ist als bei Google, so ist Flickr alles andere als modern. Das trifft übrigens auch auf die Website von DRadio Wissen zu, welche ebenfalls aussieht als sei sie von 2005 und Flash statt HTML5 nutzt.

Deutschlandfunk über den Zensus 2011

Im Deutschlandfunk gab es heute gestern einen 15minütigen Beitrag über die Volkszählung. Beschreibung:

Mit Stichtag 9. Mai beginnt der Zensus 2011, die „moderne Volkszählung“, wie sie das Statistische Bundesamt nennt. Rund ein Drittel aller Deutschen wird zu Leben und Lebensbedingungen befragt, 80.000 Helfer schwärmen aus, um Fragebögen zu verteilen und Daten zu sammeln.

Nicht nur die Deutschen sind betroffen, sondern Menschen in der gesamten Europäischen Union. Es ist der erste gemeinsame Zensus – und in Deutschland die erste Volkszählung nach langer Zeit: In der DDR fand die letzte 1981 statt; die bundesdeutsche 1983 wurde verhindert; die 1987 durchgeführte lief unter Protesten ab. Welche Daten werden im Zensus 2011 erhoben? Was bringen sie der Sozialforschung? Und wie steht es um die Datensicherheit?

Darin wird z.B. auch gesagt, dass die Abfrage bei Migranten, ob sie oder ihre Eltern nach 1955 nach Deutschland gezogen sind, über die Vorgabe der EU-Richtlinie zum Zensus 2011 hinausgeht.

Insgesamt ein schöner Beitrag, der nicht untergehen sollte. Die MP3 dazu gibt es (vorübergehend) beim Deutschlandradio: