Rechtsstreit bei Folgenreich

Als Fan der „Die drei ???“ habe ich miterlebt, wie schnell eine Hörspiel-Serie gestoppt und ein Krieg zwischen zwei Rechteinhabern geführt wird. Damals ging es zwischen dem Hörspiellabel EUROPA (gehört zu Sony Music) und dem Kosmos-Verlag um die Urheberrechte der erfolgreichen Buch- und Hörspiel-Serie. Mit einstweiligen Verfügungen wurden ein paar Hörspiele und ein paar Bücher von der jeweiligen Gegen-Partei untersagt, am Ende einigten sich beide Parteien außergerichtlich.

Nun scheint es wieder eine Auseinandersetzung zu geben, diesmal zwischen dem Hörspiellabel Folgenreich (gehört zu Universal Music) und der Produktionsfirma Decision Products, die u.a. die Hörspielserien Gabriel Burns und Point Whitmark produzieren. Point Whitmark erscheint seit Juli unter Eigenregie und wird durch Sony Music vertrieben. Gabriel Burns hingegen ist noch auf dem Abstellgleis, wie Produzent und Regisseur Volker Sassenberg bei Experiment Stille erzählt. Es handelt sich bei dem Rechtsstreit zwischen Folgenreich und Decision Products jedoch nicht um Urheberrechte, sondern laut Sassenberg um Vertragsprobleme:

Folgenreich (Universal Music) hat den Gabriel Burns-Vertrag unserer Meinung nach nicht fristgemäß verlängert. Nach unserer Auffassung ist der Vertrag ausgelaufen. Darüber hinaus sind wir aufgrund vieler anderer vorgetragener Tatsachen im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzungen der Meinung, dass es zu keiner weiteren Gabriel Burns-Veröffentlichung durch Folgenreich kommen wird.

Folgenreich will sich dazu nicht öffentlich äußern, was sie bei Point Whitmark auch nicht getan haben. Da muss man EUROPA und Kosmos schon lassen, dass diese über den Rechtsstreit und ihre Positionen informiert haben.

Tjoar und nun herrscht Pause bei Gabriel Burns, weil die Mühlen der Behörden bekannterweise langsam arbeiten und vor der Klärung keine neuen Folgen erscheinen können. Wahrscheinlich werden diese dann, so wie Point Whitmark, bald von Decision Products veröffentlicht und von Sony Music vertrieben werden. Aber das kann noch dauern.

Sassenberg kommt übrigens nicht darüber hinweg, auch nochmal in die Richtung der „Raubkopierer“ (sic!) zu schießen, als er eine Frage bezüglich Crowdfunding beantwortet:

[…] Crowdfunding ist eine Initiative, die letzten Endes auf den Enthusiasmus der wenigen beruht, die sowieso Enthusiasmus haben. Viel sinnvoller wäre es, wenn all diejenigen, die Hörspiele hören auch Hörspiele kaufen. Das würde völlig ausreichen, um die Produktionen zu finanzieren. Damit meine ich nicht nur unsere, sondern auch alle anderen. Die Raubkopiererei hat schlimme Ausmaße angenommen. Zudem gibt es keine Verhältnismäßigkeit in den Köpfen vieler Leute mehr. Einerseits wird für irgendwelches Junk Food bei McDonalds bereitwillig 13 Euro gezahlt, und auf der anderen Seite ist man dann nicht bereit, für die Monate lange Arbeit an einer Hörspielproduktion 6,99 Euro zu investieren. Wenn keine Hörer mehr CDs kaufen, wird es irgendwann keine CDs mehr geben.

Ich will das jetzt hier nicht in epischer Breite auseinanderpflücken, scheinbar sitzt Sassenberg da (leider) dem „Raubkopierer“-Klischee auf. Schade, denn wenn er sich wirklich mit Crowdfunding beschäftigt hat, sollte er auch mitbekommen haben, dass die Fans eines Produktes durchaus auch bereit ist, für dieses zu bezahlen. So ist es auch mit den „Raubkopierern“.

Die Erwachsenen-Hörspiel-Branche hat vielmehr das Problem, dass immer weniger Erwachsene Hörspiele hören und die Produktionskosten hoch sind, wodran auch der wachsende Hörbuch-Markt nicht ganz unschuldig ist. Rechtsstreitigkeiten sind auch nicht gerade die beste Werbung für Hörspiele.