Panorama über Shitstorms

Haha, Panorama hat einen Beitrag über Shitstorms gemacht. Nach der Anmoderation beginnt die Off-Sprecherin den Beitrag mit folgenden Worten:

Der Groll der Internet-Community und Hassattacken gehören zum Alltag vieler Politiker. Sobald ein Abgeordneter meinungsstark Stellung bezieht, droht ein virtueller Vernichtungsfeldzug, der sogenannte “Shitstorm”: Eine schnelle Welle von Beleidigungen im Netz, nicht ohne Wirkung.

Ein virtueller Vernichtungsfeldzug! Ich komme aus dem facepalmen nicht mehr raus.

Die interviewten Politiker machen den Beitrag nicht besser, ein großes Mimimi um ihren Kontrollverlust. Eine Ausnahme ist Volker Beck, der es bedauert, dass bei einem Shitstorm die wenigen Leute “die eine Antwort verdient haben” untergehen. Solche Leute werden sich aber auch eher sachlich und zu einem späteren Zeitpunkt melden.

(via)

Doku: Die Paketsklaven

Nehmt euch mal 44 Minuten Zeit und guckt euch diese Doku an: Ein Journalist hat sich in guter alter Wallraf-Manier undercover bei einem Subunternehmen von DHL eingeschleust um mal zu gucken, wie da die Arbeitsbedingungen sind.

Die Subunternehmer bei DHL sind natürlich nur ein Beispiel, schließlich haben auch andere Logistikunternehmen Subunternehmer. Ziemlich viele sogar, wie Wolfgang Abel von ver.di Hamburg in der Doku an Zahlen zeigt:
- Hermes, DPD, GLS = 100% Subunternehmer
- UPS = 30% Subunternehmer
- DHL = 10% Subunternehmer

Diejenigen, die direkt bei DHL bzw. UPS angestellt sind, haben weitaus bessere Arbeitsbedingungen und werden nach Tarifen bezahlt. Insofern ist DHL also noch der bessere Paketdienst unter allen, weil dort die wenigsten Subunternehmer arbeiten – bislang jedenfalls.

Wie die Bedingungen derjenigen ist, die bei der Deutschen Post direkt angestellt sind und bei DHL fahren, kann man sich in den Ferngesprächen IX bei WRINT anhören. Dort erzählt ein Anrufer am Anfang von seiner derzeitigen Ausbildung bei DHL.

Ich werde zukünftig auch weiterhin DHL bevorzugen. Und ich werde mal gucken, was auf der Jacke unseres DHL-Botes steht. Hoffentlich nicht das böse Wort “Servicepartner”.

Interviews: Eigener Mitschnitt hilft

Zu meinem Artikel über den NDR und die Piraten hat Burkhard “Burks” Schröder, der ja selbst auch einiges hinter sich hat, mir eine E-Mail und auch einen Blogeintrag geschrieben, dass man bei Interviews am Besten selbst einen Mitschnitt anfertigt, damit man sein eigenes Rohmaterial hat. :-)

Ich glaube, die Piraten waren einfach der Meinung, dass sowas bei einem seriösen Sender wie dem NDR nicht nötig ist, deswegen haben sie ja wohl auch auf die Freigabe verzichtet. Ich persönlich hätte den öffentlich-rechtlichen Sendern wohl auch vertraut, beim Privatfernsehen ist das ja nochmal etwas anderes.

Trotzdem danke Burks, die Idee mit dem Gegenmitschnitt ist natürlich eine gute Sache, damit man sein eigenes Rohmaterial hat, welches man in solchen dreisten Fällen auch sicherlich veröffentlichen kann.

NDR führt Piratenpartei vor

Der NDR hat einen Bericht über die Piratenpartei in Bremen gemacht und sie dabei auf ekligste Weise vorgeführt. Hier kann man ihn sich in der NDR-Mediathek ansehen. Was man sieht, sind einige Piraten-Mitglieder in einem Kellerraum, provisorisch sind Piraten-Flaggen im Hintergrund aufgehängt die die Kellerwand verdecken und zu Fragen haben sie keine wirklichen Antworten. Der Beitrag wirkt, als sei er aus Outtakes zusammengeschnitten, so wird zum Beispiel gezeigt, wie einer vor dem Interview nochmal einen Schluck trinken muss.

Das ist Qualitätsjournalismus auf BILD- und RTL-Niveau, unglaublich, dass der NDR dies ausgestrahlt hat.

