Twitter: Wikipedia-Edits von Regierungen, Firmen etc.

Vor ein paar Tagen habe ich schon über @bundesedit berichtet. Wie der Initiator von @bundesedit im Interview bei Trackback sagt, geht es weniger um die Änderungen selbst, da sie oftmals nur Rechtschreibfehler sind. Vielmehr soll damit demonstriert werden, dass nicht nur der Staat uns beobachtet, sondern auch wir die Aktivitäten des Staates beobachten.

Es gibt aber noch viele weitere Twitter-Accounts, die Wikipedia-Edits (= Änderungen in Wikipedia-Artikeln) von Behörden und Regierungen beobachten. Das wird meistens über ein Script gemacht, mit dem man einfach die IP-Adressen der Parlamente füttert. Wikipedia-Accounts von Mitarbeitern hingegen werden nicht erfasst, da diese meistens nicht bekannt sind. Auch über Proxys kann man die „Überwachung“ natürlich umgehen.

Ich habe die Accounts mal in einer Twitterliste gesammelt und unten nochmal sortiert aufgelistet. Ergänzungen gerne in die Kommentare. Beim Durchsehen ist mir aufgefallen, dass einige Accounts erst seit wenigen Tagen existieren und noch keine Einträge haben, da muss man mal in ein paar Monaten sehen, was daraus geworden ist.
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Die (De-)Motivation bei Wikipedia

Die Wikipedia hält gerade eine Konferenz in Haifa (Israel) ab, die „Wikimania 2011“. In dem Bericht von Heise heißt es:

Die Konferenz steht unter dem Eindruck der Berichte zu einer international nachlassenden Nutzerbeteiligung bei der freien Online-Enzyklopädie. […]

„Wir haben in den vergangenen Monaten große Forschungsanstrengungen unternommen, um mehr über die Motivation und über die Formen der Mitarbeit zu erfahren“, erklärte Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner am Donnerstag zur Eröffnung der Konferenz. Die erklärten Ziele von Wikimedia sind die Steigerung der Artikelanzahl und die Anzahl der Mitarbeiter.

Soso, geforscht. Vielleicht hätten die einfach mal mich gefragt, denn ich habe einige Gründe für die Demotivation bei Wikipedia.

Da ist natürlich erstmal für neue Artikel das bekannte Relevanz-Problem: Wenn das Thema einem Wikipedia-Admin fremd ist, hält er es für unrelevant und da die Relevanzkriterien enorm hoch sind, werden die meisten Artikel dann auch gelöscht. Ich würde sagen: Relevanz ist relativ. Relevanz ergibt sich nicht aus Kriterien, die Jahre alt sind. Relevanz ergibt sich aus aktuellen Geschehnissen, aus Zeit, aus Ereignissen. Ein Beispiel ist MOGIS. Statt der Selbstdarstellung wäre ein neutraler Wikipedia-Artikel besser, jedoch gibt es diesen nicht mehr. In der englischen Wikipedia hingegen scheint die Relevanz gegeben (ach nee!). Wer soll da Motivation haben, neue Artikel zu starten?

Ein weiteres Problem ist der Umgang in der Wikipedia. Und damit meine ich nicht den Umgangston, der ist in der Regel vollkommen okay. Nein, ich meine z.B. Copyright-Fetischisten, die fremde Bilder löschen lassen (auf dem Schulhof hätten wir auch „Petze!“ gerufen) oder Fotografen, welche die Verwendung ihrer CC-Bilder abmahnen, weil Nutzer die CC-Lizenz in den Artikeln nicht sehen. Und sowas nennt sich dann „freie Enzyklopädie“. Wer soll da Motivation haben, mitzumachen?

Und dann, als drittes Probleme, solche Sachen wie Wiki-Watch. Ich bin auch schon häufiger über Artikel gestolpert, die für mich manipuliert aussahen. Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter einer Firma ein Bild der Firmenzentrale einstellt und der gleiche Nutzer auch mehrfach an dem Artikel über die Firma rumbastelt, kann man die Neutralität wohl vergessen. Und das ist ja dann auch noch die offene Manipulation, die erkennbar ist. Auch Politiker-Artikel werden gerne mal manipuliert, indem der „Kritik“-Abschnitt rausgeworfen wird mit der Begründung, dass man bei lebenden Personen vorsichtig sein sollte mit Behauptungen. Das ist zwar richtig, aber wenn es einen Haufen Belege gibt, dann sehe ich keinen Grund, diesen Abschnitt zu entfernen. Doch erwischt man den Admin mit dem falschen Parteibuch, kann man das vergessen. Wer soll da noch Motivation haben, neutral mitzumachen?

Wenn die Wikipedia die Leute nun mehr motivieren will, sollte sie daran etwas ändern. Mein Wikipedia-Account beschränkt sich auch nahezu nur auf die Änderung/Ergänzung von bestehenden Artikeln. Getreu dem Motto „Ich gebe euch mein Wissen, macht damit was ihr wollt“ schaue ich auch nicht nach, ob das hinterher gelöscht wurde. Ebenso gucke ich auch nicht in der History nach, ob schon mal jemand „mein“ Wissen versucht hat, in den Artikel einzubringen – wenn es nicht drinsteht, schreibe ich es rein und im schlimmsten Fall wird es halt wieder gelöscht.

Für mehr reicht meine Motivation bei der Wikipedia dann nicht mehr.

Übrigens, noch zu „freies Wissen“: Es ist auch irgendwie demotivierend, dass man die Wikipedia-Inhalte nicht frei nutzen kann. Man muss nämlich immer die CC-Lizenz der Wikipedia einhalten, dabei sollte das Wissen wirklich frei sein. Genauso wie die Bilder, dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit Abmahnungen und dem ganzen Kram.