Twitter: Wikipedia-Edits von Regierungen, Firmen etc.

Vor ein paar Tagen habe ich schon über @bundesedit berichtet. Wie der Initiator von @bundesedit im Interview bei Trackback sagt, geht es weniger um die Änderungen selbst, da sie oftmals nur Rechtschreibfehler sind. Vielmehr soll damit demonstriert werden, dass nicht nur der Staat uns beobachtet, sondern auch wir die Aktivitäten des Staates beobachten.

Es gibt aber noch viele weitere Twitter-Accounts, die Wikipedia-Edits (= Änderungen in Wikipedia-Artikeln) von Behörden und Regierungen beobachten. Das wird meistens über ein Script gemacht, mit dem man einfach die IP-Adressen der Parlamente füttert. Wikipedia-Accounts von Mitarbeitern hingegen werden nicht erfasst, da diese meistens nicht bekannt sind. Auch über Proxys kann man die „Überwachung“ natürlich umgehen.

Ich habe die Accounts mal in einer Twitterliste gesammelt und unten nochmal sortiert aufgelistet. Ergänzungen gerne in die Kommentare. Beim Durchsehen ist mir aufgefallen, dass einige Accounts erst seit wenigen Tagen existieren und noch keine Einträge haben, da muss man mal in ein paar Monaten sehen, was daraus geworden ist.
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Weltenbummler

„Morgen bin ich hier weg“, sagt der Mann in der U-Bahn. Ich schätze ihn auf um die 50 Jahre, in der Hand hält er die Leine seines ausgewachsenen Hundes. Ihm gefalle es in Deutschland nicht, er will weiterreisen. Die beiden Frauen, die sich gerade zu ihm gesetzt haben und mit ihm ins Gespräch kamen, schauen ihn verwundert an.

„Ich habe schon überall gelebt. In Italien, Frankreich, immer hat es mich weitergezogen.“ Er betont, er habe „nicht Urlaub gemacht“, sondern immer mehrere Jahre in dem jeweiligen Land gelebt. „Sechs Sprachen kann ich fließend sprechen, damit kann ich mich auf der ganzen Welt verständigen.“ Die Frauen nicken und eine sagt, dass sie auch fließend Englisch sprechen kann.

„Nee, mit Englisch kommen Sie in Frankreich aber nicht weit. Und in Italien auch nicht, das ist dort überall nicht so eine Weltsprache wie bei uns.“ Wenn man dort Englisch sprechen würde, bekomme man von den Leuten nur Achselzucken als Antwort, erklärt er. Die andere Frau stimmt ihm zu, sie war auch schon länger in Italien und kann etwas italienisch. Daraufhin gibt er einen italienischen Satz zum Besten.
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Italien spricht sich gegen Atomkraft aus [UPDATE]

Nach der Schweiz will nun auch Italien aus der Atomkraft aussteigen. Die Italiener hatten eine Volksabstimmung darüber und nach derzeitigen Hochrechnungen haben sich über 50% gegen die Atommafia gestellt.

Sehr interessant ist dabei, dass Berlusconi durch seine Macht bei den Staatsmedien versucht hat, dass möglichst niemand von dieser Volksabstimmung überhaupt mitbekommt:

Zwar war die Zeit zur Mobilisierung der Stimmberechtigten kurz wie selten. Und auf Geheiß des regierenden Medienzaren war im wichtigsten Informationsmedium des Landes so gut wie nichts vom Referendum zu sehen. Berlusconi gehören die drei führenden privaten Fernsehstationen und qua Amt hat er großen Einfluss auf die staatlichen TV-Programme.

Aber überall im Land engagierten sich Studenten und Bürger, Liedermacher und Priester. Am römischen Kolosseum, an den Türmen von Bologna, den Brücken in Venedig hingen Plakate. Neun Stunden musizierten und aktivierten populäre Musiker Tausende zumeist junger Menschen auf der römischen „Piazza del Popolo“ ebenso wie in Bologna und Mailand. Pizzabäcker boten ihre Produkte denen gratis an, die mit einem „Ich habe abgestimmt“-Beleg vorbei kamen. Kleinstadtprediger und Kardinäle, selbst der Papst, meldeten sich mehr oder weniger dezent zu Wort. Das alles gab es in Italien lange nicht.

Zum Glück ist das in Deutschland nicht so einfach mit dem Machteinfluss auf die öffentlich-rechtlichen Sender.

Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Worte von Merkel und Co. vor dem Moratorium, dass wir nicht aus der Atomkraft aussteigen können, weil alle anderen Atomkraft voll super finden? Das sieht man ja an der Schweiz und an Italien, wie toll die Leute da die Atomkraft finden. Es sei auch nochmal auf die Österreicher verwiesen.

UPDATE: Der SPIEGEL hat das leider etwas ungenau geschrieben gehabt: 57 Prozent der Italiener sind zum Volksentscheid gegangen und haben mit 94,6 Prozent für den Atomausstieg gestimmt (Quelle).