Big Three statt Big Four

EMI geht es seit einigen Jahren nicht mehr gut, obwohl eine Menge bekannte Künstler bei EMI sind. 2008 schrieb die L.A. Times, dass nahezu 9 von 10 EMI-Künstlern unprofitabel seien. Anfang dieses Jahres übernahm die Citigroup das Label, im Raum stand ein Verkauf an Warner Music. Nun ist bekannt: EMI soll zwischen Sony Music und Universal Music aufgeteilt werden. Nun sind es nur noch Big Three statt Big Four.

Funfact an der Geschichte: EMI hatte in der Vergangenheit schon mehrmals Pläne, Warner Music zu übernehmen um an Universal vorbeizuziehen und sich an Sony anzurücken. Nun wird EMI ausgerechnet von diesen Erzfeinden übernommen.

Als Musiknutzer kann einem das egal sein, woher die Musik kommt. Wo die Künstler sind, das ist für den Musikkonsum meistens nebensächlich. Für den Musikmarkt ist es jedoch eine denkbar schlechte Entwicklung: Bei nur noch drei Major-Labels herrscht wenig Konkurrenz. Alle drei Major-Labels werden die Entwicklung der Musikindustrie massiv beeinflussen, was an sich normal ist, aber bei so wenigen Marktführern schlechte Auswirkungen haben kann.

So waren es weder Warner Music, noch Sony Music oder Universal Music, sondern eben EMI im April 2007, die verkündeten, dass ihre Tracks auf iTunes ohne DRM und in höherer Qualität verfügbar sein werden. Erst danach haben die anderen Labels mitgezogen und natürlich ist dies auch auf anderen Downloadplattformen geschehen.

Ich bezweifele, dass Sony und Universal „ordentlich“ mit dem Online-Markt umgehen können, auch wenn man ihnen zugute halten kann, dass sie schon kritisch über die GEMA-YouTube-Geschichte geäußert haben. Erst neulich lief mir wieder ein Fall der falschen Preispolitik über den Weg. Der in dem Fall genannte Amazon-Preis ist übrigens mittlerweile angepasst und der Download genauso teuer wie die CD – obwohl beim Download eine Menge gespart wird (keine Lieferkosten zwischen Presswerk und Amazon, keine Plastikhülle, keine Presswerkkosten etc.).

Die Musiklabels verhalten sich wie die Buchverlage im E-Book-Markt: Vollkommen falsch. Langfristig werden sie den Online-Vertrieb somit an die Wand fahren und sich lieber über „Raubkopierer“ echauffieren, anstatt sich mal an die eigene Nase zu fassen und ein ordentliches Angebot zu schaffen. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass das auch mit dem profitablen Abmahngeschäft zusammenhängen könnte.

Wahrscheinlich wird es immer ein Traum bleiben, dass ein innovativer Publisher an der Spitze steht und einen guten Kurs vorgibt oder dass es soviel Konkurrenz gibt, dass die Musiklabels von alleine einen guten Kurs einschlagen müssen. Dafür müssten wahrscheinlich erstmal alle jetzigen Major-Labels aussterben. So gesehen hat der EMI-Ausverkauf dann doch wieder etwas Gutes.