Dialog Internet: Mehr Zensur, bitte

Kristina Schröder hat (zusammen mit dem sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich) die Kampagne „Dialog Internet“ gestartet. Die Kampagne besteht daraus, dass Anbieter für Zensursoftware (für Eltern) vorgestellt werden. Und eigentlich wird schon im ersten Satz klar, was diese Kampagne ist:

Eine Kampagne von Politik und Wirtschaft soll für mehr Kinderschutz im Internet sorgen.

Richtig, eine Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaft hat kein Interesse an Kindern mit Medienkompetenz sondern an Eltern, die Zensursoftware kaufen. Kein Wunder, dass die Kampagne von der CDU kommt.

Unter den „Köpfen“ der Aktion findet sich auch Julia von Weiler von Innocence in Danger, ich sag nur „Tatort Internet“. Da dürfte also ohnehin viel Panikmache herrschen, da fällt Zensursoftware auf fruchtbaren Boden.

Twitter-Backup mit Tweet Nest

Gestern wollte ich einen Tweet auf Twitter suchen – was angesichts der Twitter-Suche einfach grauenhaft ist. Die Twitter-Suche zeigt nämlich nur Tweets in einem gewissen Zeitraum in den Ergebnissen an, vermutlich ist die Twitter-Suche auf die letzten 4 Wochen beschränkt.

Jedenfalls habe ich dann gestern Tweet Nest installiert. Das geht ganz schnell: Runterladen, per FTP raufladen, eine Datenbank-Tabelle anlegen und einfach die Setup-Seite ausfüllen. Danach werden die letzten 3.200 Tweets automatisch in die Datenbank reingeladen – leider nicht mehr, weil Twitter nicht mehr zulässt.

Also: Je früher man anfängt, desto besser. Denn was Tweet Nest einmal in die lokale Datenbank reingeschoben hat, verschwindet nicht mehr. Damit das Backup auch auf dem neuesten Stand ist, sollte man entweder regelmäßig manuell die Tweets nachladen oder einen Cron-Job anlegen, der das einmal am Tag automatisch macht.

Die Installation hat etwa 5 Minuten gedauert. Am Ende hat man ein tolles, durchsuchbares und übersichtliches Archiv seiner Tweets, was als unabhängiges Backup funktioniert. Und das kostenlos, denn die Software ist Open-Source.

Das einzige, was man vielleicht noch verbessern könnte, wären die Links. Diese werden überwiegend nämlich als t.co-Links gespeichert und nicht mit der Zieladresse, was insofern etwas doof ist, falls Twitter irgendwann auf die Idee kommt, ältere t.co-Links nach einer gewissen Zeit zurückzusetzen. Ich würde Twitter sowas leider zutrauen.

Wer wissen will, wie das aussieht: Hier ist mein Tweet-Archiv.

Jetzt wird TweetDeck kaputt gemacht

Jetzt hat es TweetDeck getroffen. Twitter hatte TweetDeck gekauft und macht es jetzt genauso kaputt wie sie es mit dem Mobile-Client gemacht haben. Na super.

Wer das neue TweetDeck 1.0 nutzen möchte, braucht erstmal zwangsweise einen TweetDeck-Account. Das bisherige Einloggen mit dem Twitter-Account funktioniert nicht mehr. Wie F!XMBR berichtet geht es aber noch weiter, nicht nur dass Dienste wie Foursquare wegfallen (die ich persönlich ohnehin nicht nutze) sondern auch bei den URL-Shortenern kann man nur noch zwischen Twitter, bit.ly und Facebook auswählen. is.gd, tinyurl, twurl und natürlich der eigene URL-Shortener sind somit nicht mehr in der Auswahl.

Was natürlich auch doof ist, dass die komplette Community (Forum, Blog) verschwunden ist. Aber nicht nur das, sämtliche Unterseiten der TweetDeck-Seite sind weg, bis auf den Deck.ly-Quatsch natürlich. Einzig positiv bleibt, dass das dreckige Adobe AIR endlich nicht mehr drin ist.

Leider habe ich das natürlich alles erst gemerkt, nachdem ich mein altes TweetDeck bereits deinstalliert hatte. Macht aber nichts, denn es gibt ja schließlich dieses Internet, wo man alles findet. Somit auch die alte TweetDeck-Version.

Und bei dieser bleibe ich nun, zähneknirschend mit Adobe AIR. Solange, bis Twitter die alte Version abkapselt (falls das überhaupt geht). Spätestens dann werde ich mal nach einer neuen Alternative umgucken, denn TweetDeck 1.0 ist für mich unbenutzbar.

Google Reader: grau und schmal

Google hat seinem Feedreader ein Update unterzogen. Das Design sieht jetzt aus wie bei Google+ und die Feed-Sharing-Funktion wurde rausgeschmissen. Letzteres juckt mich wenig weil ich das nicht genutzt habe, andere juckt es mehr. Katastrophal finde ich zwei andere Dinge:

1. Das Design ist jetzt grau.
Ich würde jetzt gerne Mario Barth zu Google schicken: „Farbe. Kennta, kennta? Farbe! Kennta? Farbe!“. Denn genau diese fehlt, abgesehen von dem Abonnieren-Button, dem bekannten Such-Button und natürlich den farblichen Feedinhalten, sofern es welche gibt – wobei sogar die Links(!) im Feedinhalt grau sind.

Das ist nicht nur blöd, das ist auch unkreativ und absolut gräßlich. Man könnte meinen, dass Google sich keine Farbtöpfe leisten könnte. Dieser weiß-grau-Mix macht doch nur depressiv, außerdem ist blau meine Lieblingsfarbe. Gebt mir das blaue Design zurück, Google!

2. Man kann die linke Seitenleiste nicht mehr minimieren.
Das war so ziemlich das geilste Feature überhaupt, um großen Bilder in Original-Auflösung innerhalb des Feedstreams zu sehen. Jetzt muss ich mich mit 3/4 des Bildes und einem waagerechten Scrollbalken zufrieden geben, weil ich nicht mehr wie früher den Feed auf die gesamte Bildschirmbreite umstellen kann:

Man Google, denkt ihr, dass 1280px breite Bildschirme schon Standard sind? Falls ja, denkt ihr falsch. Gebt mir das Breiten-Feature zurück, Google!

Ja, bestimmt kann man sich da was mit Firefox-Addons zusammenbasteln, aber ich will verdammt nochmal dass Google das einfach wieder rein baut. Sind die bei Google denn alle Farbenblind und haben wandgroße Bildschirme? :-(

Medienbetrollung: UniOS

Maik Mixdorf, 18jähriger Schüler aus Lünen in NRW, hat in letzter Zeit damit Aufsehen erregt, dass er laut Presseberichten zusammen mit Freunden ein Betriebssystem entwickelt haben will, auf dem sowohl Windows- als auch Apple-Programme problemlos laufen: UniOS. Schon im Mai gab es Berichte darüber, da hieß es noch „Chairs“. Der Höhepunkt war ein RTL-Bericht, in dem Mixdorf als „der wohl vielleicht klügste Kopf NRWs“ bezeichnet wurde.

Golem hat den Entwickler besucht und festgestellt, dass da nichts dran ist. Programme liefen nicht, Quelltext durfte nicht überprüft werden, Fragen wurden mit Floskeln oder Ausreden abgebügelt.

Am Ende hat sich nun rausgestellt, dass es ein Win XP mit Addons ist. Es ist also kein eigenes Betriebssystem, die Medien haben sich auf die reinen Behauptungen des Schülers verlassen. Glückwunsch zu diesem Medientrollen. :-)

(Danke, Rhodan)