BILD: Reallife-Spam am 23. Juni 2012

Die BILD will ganz Deutschland am 23. Juni zuspammen: „BILD für Alle“ heißt die Kampagne, weil BILD am 24. Juni Geburtstag hat und deswegen am Tag zuvor jeder eine BILD-Sonderausgabe kriegt. BILD wirbt (Vorsicht, Springer-PDF-Link) sogar damit, dass „auch Werbeverweigerer“ die Ausgabe kriegen – also wird der „Bitte keine Werbung“-Aufkleber am Briefkasten wohl nicht ausreichen, weil Zeitungen ja meistens davon auch ausgeschlossen sind.

Angesichts dessen, dass eine Anzeigenseite satte 4 Millionen Euro kostet und eine halbe Seite 2,2 Millionen Euro, würde ich hier aber schon von einer reinen Werbepublikation sprechen, auch wenn journalistische andere Inhalte mit in der „Sonderausgabe“ sind.

Ich finde ja, man sollte dem Postboten entgegen kommen und einen Mülleimer zu den Briefkästen stellen, dazu den Zettel „Hier bitte alle BILD-Zeitungen einwerfen“ an den Mülleimer hängen, damit das Drecksblatt effektiv seinem Zweck (nämlich dem Müll) zugeführt werden kann. :-)

Spannend wäre auch, wenn sich ein paar Anwälte zusammenfinden und mal checken würden, ob man das rechtlich unterbinden kann (Stichwort UWG).

Telefonspam von news.de

Als Blogger ist es vollkommen normal, wenn man Spam-E-Mails bekommt. Linktausch-Anfragen und Produktinformationen sind da an der Tagesordnung. Bei news.de wird ein anderer (Kommunikations-)Weg gegangen. Meiner Meinung nach kann man das am Besten als Telefonspam bezeichnen.

Schon gestern rief eine elend lange, mir unbekannte Nummer bei mir an, erst auf dem Telefon, dann auf dem Handy. Die Nummer lautete 034135538125443, also aus Leipzig. Ich war ein bisschen verwundert, prüfte die E-Mail-Postfächer, doch da war nichts.

Heute ein erneuter Anruf, die gleiche Nummer, diesmal ging ich ran. Es meldete sich ein junger Herr, der sagte er sei von news.de und ob ich nicht Lust hätte, Texte von news.de zu posten. Es ging dabei um den „Textbasar“, den news.de seit einigen Monaten anbietet. Der Herr machte auch keinen Hehl daraus, dass er meine Nummern von chriszim.com hat, denn er erwähnte die Seite und meinte, ich würde hier ja auch viel über Nachrichten bloggen, da würde das ja passen. Natürlich habe ich das trotzdem abgelehnt.

Ich bin über drei Dinge ein wenig erstaunt:
1. Das ist das erste Mal innerhalb von 6 Jahren, dass ich einen Werbeanruf bekomme, weil meine Telefonnummer auf einer Website steht. Niemand hat sich bislang so erdreist wie news.de. Glückwunsch.
2. Auch das Angebot an sich muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da wird einem Texte angeboten, die man bloggen kann. Fertige Texte, die man nicht verändern darf. Mit Backlink auf news.de. Perfektes Futter für Contentfarmen.
3. Rechtlich gesehen frage ich mich, ob das bereits unter die mittlerweile verbotenen Cold Calls fällt – denn schließlich bewirbt der Anruf ein Angebot der news.de GmbH und ich habe um diesen Anruf nicht gebeten.

Im Blog netz-universum.de wurde auch schon über den „Textbasar“ geschrieben, dort gibt es auch einen Kommentar, wo noch jemand massig von news.de angerufen wurde. Diese Werbeanrufe können kaum Einzelfälle sein.

Vielleicht liest news.de ja hier mit und unterlässt diese Werbeanrufe in Zukunft generell, unabhängig davon, ob das gesetzlich im Rahmen ist oder nicht. Denn wie man sieht: Sowas kommt nicht gut an. Auf meine Statement-Anfrage via Twitter hat news.de übrigens nicht reagiert.

Ich für meinen Teil habe meine Kontaktdaten um folgendes erweitert:

HINWEIS:
Die Nutzung der Daten zu Werbezwecken (Cold Calls, Werbepost etc.) wird hiermit ausdrücklich untersagt. Zuwiderhandlungen werden an die Bundesnetzagentur und die Verbraucherzentrale gemeldet!

Und das wird auch in Zukunft geschehen. Natürlich nicht bei jeder Spam-Mail, das wäre ein unverhältnismäßiger Aufwand. Aber bei solchen größeren Sachen wird es dann durchaus eine entsprechende Meldung geben. Ob ich die Sache mit news.de auch melde, überlege ich mir derzeit noch.

Google will Guideline-Dokumente aus dem Netz kriegen

Wo wir gerade bei Google waren: Die haben kürzlich ein Dokument mit dem Titel „Google Quality Rater General Guidelines 2011“ im Netz verloren, das sind die Richtlinien bei Google wie sie Fakes und Spam erkennen und in der Suche bewerten. Kein Wunder, das die SEO-Szene das weiterreicht und mirrort.

Und was macht Google? Getreu dem Motto „don’t be evil“ pochen sie auf ihr Copyright und fordern diejenigen, die das Dokument hosten, zur Löschung auf. Wieder so ein Fall, in dem das Urheberrecht zur Unterdrückung von Informationen genutzt wird. Blöd, dass wir keine Leaking-Plattform mehr haben.