Von einem der Piraten gibt es eine Stellungnahme im NDR-Forum:

Damen und Herren des NDR,
sehr geehrte Leser (geschlechtsneutral),

vorab sei gesagt, daß dies hier meine private, persönliche Meinung als Mitglied der Piratenpartei Bremen darstellt und nicht die Meinung der Piratenpartei Bremen ist.

Am Montag, 10.10.2011 durften wir Piraten in Bremen ein Team von Ihnen in unserer Geschäftsstelle begrüßen.

Sie waren freundlich, nett, haben viele Fragen gestellt und auch viele freundliche Antworten erhalten. Sie wurden höflich behandelt und selbst nachdem wir den Stammtisch eigentlich schon beenden wollten haben wir uns noch ein paar Themen gesucht über die wir sprachen, damit das TV-Team noch etwas mehr Bild- und Tonmaterial bekommt.

Die Interviews wurden auf Bitte Ihres Teams in unserem Materialkeller geführt, da dort mehr Ruhe war als in der anspruchsvoll gestalteten Geschäftsstelle selbst, wo sich zum Zeitpunkt des Eintreffens noch ca. 30 Personen aufhielten und es unten ruhiger war. Es wurden noch Flaggen aufgehangen um etwas anderes im Hintergrund zu haben als die nackte Wand, der Kameramann hat, zumindest bei einem Blick von mir durch den Sucher, auch schön auf Portrait gezoomt, sodass ausschliesslich der Oberkörper und Kopf vor den Flaggen zu sehen war.

Mitglieder des Vorstandes wurden über einen längeren Zeitraum interviewed, es gab einige Fragen von Ihnen und viele Antworten von uns – zu jedem Thema.

Die Bitte, ob wir die Rohdaten der Sendung erhalten könnten wurde von Ihrer Reporterin negativ beschieden, jedoch können wir gerne einen Mitschnitt der Sendung selbst erhalten.

So weit, so gut.

Ich habe mir Ihre Ausstrahlung am gestrigen Abend angesehen. Was Sie aus dem vorhandenen Material, welches über 1,5 Stunden beinhalten dürfte, in die 2:42 Minuten geschnitten haben ist in meinen Augen eine Respektlosigkeit sondergleichen, meine Enttäuschung über Ihren Sender, welchen ich bislang als seriös eingestuft habe, ist kaum in Worte zu fassen.

Zu etwaigen Kritikpunkten über uns:
Richtig ist, daß wir keine Medienprofis sind. Noch nicht.

Richtig ist auch, daß wir alle, ausnahmslos alle, die Tätigkeiten bei der Piratenpartei ehrenamtlich ausüben.
Ebenfalls korrekt ist, daß wir nicht spontan direkt über jeden Punkt in unserem sehr umfangreichen Programm Auskunft geben können, wollen und werden.

Richtig ist ebenfalls, daß wir Fehler gemacht haben: keine Fragen bei Ihnen eingefordert, nicht selbst den Ort der Interviews vorgegeben, nicht die Sendung vor Ausstrahlung geprüft und die Ausstrahlung ggf. untersagt.

Nun zur Kritik an Ihnen:
Richtig ist, daß wir keine Informationen vorab hatten, welche Fragen gestellt werden. Eine Sache, welche die Höflichkeit gegenüber dem Gesprächspartner im Regelfall gebietet und von Ihnen (wissentlich und absichtlich?) ignoriert wurde. Danke dafür.

Richtig ist ebenfalls, daß wir nicht darauf bestanden haben, die Interviews in unseren Geschäftsräumen zu führen, sondern aus Höflichkeit Ihrem Team gegenüber der Bitte Ihres Teams entsprochen haben, diese im Keller zu führen, da es dort ruhiger ist. Dies wurde von Ihnen respektlos und unhöflich negativ ausgeschlachtet. Seriös ist das nicht.

Ihr Team bat um mehr Zeit und Unterstützung für weiteres Bild- und Tonmaterial. Wir haben uns, obwohl wir den Stammtisch ansich für den Abend beenden wollten, erneut zusamengesetzt und über weitere Themen unterhalten. Welche genau dürften Sie sehr gut wissen – es sei denn es haben unfähige Praktikanten diesen Beitrag zusammengestellt, geschnitten und die Redaktion gepennt. Unfähig, ehrlos, respektlos, unhöflich, unseriös.

Unglaublich, daß soetwas vom NDR kommt, bei gewissen privaten Sendern kann man mit soetwas rechnen, selbst von Amateuren bin ich jedoch besseres gewohnt. Ihr Beitrag strotzt vor Unhöflichkeit und unseriösem inkompetentem Journalismus.

