Sony Music entgehen Millionen dank GEMA-Sperren

Schaut mal, Sony Music merkt gerade, dass ihnen Millionen flöten gehen, weil sich die GEMA nicht mit YouTube einigt. Sony und Universal hatten letzten Sommer schonmal gemeckert, vielleicht tut sich bei der GEMA ja endlich mal was, sofern die Labels sich öfters als nur jedes Dreivierteljahr mal damit melden.

Wobei die Labels ja in einer schlechten Position sind, denn außer der GEMA gibt es ja keine andere Verwertungsgesellschaft für Musik. Die GEMA hat in Deutschland eine Monopolstellung. Während die Politiker sich also über Google und Facebook aufregen, haben wir mit der GEMA ein weitaus problematischeres Monopol-Unternehmen direkt vor der Nase sitzen, welches von den Politikern nichtmal ansatzweise kritisiert wird. Läuft.

Big Three statt Big Four

EMI geht es seit einigen Jahren nicht mehr gut, obwohl eine Menge bekannte Künstler bei EMI sind. 2008 schrieb die L.A. Times, dass nahezu 9 von 10 EMI-Künstlern unprofitabel seien. Anfang dieses Jahres übernahm die Citigroup das Label, im Raum stand ein Verkauf an Warner Music. Nun ist bekannt: EMI soll zwischen Sony Music und Universal Music aufgeteilt werden. Nun sind es nur noch Big Three statt Big Four.

Funfact an der Geschichte: EMI hatte in der Vergangenheit schon mehrmals Pläne, Warner Music zu übernehmen um an Universal vorbeizuziehen und sich an Sony anzurücken. Nun wird EMI ausgerechnet von diesen Erzfeinden übernommen.

Als Musiknutzer kann einem das egal sein, woher die Musik kommt. Wo die Künstler sind, das ist für den Musikkonsum meistens nebensächlich. Für den Musikmarkt ist es jedoch eine denkbar schlechte Entwicklung: Bei nur noch drei Major-Labels herrscht wenig Konkurrenz. Alle drei Major-Labels werden die Entwicklung der Musikindustrie massiv beeinflussen, was an sich normal ist, aber bei so wenigen Marktführern schlechte Auswirkungen haben kann.

So waren es weder Warner Music, noch Sony Music oder Universal Music, sondern eben EMI im April 2007, die verkündeten, dass ihre Tracks auf iTunes ohne DRM und in höherer Qualität verfügbar sein werden. Erst danach haben die anderen Labels mitgezogen und natürlich ist dies auch auf anderen Downloadplattformen geschehen.

Ich bezweifele, dass Sony und Universal „ordentlich“ mit dem Online-Markt umgehen können, auch wenn man ihnen zugute halten kann, dass sie schon kritisch über die GEMA-YouTube-Geschichte geäußert haben. Erst neulich lief mir wieder ein Fall der falschen Preispolitik über den Weg. Der in dem Fall genannte Amazon-Preis ist übrigens mittlerweile angepasst und der Download genauso teuer wie die CD – obwohl beim Download eine Menge gespart wird (keine Lieferkosten zwischen Presswerk und Amazon, keine Plastikhülle, keine Presswerkkosten etc.).

Die Musiklabels verhalten sich wie die Buchverlage im E-Book-Markt: Vollkommen falsch. Langfristig werden sie den Online-Vertrieb somit an die Wand fahren und sich lieber über „Raubkopierer“ echauffieren, anstatt sich mal an die eigene Nase zu fassen und ein ordentliches Angebot zu schaffen. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass das auch mit dem profitablen Abmahngeschäft zusammenhängen könnte.

Wahrscheinlich wird es immer ein Traum bleiben, dass ein innovativer Publisher an der Spitze steht und einen guten Kurs vorgibt oder dass es soviel Konkurrenz gibt, dass die Musiklabels von alleine einen guten Kurs einschlagen müssen. Dafür müssten wahrscheinlich erstmal alle jetzigen Major-Labels aussterben. So gesehen hat der EMI-Ausverkauf dann doch wieder etwas Gutes.

