Heise: Verschlüsselung – nein danke!

Telepolis hat mal nachgefragt, wie das mit Verschlüsselung bei Journalisten größerer Medien aussieht. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß ernüchternd, nichtmal PRISM kann da was ändern. Und wenn es einige wenige Ausnahmen gibt, etwa bei der ZEIT oder bei der taz, dann:

Auf den jeweiligen „Kontakt“-Websites liest man jedoch nichts zum Thema, von öffentlichen Schlüsseln keine Spur.

So wie bei Heise: Hier nicht, hier auch nicht, c’t nicht, ix nicht, Technology Review nicht. Bei Telepolis auch nicht – hier sind die E-Mail-Adressen sogar als Grafiken zu sehen, das kommt noch aus der Pre-Spamfilter-Ära.
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"Bild: Wikimedia" *UPDATE*

Bettina „Twister“ Hammer, Bürgerrechtlerin und Autorin, hat bei Telepolis einen Beitrag über Kostüme in Comics geschrieben. Ich will nicht auf das inhaltliche eingehen, denn mir fiel beim Überfliegen des Artikels etwas ganz anderes auf.

Die Bilder im Artikel stammen aus der englischen Wikipedia. Das wäre kein Problem, wenn die ersten Bilder nicht lediglich mit „Quelle: Wikimedia“ und „Bild: Wikimedia“ betitelt wären. Die Urheber werden also nicht genannt, das lässt schon mal stutzig werden. Tatsächlich ist das erste Bild dann auch direkt „(c) 1941-2005 Marvel Characters, Inc. ALL RIGHTS RESERVED.“ und in der Kategorie „Non-free comic images“. Das Bild wurde also nicht von einem Urheber eingestellt, sondern von einem Nutzer und mit der in den USA zulässigen Fair-Use-Regelung in der Wikipedia genutzt, wie man unter dem Bild auch lesen kann. So verhält es sich auch bei einem weiteren Bild, welches „© Warner Bros., The CW Television Network, & DC Comics“ ist und ebenfalls dank Fair Use in der Wikipedia genutzt werden kann.

Der Haken dabei: In Deutschland gilt Fair Use nicht, somit darf man die Bilder natürlich nicht einfach so in Deutschland verwenden, schon gar nicht mit dem falschen Verweis „Bild: Wikimedia“. Bei den anderen Bildern ist wenigstens der Copyright-Inhaber genannt, ob die Verwendung damit legaler wird sei dahingestellt.
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Telepolis-Fail zu 9/11

Ich könnte mir gerade sonstwo hin beißen. Qualitätsjournalismus, my ass! Nichtmal Telepolis kann man noch vertrauen.

Worum geht’s? Um die beiden Leseproben zu dem 10-Jahre-nach-9/11-Buch. Ich merkte bei der zweiten Leseprobe ja an, dass das alles wie Gerhard Wisnewski klingt. Und das sagt Wikipedia zu den Autor des 10-Jahre-nach-9/11-Buches, Mathias Bröckers:

Bröckers ist neben Gerhard Wisnewski und Andreas von Bülow einer der bekanntesten und publizistisch erfolgreichsten Vertreter von Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 im deutschen Sprachraum. Mit seiner „WTC-Conspiracy“-Reihe beim Online-Magazin Telepolis wurde Bröckers einem größeren Publikum bekannt und erzielte mit seinem folgenden, bei Zweitausendeins erschienenen Buch Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9. hohe Auflagen.

Na super.

Warum ich mich ärgere: Klar, dass Telepolis da Schrott ins Netz stellt, das ist die eine ärgerliche Sache. Damit ist auch Telepolis kein wirkliches Qualitätsmedium mehr, heißt, dass ich weniger Telepolis-Artikel lesen werde, weil ich damit rechnen muss, dass die noch mehr solcher Autoren da beherbergen.

Auf der anderen Seite hätte ich ja auch einfach mal die Autoren-Namen googeln können, was ich nicht getan habe, weil Telepolis einen Vertrauensvorschuss hatte („Wenn die das Buch da bewerben, dann wird das schon kein Schwachsinn sein“). Dieser Vorschuss ist jetzt natürlich weg.

