Diplomarbeit über Imageboards

Die Überschrift sagt alles: Nils Löber hat seine Diplomarbeit über Imageboards wie 4chan geschrieben, Titel: „In den Unterwelten des Web 2.0. Ethnographie eines Imageboards“. Der Klappentext:

In netzpolitischen Debatten wird das Internet gern als „rechtsfreier Raum“ bezeichnet. In der vorliegenden Arbeit wird anhand einer Spezialform von Internetforen – sogenannten Imageboards – untersucht, welche Diskurse und Praktiken sich tatsächlich in einem auf vollständige Anonymität und weitgehende Regellosigkeit stützenden Kommunikationsraum ausbilden können. Zu Tage treten hierbei neben symbolischen Exzessen im Bereich Gewalt und Pornografie auch unerwartete Formen insbesondere männlicher Solidarität und reichhaltiger popularer Kreativität. Der Untersuchung liegt eine knapp zweimonatige Erhebung des Geschehens im deutschsprachigen Imageboard Krautchan zugrunde.

Die komplette Diplomarbeit gibt es hier zum Download. Sie ist inklusive Deckblatt und Literaturverzeichnis satte 145 Seiten lang und das PDF ist stolze 21 MB groß, kann also die Urlaubslektüre ersetzen. Spannend ist das Thema allemal.

(via Radio Trackback – dort gibt es auch ein kurzes Interview mit Nils, reinhören!)

Die Meinung des Autors

Zu dem Brief an Kristina Schröder gibt es noch eine lustige Anekdote: Der Radiosender Fritz hat auch einen Podcast, der den Namen „Neues von Känguru“ trägt und auch auf Fritz ausgestrahlt wird. Besonders Folge 127 (schon einige Wochen her) ist interessant:

Zitat vom Känguru:

Dieser ganze Distanzierungskram geht mir sowas von auf den Sack! Das ist ja eine regelrechte Krankheit! Diese verblödete Wischi-Waschi-Kultur, bloß nicht auf irgendwas festlegen lassen, das zieht sich schon durch alle Lebensbereiche!

[…]

Weißt du was passiert, wenn man sich immer alle Türen offen hält? Dann zieht’s mein Freund und davon wird man krank. Die Welt ist echt voll von Arschlöchern, rechtlich abgesicherten Arschlöchern!

Den Podcast gibt es auch hier als MP3-Datei.

[Disclaimer: Die Zitate sind dem Podcast entnommen und richten sich nicht an lebende Perso… Ach scheiß drauf, ich bin doch kein Arschloch!]

(K)Ein offener Brief an Kristina Schröder

Gestern hat Susanne Holder von Radio Fritz in Berlin einen „Offenen Brief an Kristina Schröder“ geschrieben. Heute wurde er gelöscht, stattdessen steht nun ein Statement von Programmchef Stefan Warbeck an der Stelle.

In dem Statement heißt es, man wolle nicht den Eindruck erwecken, dass der offene Brief im Namen der gesamten Redaktion sei. Zudem würde der Kommentar „an einigen Stellen eindeutig die Persönlichkeitsrechte von Frau Schröder“ verletzen. Dies schien vor der Veröffentlichung des Textes im Internet sowie der audiovisuellen Fassung, welche auch im Radio gesendet wurde, jedoch kein Problem zu sein.

Ich reihe mich in die Liste der Wiederveröffentlicher ein, denn der Text ist genial und als Meinung von Frau Holder absolut akzeptabel:

Liebe Kristina Schröder,

ich freu mich eigentlich immer über Schwangerschaftsbotschaften, aber alle Zitate von Ihnen, die man heute lesen muss, rufen Ekel und Würgereflexe in mir hervor. Zum Beispiel: „Wir werden vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind.“

Wie anmaßend, schamlos, unmoralisch, blind und bescheuert sind Sie eigentlich? Mit 16.529,50 Euro im Monat und einem garantierten, vergoldeten Betreuungsplatz in der 5 Sterne-Bundestags-Kita stehen Sie NICHT vor den gleichen Herausforderungen wie viele andere Paare in Deutschland.

Sie hoffen „Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen mit der Unterstützung ihrer Familien“… Erzählen Sie uns bitte nicht, dass Sie von Existenzängsten geplagt sich nachts wälzen und sorgen, ob das Geld für Windeln reichen wird, ob Sie problemlos ihre Arbeitsstelle zurück bekommen. Fragen Sie sich lieber, wer eigentlich vor kurzem das Elterngeld gekürzt hat.

Ich wünsche Ihnen Sodbrennen, Wasserbeine, Müdigkeit, Krampfadern und Hämorrhoiden – wenigstens körperlich gleiche Herausforderungen.

Der Vorfall zeigt, dass die Öffentlich-Rechtlichen doch nicht so staatsfern sind, wie sie es immer darstellen. Schade, aber irgendwie auch wenig verwunderlich.