Das Ende der MC ist da

Die gute alte Musikkassette: Wie oft haben wir geflucht und uns über Bandsalat geärgert. Jetzt dürfte das Ende wirklich nah sein, denn eines der größten Hörspiel-Labels stellt fast alle MCs ein.

EUROPA läutet den Abschied der MC ein: Bis auf die Serie „Die drei ???“ werden für alle anderen EUROPA-Serien ab 2012 keine MCs mehr produziert – darunter auch die erfolgreichen und bekannten Serien „TKKG“ und „Fünf Freunde“. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

Mit der fast vollständigen Umstellung auf digitale Medien im Audio-Bereich und dem Siegeszug der CD wurde immer weniger Tonbandmaterial benötigt und entsprechend auch weniger produziert. Heute ist die Produktion fast ganz eingestellt. Das Label EUROPA hat zwar rechtzeitig reagiert und sich noch größere Mengen von Bandmaterial gesichert, aber auch diese Vorräte werden bald aufgebraucht sein. Das Label sieht sich veranlasst, die MC-Produktion auf „Die drei ???“ zu konzentrieren, da die Nachfrage der Sammler hier am größten ist.

„Bis ans Ende aller Bänder“ will EUROPA nun ???-Kassetten in der Zukunft produzieren, eben bis das Bandmaterial weg ist.

Schade, denn die Kassette hat einfach Nostalgie-Wert. Auch wenn ich lange keine Kassetten mehr gekauft habe, weil man sie nicht so einfach auf den PC überspielen kann wie bei den CDs. Diesen Wandel wird man wohl auch nicht aufhalten können, EUROPA betont auch in der Pressemitteilung, dass die MP3-Downloadverkäufe gut laufen.

(Bild: Angel Arcones unter CC-BY 2.0)

Rechtsstreit bei Folgenreich

Als Fan der „Die drei ???“ habe ich miterlebt, wie schnell eine Hörspiel-Serie gestoppt und ein Krieg zwischen zwei Rechteinhabern geführt wird. Damals ging es zwischen dem Hörspiellabel EUROPA (gehört zu Sony Music) und dem Kosmos-Verlag um die Urheberrechte der erfolgreichen Buch- und Hörspiel-Serie. Mit einstweiligen Verfügungen wurden ein paar Hörspiele und ein paar Bücher von der jeweiligen Gegen-Partei untersagt, am Ende einigten sich beide Parteien außergerichtlich.

Nun scheint es wieder eine Auseinandersetzung zu geben, diesmal zwischen dem Hörspiellabel Folgenreich (gehört zu Universal Music) und der Produktionsfirma Decision Products, die u.a. die Hörspielserien Gabriel Burns und Point Whitmark produzieren. Point Whitmark erscheint seit Juli unter Eigenregie und wird durch Sony Music vertrieben. Gabriel Burns hingegen ist noch auf dem Abstellgleis, wie Produzent und Regisseur Volker Sassenberg bei Experiment Stille erzählt. Es handelt sich bei dem Rechtsstreit zwischen Folgenreich und Decision Products jedoch nicht um Urheberrechte, sondern laut Sassenberg um Vertragsprobleme:

Folgenreich (Universal Music) hat den Gabriel Burns-Vertrag unserer Meinung nach nicht fristgemäß verlängert. Nach unserer Auffassung ist der Vertrag ausgelaufen. Darüber hinaus sind wir aufgrund vieler anderer vorgetragener Tatsachen im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzungen der Meinung, dass es zu keiner weiteren Gabriel Burns-Veröffentlichung durch Folgenreich kommen wird.

Folgenreich will sich dazu nicht öffentlich äußern, was sie bei Point Whitmark auch nicht getan haben. Da muss man EUROPA und Kosmos schon lassen, dass diese über den Rechtsstreit und ihre Positionen informiert haben.

Tjoar und nun herrscht Pause bei Gabriel Burns, weil die Mühlen der Behörden bekannterweise langsam arbeiten und vor der Klärung keine neuen Folgen erscheinen können. Wahrscheinlich werden diese dann, so wie Point Whitmark, bald von Decision Products veröffentlicht und von Sony Music vertrieben werden. Aber das kann noch dauern.

