Twitter: Wikipedia-Edits von Regierungen, Firmen etc.

Vor ein paar Tagen habe ich schon über @bundesedit berichtet. Wie der Initiator von @bundesedit im Interview bei Trackback sagt, geht es weniger um die Änderungen selbst, da sie oftmals nur Rechtschreibfehler sind. Vielmehr soll damit demonstriert werden, dass nicht nur der Staat uns beobachtet, sondern auch wir die Aktivitäten des Staates beobachten.

Es gibt aber noch viele weitere Twitter-Accounts, die Wikipedia-Edits (= Änderungen in Wikipedia-Artikeln) von Behörden und Regierungen beobachten. Das wird meistens über ein Script gemacht, mit dem man einfach die IP-Adressen der Parlamente füttert. Wikipedia-Accounts von Mitarbeitern hingegen werden nicht erfasst, da diese meistens nicht bekannt sind. Auch über Proxys kann man die „Überwachung“ natürlich umgehen.

Ich habe die Accounts mal in einer Twitterliste gesammelt und unten nochmal sortiert aufgelistet. Ergänzungen gerne in die Kommentare. Beim Durchsehen ist mir aufgefallen, dass einige Accounts erst seit wenigen Tagen existieren und noch keine Einträge haben, da muss man mal in ein paar Monaten sehen, was daraus geworden ist.
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Neues zu den Vorwürfen gegen Assange

Der Guardian hatte „unautorisierten Zugang“ zu den Verhörprotokollen bei den Anschuldigungen gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange und berichtet darüber. Da hat sich also irgendjemand schmieren lassen und dem Guardian die Protokolle zugesteckt. Bei N-TV gibt es das auch auf deutsch. Die Zusammenfassung: Den Polizeiberichten zufolge soll Assange einmal sexuelle Nötigung und einmal Vergewaltigung bei den beiden Frauen begangen haben, also das, was eh schon bekannt war. Die SMS-Nachrichten soll es nicht gegeben haben – jedoch beachte man, dass es hier nur um die Verhörprotokolle geht. Wenn es die SMS-Nachrichten, in denen die beiden Frauen abgesprochen haben sollen dass sie das vor der Presse behaupten um Geld zu kriegen, geben sollte, so würden die sich wohl kaum selbst belasten (was wohl niemand machen würde).

Einen wahren Knüller gibt es von Fox News, bei denen ging eine Morddrohung gegen Assange direkt über den Sender:

In der Sendung „Follow the money“ sprach sich Beckel offen für die Beseitigung Assanges aus. „Wem schadet das: den amerikanischen Bürgern. Die Art und Weise, wie man mit dieser Situation umgehen sollte, ist simpel: Wir haben Spezialeinsatzkräfte – ein toter Mann kann keine Sachen veröffentlichen. Dieser Typ ist ein Verräter, ein Verräter, hat jedes Gesetz der USA gebrochen. Der Typ sollte… – und ich bin nicht für die Todesstrafe – ..so ich würde den Hurensohn (illegal) erschießen.“ Zuspruch erhielt Beckel von Analyst Bo Dietl und Kolummnist Joel Mowbray. „Dieser Typ muss weg“, so Dietl.

Die haben immernoch nicht kapiert, dass Assange nur ein Teil von WikiLeaks ist. Auch derzeit kann Assange nicht für WikiLeaks arbeiten (Knast, Hausarrest etc.) und dennoch werden weiter Cables veröffentlicht, weil weitaus mehr Leute als nur Assange hinter der Plattform stehen. Immerhin scheint somit der Blitzableiter-Effekt mit Assange zu funktionieren. Den TV-Ausschnitt gibt es auch auf YouTube.

Terror in Deutschland und Schweden

Schöner Tweet von @mplusk_:

Schweden: Keine Verschärfung von Gesetzen trotz Terroranschlag. Deutschland: Kein Terroranschlag trotzdem Verschärfung von Gesetzen. #kurios

So ist das: Hans-Peter Uhl fordert die „Visa-Warndatei“ (Terrorverdächtige werden auf jeden Fall als erstes zur Behörde laufen und ein Visum beantragen, was sonst?!? ;-) und Thomas de Maizière will BKA und Bundesgrenzschutz zusammenlegen, was selbst in den Behörden nicht gut ankommt.

Die Schweden wollen bislang gar nichts tun, lediglich die Polizeipräsenz wurde verstärkt. Keine Panikmache, keine Warnungen, keine Gesetzesforderungen. Dort gibt es keine Symbolpolitik. Sehr löblich!