Das Ende der MC ist da

Die gute alte Musikkassette: Wie oft haben wir geflucht und uns über Bandsalat geärgert. Jetzt dürfte das Ende wirklich nah sein, denn eines der größten Hörspiel-Labels stellt fast alle MCs ein.

EUROPA läutet den Abschied der MC ein: Bis auf die Serie „Die drei ???“ werden für alle anderen EUROPA-Serien ab 2012 keine MCs mehr produziert – darunter auch die erfolgreichen und bekannten Serien „TKKG“ und „Fünf Freunde“. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

Mit der fast vollständigen Umstellung auf digitale Medien im Audio-Bereich und dem Siegeszug der CD wurde immer weniger Tonbandmaterial benötigt und entsprechend auch weniger produziert. Heute ist die Produktion fast ganz eingestellt. Das Label EUROPA hat zwar rechtzeitig reagiert und sich noch größere Mengen von Bandmaterial gesichert, aber auch diese Vorräte werden bald aufgebraucht sein. Das Label sieht sich veranlasst, die MC-Produktion auf „Die drei ???“ zu konzentrieren, da die Nachfrage der Sammler hier am größten ist.

„Bis ans Ende aller Bänder“ will EUROPA nun ???-Kassetten in der Zukunft produzieren, eben bis das Bandmaterial weg ist.

Schade, denn die Kassette hat einfach Nostalgie-Wert. Auch wenn ich lange keine Kassetten mehr gekauft habe, weil man sie nicht so einfach auf den PC überspielen kann wie bei den CDs. Diesen Wandel wird man wohl auch nicht aufhalten können, EUROPA betont auch in der Pressemitteilung, dass die MP3-Downloadverkäufe gut laufen.

(Bild: Angel Arcones unter CC-BY 2.0)

Rechtsstreit bei Folgenreich

Als Fan der „Die drei ???“ habe ich miterlebt, wie schnell eine Hörspiel-Serie gestoppt und ein Krieg zwischen zwei Rechteinhabern geführt wird. Damals ging es zwischen dem Hörspiellabel EUROPA (gehört zu Sony Music) und dem Kosmos-Verlag um die Urheberrechte der erfolgreichen Buch- und Hörspiel-Serie. Mit einstweiligen Verfügungen wurden ein paar Hörspiele und ein paar Bücher von der jeweiligen Gegen-Partei untersagt, am Ende einigten sich beide Parteien außergerichtlich.

Nun scheint es wieder eine Auseinandersetzung zu geben, diesmal zwischen dem Hörspiellabel Folgenreich (gehört zu Universal Music) und der Produktionsfirma Decision Products, die u.a. die Hörspielserien Gabriel Burns und Point Whitmark produzieren. Point Whitmark erscheint seit Juli unter Eigenregie und wird durch Sony Music vertrieben. Gabriel Burns hingegen ist noch auf dem Abstellgleis, wie Produzent und Regisseur Volker Sassenberg bei Experiment Stille erzählt. Es handelt sich bei dem Rechtsstreit zwischen Folgenreich und Decision Products jedoch nicht um Urheberrechte, sondern laut Sassenberg um Vertragsprobleme:

Folgenreich (Universal Music) hat den Gabriel Burns-Vertrag unserer Meinung nach nicht fristgemäß verlängert. Nach unserer Auffassung ist der Vertrag ausgelaufen. Darüber hinaus sind wir aufgrund vieler anderer vorgetragener Tatsachen im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzungen der Meinung, dass es zu keiner weiteren Gabriel Burns-Veröffentlichung durch Folgenreich kommen wird.

Folgenreich will sich dazu nicht öffentlich äußern, was sie bei Point Whitmark auch nicht getan haben. Da muss man EUROPA und Kosmos schon lassen, dass diese über den Rechtsstreit und ihre Positionen informiert haben.

Tjoar und nun herrscht Pause bei Gabriel Burns, weil die Mühlen der Behörden bekannterweise langsam arbeiten und vor der Klärung keine neuen Folgen erscheinen können. Wahrscheinlich werden diese dann, so wie Point Whitmark, bald von Decision Products veröffentlicht und von Sony Music vertrieben werden. Aber das kann noch dauern.

Sassenberg kommt übrigens nicht darüber hinweg, auch nochmal in die Richtung der „Raubkopierer“ (sic!) zu schießen, als er eine Frage bezüglich Crowdfunding beantwortet:

[…] Crowdfunding ist eine Initiative, die letzten Endes auf den Enthusiasmus der wenigen beruht, die sowieso Enthusiasmus haben. Viel sinnvoller wäre es, wenn all diejenigen, die Hörspiele hören auch Hörspiele kaufen. Das würde völlig ausreichen, um die Produktionen zu finanzieren. Damit meine ich nicht nur unsere, sondern auch alle anderen. Die Raubkopiererei hat schlimme Ausmaße angenommen. Zudem gibt es keine Verhältnismäßigkeit in den Köpfen vieler Leute mehr. Einerseits wird für irgendwelches Junk Food bei McDonalds bereitwillig 13 Euro gezahlt, und auf der anderen Seite ist man dann nicht bereit, für die Monate lange Arbeit an einer Hörspielproduktion 6,99 Euro zu investieren. Wenn keine Hörer mehr CDs kaufen, wird es irgendwann keine CDs mehr geben.

Ich will das jetzt hier nicht in epischer Breite auseinanderpflücken, scheinbar sitzt Sassenberg da (leider) dem „Raubkopierer“-Klischee auf. Schade, denn wenn er sich wirklich mit Crowdfunding beschäftigt hat, sollte er auch mitbekommen haben, dass die Fans eines Produktes durchaus auch bereit ist, für dieses zu bezahlen. So ist es auch mit den „Raubkopierern“.

Die Erwachsenen-Hörspiel-Branche hat vielmehr das Problem, dass immer weniger Erwachsene Hörspiele hören und die Produktionskosten hoch sind, wodran auch der wachsende Hörbuch-Markt nicht ganz unschuldig ist. Rechtsstreitigkeiten sind auch nicht gerade die beste Werbung für Hörspiele.

NDR-Abendjournal über Hörspiele

Im NDR-Abendjournal ging es am Wochenende über Hörspiele, wie der Titel ‚Die Drei‘ und andere Fragezeichen schon vermuten lässt, geht es auch über Die drei ???. Die 40minütige Sendung gibt es als Podcast zum Download beim NDR (der Podcast wird also nur begrenzt online sein).

Eine interessante Sendung, auch wenn ich den Teil, in dem es über die NDR-Hörspiele geht, ein bisschen zu sehr Lobhudelei finde. Beeindruckend jedoch die Synchronsprecher, die teils ich noch nicht kannte (z.B. „Schlaubi-Schlumpf“ Helmut Zierl oder „Spongebob“ Santiago Ziesmer). Die Aufnahmen der drei ??? betreffen die neueste Folge „Grusel auf Campbell-Castle“ (die ich übrigens empfehlen kann, endlich mal wieder eine tolle Rätsel-Folge!) sowie das im August kommende Special „House Of Horros“.

Wahre ???-Fans haben natürlich auch erkannt, dass am Anfang und am Ende des Podcasts Holger Mahlich aka „Inspektor Cotta“ den Podcast-Claim spricht. ;-)