Absage von Georg Schramm

Nach Spekulierungen, dass Georg Schramm seine Bundespräsidenten-Kandidatur wohl absagt, hat er dies gestern auch offiziell gemacht und N24 ein Interview gegeben:

Darin hat er eigentlich nur richtiges gesagt und auch die Begründung ist verständlich. Und damit wir das auch als Text haben, habe ich ein Transkript gemacht (mit sämtlichen „äh“s):

Stephanie Puls: Wir sind zurück mit den Nachrichten am Mittwochmittag, herzlich Willkommen. Der Kabarettist Georg Schramm will nicht Bundespräsident werden, das teilte seine Ehefrau Isa Fritz auf Anfrage dem Nachrichtensender N24 mit. Und warum das so ist, wollen wir jetzt selbst mal von ihm hören, nämlich telefonisch zugeschaltet aus Badenweiler ist Georg Schramm, Kabarettist und beinahe Bundespräsidentschafts-Kandidat. Herr Schramm, wer ist denn da diesbezüglich auf Sie gekommen?

Georg Schramm: Ähm, das Internet, in einem, in einem extremen Umfang, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Ähm, mit einer Flut von Anfragen und Bitten zum Teil, was auch belegt, dass es keine Politikverdrossenheit gibt, sondern ein großes Politikinteresse, nur ’ne Verdrossenheit an dem, was uns die Politiker bieten.

Puls: Und was ist der Grund für Ihre Absage?

Schramm: Ähm, weil ich glaube, meine Stärke liegt in dem was ich beruflich mache, als Kabarettist. Und da als eine Schachfigur ähm da hin und her geschoben zu werden, bei dem Amtsmissbrauch den die etablierten Parteien betreiben, da sehe ich keinen Sinn drin. Also ich sehe das als ’ne … Also ich habe die Botschaft sehr wohl wahrgenommen aus dem Internet, aber ich glaube wir sollten eher gemeinsam daran arbeiten, dem Amt des Bundespräsidenten den Zugriff zu entziehen der etablierten Parteien.

Puls: Also hätten Sie auch…

Schramm: Da gibt es mehrere Möglichkeiten.

Puls: … Ja. Und hätten Sie auch abgesagt, wenn die SPD und die Grünen auf Sie zugekommen wären?

Schramm: (lacht) Eine extrem fiktive Frage, dann hätten wir immer noch keine Mehrheit, aber dann wäre es reizvoller gewesen. Aber ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich glaube nicht dass ich tauge für dieses Amt. Ich tauge als ähm, sagmal, als Projektionsfläche für die Sehnsucht der Leute nach, nach glaubwürdiger Politik, aber nicht wirklich als Bundespräsident. Und meine Frau wäre auch keine gute First Lady, muss ich sagen.

Puls: Oh, das hat sie hoffentlich nicht gehört.

Schramm: Doch, sie hat mich drum gebeten das zu sagen. (lacht)

Puls: Was halten Sie denn von Joachim Gauck?

Schramm: Joar, also, es hat in der jüngsten Vergangenheit sicher schlimmere Bundespräsidenten gegeben. Äh, das Schlimme finde ich, wie er zur Kandidatur kommt. Äh, ihn selber finde ich keinen schlechten Kandidaten. Äh, an ihm gibt’s sicher was auszusetzen, wie damit umgegangen wird, wie übrigens auch mit seinen Zitaten in Kurzform umgegangen wird, ähm, Freund und Feind, aber vorallem wie er als Schachfigur benutzt wird, das finde ich ähm gar nicht gut. Weil es geht überhaupt nicht um seine Qualitäten, es geht ausschließlich um den Machtpoker zwischen den Parteien.

Puls: Mhm. Nach den letzten beiden Rücktritten, nach dem Rücktritt von Horst Köhler, natürlich auch nach dem Rücktritt von Christian Wulff, stellen auch immer wieder Leute die Frage: Braucht dieses Land überhaupt einen Bundespräsidenten…

Schramm: Das ist eine gute Frage.

Puls: … Wie sehen Sie das?

