Liebe ist (wieder) für alle da

Im Oktober letzten Jahres stellte Ursula von der Leyen alias Zensursula einen Antrag an die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“. Es ging um das Album „Liebe ist für alle da“ von Rammstein – im November landete es auf dem Index.

Die Gründe für die Indexierung: Das Lied „Ich Tu Dir Weh“ würde gewaltverherrlichend sein, ein Artwork-Foto im Booklet des Albums sollte laut der Bundesprüfstelle S/M-Praktiken darstellen und der Track „Pussy“ würde zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr aufrufen. Das zu dem Zeitpunkt der Videoclip zu „Pussy“ unzensiert auf einer Internetseite zu Promotionzwecken schon monatelang abrufbar war hat weder Zensursula, noch die Bundesprüfstelle interessiert.

Das Label der Band, Universal Music, hatte damals eine Klage gegen die Indexierungs-Entscheidung eingelegt – und nun gewonnen. Die Richter des Kölner Verwaltungsgerichts nannten die Entscheidung der Bundesprüfstelle „offensichtlich rechtswidrig“:

„Die Bundesprüfstelle hat die verfassungsrechtlichen Vorgaben für die Indizierung eines der Kunst dienenden Werkes nicht in der gebotenen Weise beachtet“, kritisierte das Gericht. „Das Lied „Ich tu dir weh“ enthält gerade keine aus einschlägigen filmischen, fotografischen oder literarischen Medien bekannte, detaillierte Darstellung von wirklichkeitsnahen Gewaltexzessen.“ Die Gewaltelemente würden lediglich angedeutet und surreal übersteigert.

Seit dem 31. Mai, dem Tag an dem das Urteil verkündet wurde, ist das Album wieder vom Index gestrichen und darf wieder an Minderjährige verkauft werden. Durch die Indexierung herrschte ein stricktes Werbe- und Verkaufsverbot, das Album fand man nicht im herkömmlichen CD-Regal, lediglich an volljährige Personen durfte das Album gegen Ausweiskontrolle „unter der Ladentheke“ verkauft werden.

Doch nicht nur die Bundesprüfstelle hat hier gefailed. Insgeheim hat auch Zensursula gefailed, da sie den Antrag stellte. Und wenn man jetzt bedenkt, das sie zuerst noch als Bundespräsidenten-Kandidatin im Gespräch war, da kann man nur von Glück reden, das sie diese Chance letztendlich doch nicht gekriegt hat. Wer weiß, welche Verbotsgesetze sie alle zugelassen hätte (die nachträglich als „offensichtlich rechtswidrig“ erklärt worden wären)?

Shortlink zu diesem Artikel: http://guck.li/4