Unter dem Strich bleibt ein Recherche-Fail meinerseits und die erschreckende Erkenntnis, dass jeder bei Telepolis seinen Müll abladen kann – und das nicht nur bekannter Weise in den Foren, sondern auch in den Artikeln. Tja, gar nicht so einfach, bei den Verschwörungstheoretikern den Überblick zu behalten. Kein Wunder also, dass die bei Leuten, die nicht so aufgeweckt sind, auf nährbaren Boden treffen und für Wahrheitsvermittler gehalten werden (weil, wer ein Buch schreibt, der muss ja die Wahrheit schreiben… oder? ;-).

Ich habe das Wisnewski-Buch übrigens mal auf meine Wunschliste gepackt und das Angebot dazu steht immernoch (ich lese das Buch und blogge nach jedem Kapitel über den Schwachsinn, den Wisnewski schreibt, wenn mir jemand vorher das Buch kauft). :-)

Verdienen mit gratis ePerso-Lesegeräten

Um die Akzeptanz des neuen Personalausweises zu fördern, gibt es neben dem freien Eintritt zur CeBIT auch Kartenlesegeräte und Vergünstigungs-Gutscheine für Kartenlesegerät-Käufe. Zwei Computerzeitschriften haben sich bereit erklärt, diese unter das Volk zu bringen – unter anderem die ComputerBILD.

Das der neue Personalausweis zur reinen Wirtschaftsförderung gedacht ist, wurde schon oft spekuliert. Heise liefert in der c’t nun Zahlen:

Für die Nutzung der AusweisApp, die Anfang Januar zum Dowload zur Verfügung stehen soll, verteilen zwei Computerzeitschriften „Freikarten“ in Form von Kartenlesern und Gutscheinen. Für diesen Service erhalten sie nach Auskunft des Bundesinnenministeriums 792.540,00 Euro. Eine Zeitschrift liefert mit ihrer DVD-Ausgabe 400.000 Basiskartenleser von Reiner SCT an den Kiosk. Dafür bekommt Reiner SCT die 35 Euro, die der Kartenleser kostet, was sich auf 14 Millionen Euro addiert. Weitere 1.864.800,00 Euro erhält die Firma für Service und Support. Ihre Kartenleser kommen mit einer begrenzten Garantie, die mit einer der Zeitschrift beigelegten „LoginCard“ verlängert werden kann. Die CD-Ausgabe der Zeitschrift kommt mit einem Gutschein über 25 Euro, der beim Kauf eines Standard- oder Komfortkartenlesers angerechnet wird.

Auch die Telekom erhält Geld: Ganze 466.200,00 Euro soll T-Systems laut Heise kriegen, um die Ausweistechnik in einem Projekt der Europäischen Kommission einzubringen.

Viel Geld, bezahlt aus dem Konjunkturpaket II:

Von den 24 Millionen Euro, die im Rahmen des Konjunkturpaket II als Zuwendungsmaßnahme den Personalausweis voranbringen sollen, sind derzeit nach Auskunft des Ministeriums 5.767.127,10 Euro überwiesen worden, weitere 17.301.572,90 Euro sind fest verplant. Insgesamt werden dem Bürger so 1.237.000 Basiskartenleser und Zuschüsse für 230.000 Standard- und Komfortleser offeriert. Bleibt die Frage, ob er mitspielt, sich erst den Leser, dann im Januar die AusweisApp besorgt, die – das ist die letzte Zahl für heute – für 800.000 Euro entwickelt wurde.

Aus meiner Sicht eine reine Wirtschaftsförderung: Die Firmen verdienen Millionen, die neue Sicherheit ist eher mager. Und das, obwohl die Akzeptanz des neuen Personalausweises bislang niedrig ist: Viele alte Menschen haben Angst vor der neuen Technik, viele junge Menschen lehnen die Technik aus Datenschutzgründen ab.

Ein Rohrkrepierer, für denen Millionen an Steuergeldern rausgeschmissen werden – obwohl wir, laut Merkel im Juni 2010, mehr sparen müssen. Während Hartz IV-Familien am Rande ihrer Existenz leben, kriegen die Firmen die an der Entwicklung und Verbreitung des neuen Personalausweises mitarbeiten Millionengelder für ein Projekt, das niemand braucht. Ist das gerecht?