ORF darf keine Facebook-Seiten betreiben

Die öffentlich-rechtlichen Sender in Österreich dürfen keine Facebook-Seiten betreiben. Die sind ja noch ärmer dran als unsere öffentlich-rechtlichen Sender, dagegen ist der App-Streit ja ein Witz. Wenigstens gibt sich der ORF nicht geschlagen und will das jetzt höchstrichterlich entscheiden lassen. FM4 (der Jugendsender vom ORF) hat die Facebook-Page einfach einer Gruppe von Fans übergeben.

UPDATE: Ö3 fährt eine ähnliche Tour, die Seite bleibt bestehen aber die Redaktion darf nur noch lesen, das Posten sollen die Fans übernehmen.

Zeitungsverleger als ORF-Killer

Ihr werdet es mitbekommen haben: Beim ORF scheint das Angebot radikaler gekürzt werden als bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland.

Das ist echt krass:

  • Berichte dürfen maximal 7 Tage abrufbar sein.
  • Keine „vertiefenden“ Angebote, z.B. Futurezone.
  • Das ORF darf nicht mit Tageszeitungen vergleichbar sein.
  • Kein Nachrichtenarchiv.
  • Maximal 10(!) Meldungen in den Bundesländer-Rubriken.
  • Foren/Chats/Kommentare können nur noch mit GIS-Zuweisung (österreichische GEZ) genutzt werden.

Das bedeutet also, dass das ORF kaum noch Lokalmeldungen bringen wird, schlechter als jede Tageszeitung ist und die Berichte nach 7 Tagen weg sind.

Ich glaube, diejenigen, die das ausgeheckt haben, wollen bewusst die Öffentlich-Rechtlichen in Österreich killen. Das ORF ist in Österreich sowas wie bei uns die ARD und in der Schweiz das SF: Die größte öffentlich-rechtliche Medienanstalt des Landes. Ausgeheckt hat das der „Verband Österreichischer Zeitungen“, kurz VÖZ. Dieser will nun das Angebot von ORF per Gesetz einschränken lassen.

Dahinter kann nur eines stecken: Profit. Die Futurezone zum Beispiel ist in Österreich etwa eine Art kleiner Heise, nur halt öffentlich-rechtlich statt eigener Verlag. Kein anderes österreichisches Nachrichtenblatt hat ein ähnlich populäres Angebot über Internet-Neuigkeiten, welches auch über der Landesgrenze hinaus bekannt und nicht unbedeutend ist. Also bleibt nur eins: Verbieten, damit die anderen Verlage nicht schlecht dastehen und dem ORF eine Art Mini-Monopol geraubt wird.

Das ORF ist aber in keinstem Fall traurig, im Gegenteil: Das ORF ist glücklich. Nicht wegen den Einschränkungen sondern vielmehr, weil sie nun ganze 4% der GIZ-Einnahmen (wie in Deutschland die GEZ) erhalten, vorher waren es „nur“ 2%.

In dem Zusammenhang ist der Zwang, das sich die Leute mit ihrer GIS-Teilnehmernummer anmelden müssen um künftig Kommentare zu schreiben, sehr interessant. Zusammen mit der IP-Adresse lässt sich dann überprüfen, ob die Kommentatoren dort auch GIS gezahlt haben oder nicht – und somit kann das Maximum an Profit herausgeholt werden. Ähnliche Vorwürfe kursieren schon über das offizielle GEZ-Forum.

Wenn am Freitag das Gesetz durch das österreichische Parlament beschlossen wird, dürfte die Futurezone Geschichte sein und bald abgeschaltet werden. Doch nicht nur die Futurezone ist Geschichte, das gesamte ORF verschwindet – zumindest die derzeitige Qualität, denn diese kann man unter den im „ORF-Gesetz“ festgelegten Einschränkungen nicht erwarten.

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