Tempora: Britischer Einschüchterungsversuch [UPDATE 3]

Der Lebensgefährte des Guardian-Journalisten Glenn Greenwald (welcher die Dokumente von Edward Snowden auswertet und öffentlich macht) wurde auf dem Flughafen in London festgehalten. Neun Stunden lang.

Neun Stunden ist die maximale Zeit, nach denen jemand am Flughafen auf Basis des Terrorism Act aus dem Jahre 2000 festgehalten werden kann. Die Höchstdauer ist eher ungewöhnlich. Laut dem Guardian werden 97% der nach diesem Gesetz untersuchten Durchreisenden nur bis zu einer Stunde verhört, nur jede 2000. Person wurde länger als sechs Stunden festgehalten.

Auch das gesamte technische Equipment – vom Handy bis zur Spielekonsole – haben sie beschlagnahmt. Das Gesetz wurde im Juli 2000 verabschiedet. Ein Jahr vor 9/11, als es keinen direkten Grund für Terrorismus-Gesetze gab. Dass die Briten nach den Tempora-Enthüllungen nicht gerade erfreut sind, ist logisch. Dass sie sich aber solche Blöße geben, hätte ich auch nicht gedacht.
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EMMA trollt Piraten

Kurze Durchsage: Die Piratenpartei macht jetzt das mit dem Boulevard statt Politik. Da hat das Alice-Schwarzer-Blatt EMMA es also erfolgreich geschafft, die Piraten mit einem Frauen-sind-dort-unerwünscht-Artikel zu trollen. Natürlich springen alle darauf an, es gipfelt sogar in einer EMMA-Verbrennung, von der man sich versucht zu distanzieren.

Liebe Piraten, könntet ihr jetzt mal alle gepflegt auf solchen Boulevard-Journalismus pfeiffen und euch mal wieder um die Politik kümmern? Spätestens seit dem Kachelmann-Prozess und Schwarzer’s Berichterstattung darüber solltet ihr wissen, dass auch die EMMA nur ein Boulevard-Blatt wie die BILD ist und Objektivität an der Garderobe abgegeben wird. Und hey, das ist eben auch Pressefreiheit, wenn die EMMA solchen Schwachsinn schreibt.

Was macht eigentlich der Staatstrojaner?

DRadio Wissen nimmt Yahoo!-Rant offline

Mario Sixtus, bekannt als „Elektrischer Reporter“, hat für Deutschlandradio Wissen einen Rant über Yahoo! und dessen Bilderdienst Flickr mit dem Titel „Der Todesstern des Internets“ eingesprochen. Das an sich ist nichts Spektakuläres, jedoch hat DRadio Wissen den Beitrag relativ schnell wieder offline genommen.

Und jetzt wird es interessant, denn Mario Sixtus schreibt:

Ich habe gerade mit Ralf Müller-Schmid, Redaktionsleiter von DRadio Wissen, telefoniert. Er hat veranlasst meinen Kommentar offline zu nehmen, da DRadio Wissen einen Großteil seiner unter Creative Commons stehenden Illustrationsfotos via Flickr bezieht. Herr Müller-Schmid erklärte, er wolle nicht Gefahr laufen, „Double Standards“ bezichtigt zu werden. Trotz eines längeren Telefonats kann ich seine Position nicht teilen, akzeptiere sie aber wohl oder übel.

Soso, Angst vor Doppelmoral-Vorwürfen. Ziemlich unglaubwürdig, wo doch jeder etwas zu meckern hat, wenn er Dienste nutzt. Wenn ich daran denke, wie Facebook-Nutzer über Spiele und schlechtes handling der Seite klagen oder Twitter-Nutzer immer wieder über den Fail-Whale erbost sind, die Dienste dennoch weiternutzen.

Bemerkenswert ist, dass man hierdran sieht, wie einfach die innere Schere in den „klassischen“ Medien funktioniert: Nur weil ein Dienst genutzt wird, darf er nicht kritisiert werden. Und sowas nennt man dann „Pressefreiheit“.

Wenigstens kann man den Beitrag drüben bei Mario Sixtus hören. Im Kern hat er durchaus recht, obwohl ich hier im Blog Flickr-Fotos nutze und die CC-Suche bei Flickr besser ist als bei Google, so ist Flickr alles andere als modern. Das trifft übrigens auch auf die Website von DRadio Wissen zu, welche ebenfalls aussieht als sei sie von 2005 und Flash statt HTML5 nutzt.

Maschmeyer vs. NDR

Da ist die „Panorama“-Redaktion mit ihrer Dokumentation „Der Drückerkönig und die Politik“ dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer scheinbar ziemlich auf den Schlips getreten, der fährt ein Großaufgebot an Anwälten, inklusive Abmahnungen an die Privatadressen der Reporter (die Papierflut-Methode).

Das ist wirklich unglaublich und ich hoffe, dass der NDR und die „Panorama“-Redaktion genug Rückgrat haben, dem Stand zu halten. Unsere deutschen Gesetze sollten eigentlich gut genug sein, dass die Dokumentation am Ende vollkommen legitim ist, falls es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt.

„Panorama“ hat übrigens schon einen weiteren Bericht über Maschmeyer ausgestrahlt: „Die Unschuld vom Maschsee“. Darin widerlegt Christoph Lütgert einzelne Aussagen von Maschmeyer’s Interview in der BILD, welches nach Ausstrahlung der Drückerkönig-Dokumentation gemacht wurde. In der Anmoderation sagt „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke:

Alles klar, Carsten Maschmeyer demonstriert seine Stärke. Er hat sehr viel Geld, ausgezeichnete Kontakte zu vielen Politikern, bekannten Persönlichkeiten und einigen Medien. Das könnte also schon einschüchtern, aber wissen Sie, im Anlegen mit mächtigen Personen hat „Panorama“ seit 50 Jahren Erfahrung.

Ich wünsche der „Panorama“-Redaktion viel Druchhaltevermögen, denn die Dokumentationen (nicht nur über Maschmeyer) sind sehr interessant und sehr wichtig für den investigativen Journalismus in Deutschland!