Lufthansa, Nazis und Tschernobyl

Im Deutschlandfunk gab es Anfang letzte Woche zwei interessante Radio-Features, die es auch als Podcast gibt. Beide sind knapp eine Stunde lang:

Kranichflug unterm Hakenkreuz – Die vergessene NS-Geschichte der Lufthansa
In diesem Feature wird über Zwangsarbeiter während der NS-Zeit bei der Lufthansa berichtet und wie die Lufthansa die Aufklärung ihrer Vergangenheit in der Öffentlichkeit totschweigt. Es wird auch auf eine im letzten Jahr gezeigte ARTE-Dokumentation bezug genommen, siehe hier auf YouTube und Text bei SPON.

Ankündigungstext | MP3-Download (25 MB) | Manuskript (PDF)

Der Tanz um das „Goldene Grab“ – Wem nützt der Sarkophag von Tschernobyl?
Hier wird beleuchtet, welche wirtschaftlichen Interessen hinter dem neuen Sarkophag von Tschernobyl nach der Atomkatastrophe stecken. Hinsichtlich auf Fukushima könnte das auch in Zukunft nochmal sehr interessant werden. Unter den Interviews ist auch eines mit dem Physiker Dr. Sebastian Pflugbeil, der sich bei den Elementarfragen ausführlich zu Tschernobyl und im März zu Fukushima geäußert hat.

Ankündigungstext | MP3-Download (20 MB) | Manuskript (PDF)

Wie immer bei Materialien der öffentlich-rechtlichen Sender gilt: Downloaded solange es geht, die Podcasts dürften bald verschwinden, die Manuskripte sind meistens länger online.

Merkblatt für Opfer von Polizeigewalt

Der Holgi hat das gerade getwittert: Amnesty International hat ein Merkblatt für Opfer von Polizeigewalt zusammengestellt, was man sich hier als PDF downloaden kann. Das ganze natürlich im Rahmen der „Nichts zu verbergen“-Kampagne, die für eine Polizeikennzeichnung eintritt.

In dem Merkblatt stehen einige interessante Dinge drin, zum Beispiel dass wenn man Anzeige erstatten will diese nicht bei einer Polizeidienststelle machen sollte sondern direkt bei der Staatsanwaltschaft. Und natürlich, was man nach dem Vorfall beim Arzt und beim Anwalt beachten sollte.

Volker Pispers zur Abgeordnetenwahl in Berlin

Kabarettist Volker Pispers hat sich mal die Abgeordnetenwahl in Berlin angesehen und darüber gestern bei WDR2 gesprochen. Das kann man sich als Podcast runterladen (MP3, 1,3 MB) oder bei YouTube ansehen:

http://www.youtube.com/watch?v=kXZEZkIWYqU

Und bevor die Sachen verschwinden habe ich ein Transkript gemacht, so wie damals zum Parteitag der Piratenpartei. Los geht’s:

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Dienstag. Wann bin ich jemals so gerne eines besseren belehrt worden? Bis zuletzt hatte ich befürchtet, dass sich die primitiv-populistische anti-europäische Stimmungsmache der FDP bei der Wahl in Berlin auszahlen könnte. Aber die haben da derart überlegt und emanzipiert die Wahlzettel bekritzelt, dass ich wieder weiß, warum der Wähler souverän genannt wird. Wenn von fast 2,5 Millionen Wahlberechtigten nur noch knapp 27 tausend bereit sind, ihr Kreuz bei der FDP zu machen, muss man sich seiner Freudentränen nicht schämen. Und nein, es ist keine Schadenfreude, es ist die reine Freude darüber, dass dem Souveränen am Ende doch noch nicht alles egal ist. Am Ende will er sich doch nicht von einem Stabsarzt die Wirtschaft erklären lassen. Die Partei der Abzocker, die uns seit Jahren weiß zu machen versucht, es ginge dem Staat dann am Besten, wenn die Reichen möglichst wenig Steuern zahlen, hat in Berlin gerade mal 5 tausend Stimmen mehr geholt als die Tierschutz-Partei. Und behaupten Sie nicht, Sie wären auf diesen meterlangen Wahlzetteln schonmal soweit vorgedrungen, dass Sie wüssten, dass es die wirklich gibt. Philip Rösler versprach zu liefern und er hat Wort gehalten, er hat geliefert, und zwar seine Partei ans Messer. Und kein Westerwelle weit und breit, dem man das Desaster in die Schuhe schieben kann. Jetzt muss Angela Merkel mit einem Koalitionspartner leben, der klinisch tot ist, aber wie ein Huhn, dem man den Kopf schon abgeschlagen hat, flügelschlagend umherirrt. Auf die Frage nach den Auswirkungen der Beliner Wahl auf die schwarz-gelbe Koalition im Bund hat sie prompt gesagt: Wir werden die Regierungsarbeit weiter mit der FDP erledigen. Ehrlicher wäre gewesen zu sagen: Wir werden weiter mit der Regierungsarbeit die FDP erledigen. Aber der Berliner Souverän hatte noch mehr in Petto: Dem Salon-Löwen Wowereit wurden die Zähne gezogen. Die Linkspartei, die in Berlin 10 Jahre lang Geräusch- und Zahnlos mitregiert hat, hat in dieser Zeit die Hälfte ihrer Wähler verloren und den Grünen, die längst versuchen sich als eine Art sympathische FDP zu positionieren, die wenn sich die Chance bietet auch mit der CDU koalieren würde, wurden die Piraten auf den Hals gehetzt. Es wird lustig sein zu hören, wie Trittin und Künast den Piraten jetzt all das vorwerfen, was sie sich selber anhören mussten, als sie noch eine echte politische Alternative waren. Die CDU darf sich über Gewinne freuen, und muss doch damit leben, dass 70 Prozent der Stimmen links von ihr gelandet sind. Selten wurde so elegant und differenziert gewählt, da kann man nur ausrufen: Ick bin ein Berliner. Bis neulich.

Wahrlich eine gute Analyse. :-)