Sassenberg kommt übrigens nicht darüber hinweg, auch nochmal in die Richtung der „Raubkopierer“ (sic!) zu schießen, als er eine Frage bezüglich Crowdfunding beantwortet:

[…] Crowdfunding ist eine Initiative, die letzten Endes auf den Enthusiasmus der wenigen beruht, die sowieso Enthusiasmus haben. Viel sinnvoller wäre es, wenn all diejenigen, die Hörspiele hören auch Hörspiele kaufen. Das würde völlig ausreichen, um die Produktionen zu finanzieren. Damit meine ich nicht nur unsere, sondern auch alle anderen. Die Raubkopiererei hat schlimme Ausmaße angenommen. Zudem gibt es keine Verhältnismäßigkeit in den Köpfen vieler Leute mehr. Einerseits wird für irgendwelches Junk Food bei McDonalds bereitwillig 13 Euro gezahlt, und auf der anderen Seite ist man dann nicht bereit, für die Monate lange Arbeit an einer Hörspielproduktion 6,99 Euro zu investieren. Wenn keine Hörer mehr CDs kaufen, wird es irgendwann keine CDs mehr geben.

Ich will das jetzt hier nicht in epischer Breite auseinanderpflücken, scheinbar sitzt Sassenberg da (leider) dem „Raubkopierer“-Klischee auf. Schade, denn wenn er sich wirklich mit Crowdfunding beschäftigt hat, sollte er auch mitbekommen haben, dass die Fans eines Produktes durchaus auch bereit ist, für dieses zu bezahlen. So ist es auch mit den „Raubkopierern“.

Die Erwachsenen-Hörspiel-Branche hat vielmehr das Problem, dass immer weniger Erwachsene Hörspiele hören und die Produktionskosten hoch sind, wodran auch der wachsende Hörbuch-Markt nicht ganz unschuldig ist. Rechtsstreitigkeiten sind auch nicht gerade die beste Werbung für Hörspiele.

Sony und Universal kritisieren GEMA

YES! Holt das Popcorn raus! Scheinbar haben die Plattenlabels mittlerweile verstanden, dass die GEMA das Problem bei YouTube und Co. ist:

Jetzt melden sich erstmals die Chefs zweier großer Musikunternehmen zu Wort – und sparen nicht mit Kritik an der Gema. „Man darf sich die Frage stellen, warum eine Einigung zwischen Verwertungsgesellschaften und YouTube in vielen Musikmärkten möglich ist, nicht aber in Deutschland, dem wichtigsten Markt Europas“, sagt Frank Briegmann, der Deutschland-Chef von Universal Music, zu SPIEGEL ONLINE.

Auch der Deutschland-Chef von Sony Music, Edgar Berger, verliert die Geduld: „Alles muss durch ein Nadelöhr, den Gema-Aufsichtsrat. Einige Mitglieder scheinen noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen zu sein“, sagt er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Es gebe „offenbar kein Interesse daran, werbefinanzierte Musik-Streamingdienste wie Vevo, YouTube und Spotify in Deutschland zuzulassen“, so Berger. Dadurch entgingen den Künstlern und den Musikkonzernen potentielle Einnahmen in Millionenhöhe.

Volltreffer! Wäre doch eigentlich die perfekte Gelegenheit, dass die Labels mal generell darüber nachdenken, aus der GEMA auszusteigen, oder? (Klar, das werden sie nicht machen, dafür wirft die GEMA ihnen immernoch zuviel Geld zu.)

Die GEMA weist die Vorwürfe natürlich zurück, betont ihren Erfolg mit simfy und dass sie zu den YouTube-Verhandlungen nichts sagen können, weil die sind ja geheim und mit NDAs abgesichert. Geschickt eingefädelt mit den NDAs, das muss man ihnen lassen.

Die nächste Runde kann beginnen, vielleicht melden sich ja noch EMI und Warner Music zu Wort?