Von wegen bezahlt

Maya Dähne schreibt bei ZDF heute in dem Artikel „Von wegen ausgebeutet – die neue „Generation Praktikum““ (Cache):

Die Zeiten, in denen Praktikanten als Gratis-Arbeitskräfte ausgebeutet wurden, sind vorbei. Die neue Generation Praktikum ist einer aktuellen Umfrage zufolge zufrieden mit ihrem Arbeitgeber. 94 Prozent der Praktika sind inzwischen bezahlt.

Eine fragwürdige Studie, die von der Plattform Absolventa und dem Beratungsunternehmen Clevis gemacht wurde. Leider findet man auf der Clevis-Website keine Referenzen, somit ist unklar, wie sehr Clevis da in einem Interessenskonflikt steht. Bei Absolventa zahlen Unternehmen für Stellenangebote und „Personalsuche“ – unabhängig kann man das nicht gerade nennen. Zudem scheint die Studie auch nicht online zugänglich zu sein.
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Unbezahlte Saisonkräfte

In den letzten Wochen haben sich alle darüber aufgeregt, dass Amazon ein Schlupfloch in unserem löchrigen Sozialgesetz nutzt, indem sie Arbeitslose für sechs Wochen lang als Saisonkräfte einstellen, davon zwei Wochen aber als Trainingsmaßnahme deklariert werden. Somit muss Amazon nur vier Wochen Lohn zahlen, weil die Leute in der Zeit der Trainingsmaßnahme vom Arbeitsamt bezahlt werden.

Und jetzt schaut euch mal diesen Tweet an:

Wg. der überraschenden Neuwahl im Saarland suchen wir noch eine Praktikantin/einen Praktikanten für Febr.-April. Mehr: bit.ly/ACxL45

Ich mag ja Abgeordnetenwatch und finde es klasse, was die dort machen. Aber wenn ihr euch die Stellenausschreibung anseht, dann lest ihr, dass sie einen Studenten in Hamburg suchen, der unentgeltlich eine 35-Stunden-Woche für 8-12 Wochen bei Abgeordnetenwatch absolviert. Das kann man also nicht mehr als Nebenjob bezeichnen.

Jetzt gibt es natürlich zwei Möglichkeiten: Die eine ist, dass Saisonkräfte, die (teilweise) nicht vom Unternehmen bezahlt werden, zum Standard gehören. Die andere ist, dass Abgeordnetenwatch noch viel böser als Amazon ist.

Klar, Abgeordnetenwatch ist nicht so gewinnorientiert wie Amazon, aber wenn bei Abgeordnetenwatch keiner mehr spendet würden die ihr Portal offline nehmen, insofern spielt dort Gewinn bzw. Kostendeckung auch eine nicht untergeordnete Rolle. Kann man ja auch nachvollziehen.