Google dementiert Street View-Stopp

Scheinbar herrscht große Verwirrung um Google Street View, nach der gestriegen Meldung. Jetzt gibt es aber etwas handfestes:

Die Kamerawagen von Google sind wieder in Deutschland unterwegs. Beim aktuellen Einsatz gehe es aber nicht um Fotos für Google Street View, sondern um eine Verbesserung des Kartendienstes Google Maps, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Er dementierte einen Bericht des US-Portals Searchengineland.com vom Wochenende, wonach Google die Fotoaufnamen für Street View in Deutschland gestoppt habe. „Wir haben den Dienst doch erst vor einigen Monaten eingeführt. Daher gibt es keinen Grund, derzeit erneut Aufnahmen für Street View zu machen.“

Die Fahrten für Google Maps wurden schon im Januar angekündigt: Demnach macht Google jetzt neue Fotos, die jedoch nicht veröffentlicht werden sondern nur zur Verbesserung von Google Maps (z.B. bei Einbahnstraßen) Google-intern verwendet werden. Wahrscheinlich ist Google also noch dabei, die „alten“ Street View Fotos zu sichten um die Verpixelungen durchzuführen. Eventuell hat Searchengineland.com daraus falsche Schlüsse gezogen (doch dann fragt sich, warum sie dafür drei Monate brauchten).

Unter dem Strich bleibt: Google Street View wird vermutlich bald™ mit weiteren Städten online gehen und Searchengineland.com hat einiges an Glaubwürdigkeit verloren.

Kein Google Street View mehr?

Wie Caschy gerade berichtet, scheint Google das Street View-Projekt in Deutschland fallen zu lassen. So soll laut einem Google-Sprecher kein neues Material aus Deutschland veröffentlicht werden.

In der Tat hat man seit dem Start der 20 deutschen Großstädte am 2. November 2010 nichts mehr neues von Google Street View gehört (also seit fünf Monaten schon Schweigen), obwohl Google auch noch weitere Städte nach und nach online stellen wollte. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass Google auf den Verpixelungs-Scheiß keinen Bock hat.

Ziemlich krass, dass sogar Google keinen Bock auf Deutschland hat, weil wegen jedem kleinen Scheiß alle Sturm laufen. Für den „IT-Standort Deutschland“, wie man das ja so wirtschaftsmäßig sagt, ist das alles andere als gut.

Vorallem aber interessant ist, dass es Politik und Medien schaffen, die Leute dazu zu bringen, Google als Datenkrake zu sehen. Klar ist Google eine Datenkrake, aber Facebook ist es genauso, ebenfalls Twitter, die VZ-Netzwerke und selbst jeder Freemail-Anbieter sammelt Daten. Und trotzdem nutzen wir alles. Selbst die Telefonbücher sind online, doch da hat bislang noch niemand was gegen gesagt.

Übertroffen wird das Ganze nur von dem Staat, der selbst Daten verkauft, mit dem Zensus 2011 die Wohnungen auskundschaftet oder bei Hartz IV-Anträgen sogar Einblick auf die Bankkonten fordert. Diejenigen, die eine Verpixelung bei Google Street View fordern, sollten mal überlegen, ob diese Sachen nicht weitaus schlimmer sind als Hausfassaden im Internet.

Interessant ist übrigens auch, dass Microsoft gerade ebenfalls anfängt, die Straßen zu fotografieren – mit dem Unterschied, dass dort erst nach Veröffentlichung Widerspruch eingelegt werden soll. Google hatte den Widerspruch vor Veröffentlichung des Kartenmaterials angeboten – also ist Microsoft eigentlich noch viel böser als Google. Der (mediale) Aufschrei bleibt bei dem geplanten „Bing Streetside“ von Microsoft jedoch bislang aus.

Datenspuren im Internet

Die c’t hat etwas tolles gemacht:

Für diesen Artikel haben wir beispielhaft das Profil einer realen Person erstellt, indem wir frei verfügbare Informationen im Internet suchten und verknüpften. Als Protagonisten wählten wir einen Mitarbeiter eines Internet-Unternehmens. Der hatte damit zunächst kein Problem – bis er den fertigen Artikel sah. Dann bekam er kalte Füße.

Die haben also Twitter, Facebook und Co. mal nach dem Typen durchsucht und dabei einiges ans Tageslicht gebracht, hinterher verbot er den Redakteuren die Angaben zu Veröffentlichen. Daher haben die das nun anonymisiert, sodass keine Rückschlüsse auf die Person möglich ist.

Mein Highlight in dem Bericht:

Ansehen konnten wir uns das Haus aus der Vogelflugperspektive bei Bing, in Google Street View ist es verpixelt.

Microsoft ist nicht so freundlich wie Google, eine Verpixelungsmöglichkeit anzubieten – aber die Medien haben im Sommer nur auf Google eingedroschen. Willkommen zurück in der Realität.

Der Bericht geht so weiter, einfach mal durchlesen. Eine schöne Veranschaulichung, wie leichtgläubig manche Leute mit ihren persönlichen Daten umgehen.

Fake-Geburt auf Google Street View?

Caschy hatte es zuerst, auch Gilly hat es schon gebracht: Ein Screenshot von Google Street View, auf dem eine Geburt zu sehen ist.

Allerdings sieht das nach einem Fake aus: Caschy hatte das Bild zwar per E-Mail und ohne Link bekommen, aber in den Kommentaren wurde die Villa gefunden – ohne Graffiti an der Zaunmauer und ohne einer Geburt. Dafür steht auch dort ein Smart.

Zufällig haust in der Villa eine Werbeagentur – das riecht doch glatt nach einem Werbefake. Da war Sixt aber besser.

Hoffentlich war es das aber dann jetzt auch mit Werbung rund um Google Street View, denn irgendwie wird es langweilig. Sind die Marketingagenturen so dermaßen unkreativ? ;-)

UPDATE (12:25 Uhr):

Google hat über Twitter den Fake bestätigt.

BILD kann doch Verpixeln

Bei der Loveparade Ende Juli gab es 21 Todesopfer sowie über 500 Verletzte. Die „BILD“ sah sich damals nicht im Stande, die Bilder zu verpixeln, auf denen die Menschen (und vermutlich auch einige Opfer) kurz vor der Massenpanik zu sehen waren. Auf der Titelseite vom 27. Juli wurden sogar die Bilder der Opfer mit der Überschrift „Die Opfer der Loveparade – Wer büßt für ihren Tod?veröffentlicht.

Jetzt, wo Google Street View in Deutschland gestartet ist, kann die „BILD“ nicht nur plötzlich Bilder verfremden, sondern sie prangert auch Google an, dies nicht richtig getan zu haben:

Egal ob bei Amokläufen oder einer Katastrophe wie bei der Loveparade: Veröffentlichungen von Opferfotos, teilweise zusammengesucht aus Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ, hat es bei „BILD“ schon oft genug und ohne jeglicher Verfremdung oder gar Einwilligung der Angehörigen gegeben. Rügen vom Deutschen Presserat sind auch wegen diesen Fällen an der Tagesordnung:

Eine „öffentliche Rüge“, die härteste Sanktion, die dem Presserat zur Verfügung steht, hat sich Bild.de eingehandelt: In einem Artikel beschrieb ein Arzt die Todesumstände einer jungen Frau, die dazu auf einem ungepixelten Foto zu sehen war.

Ich wette, das auch zukünftig die „BILD“ keine Verfremdung bei Opferbildern durchführen wird. Aber hauptsache, die Leser werden gegen Google aufgehetzt.