Wie die Tagesschau die Klickstrecke entdeckte

Egal welches Ereignis ansteht: Klickstrecken mögen die Medien gerne. Deswegen findet man längere Artikel oftmals nur auf zwei Seiten gesplittet und Fotostrecken werden mit 20 Fotos und mehr gefüllt, damit der Leser schön viel klickt.

Die Medien finden das deswegen toll, weil ihnen irgendein SEO-Typ verklickert hat: Je mehr eure Besucher klicken, desto mehr Pagevisits habt ihr. Und: Pagevisits ist wie mit den Fernsehquoten – wer die meisten hat, ist der Beste. Das diese weitverbreitete Meinung vollkommen absurd ist, weil Internetnutzer ungerne viel herumklicken und viel mehr Wert auf den Content legen, ist den SEO-Typen und auch den Medien vollkommen egal.

Und somit wundert es nicht, dass es zu besonderen Ereignissen immer große Klick-Fotostrecken gibt. Besonders SPIEGEL ONLINE und BILD sollten in dem Zusammenhang genannt werden, die von Klick-Fotostrecken gar nicht genug kriegen können. Möglichst viele Bilder zu einem Artikel und unter jedem Bild einen Text, am besten auch noch einen Satz über drei Bilder verteilt, damit die Fotostrecke schön lang ist und mehr Pagevisits in der Statistik auftauchen.

Die Tagesschau hat das scheinbar nun auch entdeckt: Es gibt zu dem Unfall bei „Wetten, dass…?“ eine „Presseschau“-Klickstrecke. Auf acht Seiten verteilt wird jeweils in einem Absatz eine andere Zeitung zitiert, der längste Absatz hat 15 Zeilen, die meisten sind knapp halb so lang. Unüblich für die Tagesschau, normalerweise werden dort Artikel mit vielen kürzeren Absätzen veröffentlicht, Klickstrecken oder das Splitten eines Artikels auf zwei Seiten gibt es dort fast nie.

Hoffentlich fängt die Tagesschau nicht damit an, dies zum Standard zu erklären. Das wäre ein enormer Rückschritt in Sachen Userfreundlichkeit. Es ist schon schlimm genug, dass die Tagesschau nicht einmal einen Link auf die Online-Artikel der Konkurrenz zu den Zitaten setzt.

(Screenshot: Tagesschau)

Die FDP hat Humor

Haha, genial, zu dem Memo von Cablegate, das es ja einen Informanten in der FDP geben soll, der „jung und aufstrebend“ ist:

Seit Montag kursiert in der Partei ein neuer Witz, mit dem sich vor allem Nachwuchskräfte verulken, wenn sie über den Spion in den eigenen Reihen reden: „Bist Du nicht jung und aufstrebend?“ Philipp Rösler, Bundesgesundheitsminister, gehört genau in diese Kategorie, er kommt am Montag federnd aus der Präsidiumssitzung im Thomas-Dehler-Haus. Jung? Aufstrebend? „Ja“, lacht er, „aber ich war ja kein Protokollant, sondern Chefe.“

Hier gefunden. Die FDP hat echt Humor, super! :D

WikiLeaks-Depeschen veröffentlicht

Da jetzt auch einige Suchanfragen kommen: Gegen 19 Uhr wurden die ersten Berichte über die WikiLeaks-Depeschen veröffentlicht. Hier eine Übersicht:

Der SPIEGEL hat eine eigene Themenseite: „Die Botschaftsdepeschen“. Neben den Artikeln wird um 22:30 Uhr auch die E-Paper-Version vom Print-SPIEGEL veröffentlicht.

The Guardian hat auch eine eigene Unterseite: „The US embassy cables“. Dort gibt es auch einen Live-Blog.

Die New York Times hat auch eine Unterseite eingerichtet: „State’s Secrets“. Die besten Auszüge gibt es in diesem Artikel.

Da die WikiLeaks-Seite selbst unter DDoS steht, gibt es bislang noch keine Rohdaten. Das wird aber sicherlich noch passieren, aktuelle Infos gibt es unter @wikileaks.

Der offizielle Hashtag lautet: #cablegate.

Und jetzt, wo auch das Popcorn fertig ist, lesen wir uns das mal durch und schauen, wie die Pressestellen der Regierungen morgen reagieren werden.

Kleines Detail am Rande noch: Der SPIEGEL hatte nicht nur gepatzt, er hat auch versucht, @Freelancer_09 zu untersagen die Infos aus dem SPIEGEL-Exemplar, das es seit gestern in Basel zu kaufen gab, zu unterbinden. Hat aber nix genutzt. :-)

UPDATE: Unter statelogs.owni.fr gibt es die Rohdaten zum Durchsuchen, mit Tags und so weiter.

UPDATE 2: Auch bei Wikileaks selbst kann man nun unter cablegate.wikileaks.org die Texte sehen. Es gibt auch schon eine erste Reaktion aus Washington.

SPON verrät WikiLeaks-Veröffentlichung

Während die Amis durch die Redaktionen rennen um eine Berichterstattung über die anstehenden WikiLeaks-Daten zu verhindern, ist bei SPON heute jemand auf den Publizieren-Knopf gekommen. Damit hat SPON ein paar Hintergründe über den Leak veröffentlicht, mittlerweile ist der Beitrag zwar wieder offline aber es existieren Mirror:

Die nun über die Plattform WikiLeaks enthüllten Dokumente bestehen aus

  • insgesamt 251.287 sogenannten diplomatischen Kabeln, die US-Botschaften, -Konsulate und -Vertretungen aus aller Welt an das US-Außenministerium in Washington geschickt haben,
  • und mehr als 8000 Direktiven des US-Außenministeriums an die diplomatischen Vertretungen in aller Welt.

Ein einziger Bericht geht zurück bis ins Jahr 1966, die weitaus meisten sind jünger als 2004 […]. Der SPIEGEL, die „New York Times“, der Londoner „Guardian“, der Pariser „Monde“ und die Madrider „País“ haben das Material gesichtet, analysiert und überprüft. WikiLeaks hatte das Material zur Auswertung überlassen. […]

Yeah, das wird spannend.

Der SPIEGEL hatte ohnehin schon die Gerüchteküche angeheizt, als heute der Hinweis auf der Seite war, dass das E-Paper wieder „aus redaktionellen Gründen“ erst am Sonntag um 22:30 Uhr rauskommt. Laut Netzpolitik hat WikiLeaks 23 Uhr deutsche Zeit als Veröffentlichungstermin geplant, das würde also passen.