Wir haben Ihr Team freundlich und höflich behandelt und so wird es gedankt? Ein Fehler, der mir persönlich sicher nicht erneut unterlaufen wird.

Zugegeben, ich bin einfacher Pirat und auch ganz zufrieden damit. Die Entscheidung über weitere Maßnahmen zu diesem Faux-Pas des Journalismus steht anderen zu. Für mich kann ich nur sagen, daß ich den NDR zukünftig meiden werde.

Gez.

Jonathan Maurer
Mitglied der Piratenpartei Bremen

Das sitzt. Nachdem noch einige weitere Gäste kommentiert hatten, auch nicht-Piraten, hat sich die NDR-Redaktion zu einer Stellungnahme hinreißen lassen:

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

unser Satire-Beitrag über die Bremer Piratenpartei ist auf reges Interesse gestoßen, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Wir möchten daher zu einigen Kritikpunkten gerne kurz Stellung nehmen:

1. Wir sind von den Bremer Piraten zu einem verabredeten Interviewtermin empfangen worden. Die Atmosphäre war beiderseitig offen, freundlich und angenehm. Allen Beteiligten war zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass und wann die Kamera läuft und dass es sich um ein Fernsehinterview handelt.

2. Die gewählten Räumlichkeiten waren die einzigen, die sich vor Ort für Einzelinterviews anboten. Das Ladenlokal der Piraten war – auch nach deren eigener Einschätzung – zu klein und zu laut, um dort ein vernünftiges Interview zu führen. Die Dekoration des Interview-Hintergrunds wurde nicht von unseren Reportern gestaltet.

3 Es wurden zahlreiche politische Themen angesprochen. Die Fragen wurden offen gestellt. Alle Befragten hatten die Möglichkeit konkrete Antworten zu ihren politischen Einstellungen und Zielen zu geben. Bei einigen Themen konnten die Piraten keine oder ausweichende Antworten geben. Die Gestaltung des Beitrags ergab sich aus diesen Beobachtungen.
Selbstverständlich ist uns bewusst, dass es sich bei vielen Mitgliedern der Piraten-Partei um keine Politprofis handelt. In ihrer diesbezüglichen Offenheit und Transparenz sind sie charmant und sehr sympathisch. Aus Sicht des NDR ist das aber kein Grund, mit Vertretern der Piraten-Partei anders umzugehen als mit anderen Politikern. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Umfragen und der steigenden Bedeutung der Partei ist es geboten, der Piraten-Partei Fragen zu wichtigen politischen Themen zu stellen.

4. Es war keinesfalls unsere Absicht, Menschen persönlich zu diskreditieren. Wir werden auch weiterhin sowohl aufgeschlossen als auch kritisch über die Piraten berichten und freuen uns über jede rege, faire und sachliche Diskussion.

Die Redaktion von Menschen und Schlagzeilen

Nun, das kennt man ja schon vom ZDF: Wenn es kritisch wird, schnell den Satire-Stempel draufsetzen. Dass der Beitrag Satire sein soll, geht aus der Anmoderation und aus dem Beitrag selbst jedoch keineswegs hervor.

Der Holgi hatte schonmal gesagt (ich glaube es war in NSFW036), dass die Medien Angst vor den Piraten kriegen werden und nicht glücklich sind, weil die Piraten ja zum Beispiel gegen das Leistungsschutzrecht sind und ein neues Urheberrecht wollen, die Medien wollen sich ihre Macht aber nicht nehmen lassen und lieber die alten Strukturen beibehalten.

Ich glaube, der NDR hat jetzt gut unter Beweis gestellt, dass diese Sorge nicht unberechtigt ist, sonst wäre dieser subjektive Beitrag nicht über den Sender gegangen. Die Piraten können sich also in einer gewissen Weise geehrt fühlen, dass die Medien schon so sehr Angst haben, dass sie nur mit Demontage-Versuchen reagieren können.

Übrigens gab es kurzzeitig schon eine schwarze Liste, die aber wieder gelöscht wurde. Dabei wäre das für die Piraten glaube ich sehr gut, wenn die solchen Journalisten *hüstel* absagen. Objektive Berichterstattung, auch über negative Dinge, ist ja okay, aber solchen Ekeljournalismus sollte man wirklich meiden.

Auch ein Glückwunsch an die NDR-Redaktion, denn jetzt werden die Piraten sicherlich auch eine Freigabe vor Ausstrahlung fordern, was sie bislang wohl nicht gefordert hatten. Ein Bärendienst für den Journalismus, der sich über Freigaben beschwert, aber gleichzeitig zeigt, dass ohne wohl auch nicht geht.