Grüne Deep Packet Inspection

Falls hier irgendjemand den Grünen ihre „Wir sind besser als die Piraten“-Parole abgekauft hat: Grünen-Sachverständige fordern bei der Internetenquete Deep-Packet-Inspection. Wobei ich mich frage, wie die Grünen auf die Idee kommen, jemanden vom Bundesverband Musikindustrie und von Warner Brothers einzuladen. Ich meine, von denen erwartet man doch nichts anderes als die Forderung nach einem Überwachungsstaat, um jeden noch so kleinen Download abzumahnen und damit mehr zu verdienen als sie es bei ihren DRM-Angeboten tun.

GEMA & YouTube: Schlichtung zu spät

Johnny Haeusler von Spreeblick möchte, dass sich GEMA und YouTube endlich wieder lieb haben und fordert, dass beide Parteien aufeinander zu gehen sollen. Dabei hat er nicht beachtet, dass die GEMA eine Musterklage gegen YouTube anstrengt, das Verfahren läuft noch. Da wird also ohnehin nur noch über die Anwälte kommuniziert, eine Schlichtung kommt da einfach zu spät.

Die GEMA müsste also erstmal die Musterklage zurücknehmen, damit man sich überhaupt entspannt an einen Tisch setzen kann. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die GEMA das macht, auch wenn ich mir ebenso wie Johnny eine Lösung wünsche.

Derzeit macht die GEMA mit der Klage alle unzufrieden: Google/YouTube, die Internetnutzer, die Major-Labels und auch die eigenen GEMA-Mitglieder, die derzeit statt wenig Geld gar kein Geld von YouTube kriegen.

Vielleicht sollten die GEMA-Mitglieder da mal rebellieren, und zwar nicht nur ein paar, sondern im besten Fall mindestens 50% aller GEMA-Mitglieder. Doch auch das ist ziemlich unwahrscheinlich, denn wenn die GEMA gegen YouTube gewinnen sollte, darf Google kräftig nachzahlen, was wohl vielen GEMA-Mitgliedern zu Gute kommen würde.

Unter dem Strich kann man sagen: Die Situation ist aussichtsslos und eine Schlichtung ist definitiv zu spät. Das hätte vor dem Rechtsstreit passieren müssen.

Jan Delay über Abmahnungen – Teil 2

Kaum wurde das Statement von Jan Delay über Abmahnungen im Netz rumgereicht, kommt Delay mit einem zweiten Statement daher. Dabei relativiert wer seine Meinung und gibt zu, dass er selbst auch Abmahngebühren bekommen hat:

ich rufe nicht dazu auf grundsätzlich musik zu klauen! ich rufe dazu auf, sich nicht beim saugen von schlechter – oder ohne herzblut gemachter musik erwischen zu lassen! und ich rufe dazu auf, künstler die man für gut befindet zu supporten indem man ihre musik kauft!
des weiteren hat universal mich darauf hingewiesen, daß bei meiner letzten abrechnung auch ein nicht gerad geringer betrag aus solcherlei erlösen stammte.. peinlich ;-).. das habe ich nicht gewusst! ein sorry dann auch an universal! dieses ekelige kriegsgewinnler geld will ich aber gar nicht haben! ich werde das komplett spenden, auch in zukunft! und es ändert nichts daran, daß ich diese art von geschäftemacherei um die einbrechenden umsätze zu kompensieren ein unding finde!

Das ist in der Tat peinlich. Vorallem, weil somit schonmal das Argument wegfällt, dass die Künstler von dem durch Abmahnungen eingenommenen Geld „nix“ sehen. Das er seinen Anteil des Abmahngeldes spenden will, finde ich eine gute Sache. (Ich erwarte dann aber auch, dass er das bald mal irgendwie beweist.)
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Big Three statt Big Four

EMI geht es seit einigen Jahren nicht mehr gut, obwohl eine Menge bekannte Künstler bei EMI sind. 2008 schrieb die L.A. Times, dass nahezu 9 von 10 EMI-Künstlern unprofitabel seien. Anfang dieses Jahres übernahm die Citigroup das Label, im Raum stand ein Verkauf an Warner Music. Nun ist bekannt: EMI soll zwischen Sony Music und Universal Music aufgeteilt werden. Nun sind es nur noch Big Three statt Big Four.

Funfact an der Geschichte: EMI hatte in der Vergangenheit schon mehrmals Pläne, Warner Music zu übernehmen um an Universal vorbeizuziehen und sich an Sony anzurücken. Nun wird EMI ausgerechnet von diesen Erzfeinden übernommen.

Als Musiknutzer kann einem das egal sein, woher die Musik kommt. Wo die Künstler sind, das ist für den Musikkonsum meistens nebensächlich. Für den Musikmarkt ist es jedoch eine denkbar schlechte Entwicklung: Bei nur noch drei Major-Labels herrscht wenig Konkurrenz. Alle drei Major-Labels werden die Entwicklung der Musikindustrie massiv beeinflussen, was an sich normal ist, aber bei so wenigen Marktführern schlechte Auswirkungen haben kann.

So waren es weder Warner Music, noch Sony Music oder Universal Music, sondern eben EMI im April 2007, die verkündeten, dass ihre Tracks auf iTunes ohne DRM und in höherer Qualität verfügbar sein werden. Erst danach haben die anderen Labels mitgezogen und natürlich ist dies auch auf anderen Downloadplattformen geschehen.

Ich bezweifele, dass Sony und Universal „ordentlich“ mit dem Online-Markt umgehen können, auch wenn man ihnen zugute halten kann, dass sie schon kritisch über die GEMA-YouTube-Geschichte geäußert haben. Erst neulich lief mir wieder ein Fall der falschen Preispolitik über den Weg. Der in dem Fall genannte Amazon-Preis ist übrigens mittlerweile angepasst und der Download genauso teuer wie die CD – obwohl beim Download eine Menge gespart wird (keine Lieferkosten zwischen Presswerk und Amazon, keine Plastikhülle, keine Presswerkkosten etc.).

Die Musiklabels verhalten sich wie die Buchverlage im E-Book-Markt: Vollkommen falsch. Langfristig werden sie den Online-Vertrieb somit an die Wand fahren und sich lieber über „Raubkopierer“ echauffieren, anstatt sich mal an die eigene Nase zu fassen und ein ordentliches Angebot zu schaffen. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass das auch mit dem profitablen Abmahngeschäft zusammenhängen könnte.

Wahrscheinlich wird es immer ein Traum bleiben, dass ein innovativer Publisher an der Spitze steht und einen guten Kurs vorgibt oder dass es soviel Konkurrenz gibt, dass die Musiklabels von alleine einen guten Kurs einschlagen müssen. Dafür müssten wahrscheinlich erstmal alle jetzigen Major-Labels aussterben. So gesehen hat der EMI-Ausverkauf dann doch wieder etwas Gutes.