Schramm: Also wenn er so zustande kommt, brauchen wir ihn eigentlich nicht, da er ja kein … nicht die Macht hat, den Parteien wirklich in den Arm zu fallen. Wenn er die hätte, ähm, wenn er eine stärke Position hätte, die wir ihm ja aus bekannten politischen Gründen damals nicht gegeben hätten, dann könnte das Amt ’nen Sinn machen – so ist es fraglich.

Puls: Mhm. Welche Qualifikationen, welche persönlichen Qualitäten braucht denn der Bundespräsident von Deutschland und wer wäre Ihr Wunschkandidat?

Schramm: Och, ich hab, ich hab soviele Finger habe ich gar nicht, muss ich Ihnen sagen. Wenn Hildegard Hamm-Brücher noch jünger wäre, wär sie eine tolle Kandidatin. Jutta Limbach wär ne großartige Kandidatin, Herr Voßkuhle, der Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts Papier wär ein großartiger Kandidat, Klaus Töpfer wär kein schlechter gewesen. Ähm, also es gibt viele, äh, die auch persönliche Glaubwürdigkeit haben. Und man darf Christian Wulff nicht als den Normalzustand eines Politikers sehen, das ist er nicht. Gott sei dank noch nicht.

Puls: Sagt der Kabarettist Georg Schramm, vielen Dank für dieses Gespräch.

Schramm: Gerne.

Georg Schramm zu möglicher Bundespräsidenten-Nominierung

Ah, endlich hört man auch etwas von Georg Schramm, den wir ja alle gerne mal als Bundespräsidenten hätten. Sein Agent hat sich zu einer Anfrage von Telepolis wie folgt geäußert:

„Georg Schramm benötigt etwas Zeit um sich zu entscheiden, wie er auf die vielen Anrufe und Mails reagieren wird, die ihn zu einer Kandidatur um das Amt des Bundespräsidenten drängen; wir werden diese Entscheidung öffentlich machen, ich bitte noch um ein paar Tage Geduld.“

Oh ich hoffe doch, dass er nichts dagegen hat und ihn die Piraten vorschlagen. Er wird ja eh nicht gewählt, aber die Nominierung an sich wäre schon ein Oberknaller. :-)

Georg Schramm vor der CDU in Baden-Wüttemberg (Video)

Holt das Popcorn raus, es gibt einen Audio-Mitschnitt zu dem Eklat mit Georg Schramm.

http://www.youtube.com/watch?v=M5ZlX3U6osw

Herrlich, wie nach ca. 2 Minuten nur noch wenig gelacht und geklatscht wird. Bei 06:48 gibt es dann „Es reicht!“-Rufe. Super! :-)

(via Fefe)

Georg Schramm vs. CDU

HAHA, wie geil: Kabarettist Georg Schramm hat einen Preis bekommen, der im Europa-Park Rust vor lauter CDU-nahem Publikum vergeben wurde. Da hat er sich die Chance nicht entgehen lassen, mal seine Figur als Rentner Lothar Dombrowski außerhalb der Anstalt mal direkt an die CDU zu bringen:

Doch dem Lottochef und früheren Sozialminister Friedhelm Repnik und den der CDU verbundenen Gästen schenkte der Ehrenpreisträger, der in Badenweiler lebende Kabarettist Georg Schramm, starken Tobak ein. „Die Lottogesellschaft ist eine Einrichtung von unschätzbarem Wert. Was hätte jemand wie Herr Repnik sonst machen können?“ Und nach dem Regierungswechsel werde es wohl weitere teure „Endlager für abgebrannte Politiker“ geben. „Sie werden wohl demnächst bei der DLRG Reden halten müssen“, bekam Staatsminister Rau zu hören. „Eine Landesregierung, die nicht in der Lage ist, einen Pflasterstein von einer Kastanie zu unterscheiden, hat nichts anderes verdient, als in den Orkus der Bedeutungslosigkeit gestoßen zu werden,“ polterte er.

„Endlager für abgebrannte Politiker“, YMMD! :-D