Tempora: Britischer Einschüchterungsversuch [UPDATE 3]

Der Lebensgefährte des Guardian-Journalisten Glenn Greenwald (welcher die Dokumente von Edward Snowden auswertet und öffentlich macht) wurde auf dem Flughafen in London festgehalten. Neun Stunden lang.

Neun Stunden ist die maximale Zeit, nach denen jemand am Flughafen auf Basis des Terrorism Act aus dem Jahre 2000 festgehalten werden kann. Die Höchstdauer ist eher ungewöhnlich. Laut dem Guardian werden 97% der nach diesem Gesetz untersuchten Durchreisenden nur bis zu einer Stunde verhört, nur jede 2000. Person wurde länger als sechs Stunden festgehalten.

Auch das gesamte technische Equipment – vom Handy bis zur Spielekonsole – haben sie beschlagnahmt. Das Gesetz wurde im Juli 2000 verabschiedet. Ein Jahr vor 9/11, als es keinen direkten Grund für Terrorismus-Gesetze gab. Dass die Briten nach den Tempora-Enthüllungen nicht gerade erfreut sind, ist logisch. Dass sie sich aber solche Blöße geben, hätte ich auch nicht gedacht.
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Alle WikiLeaks-Depeschen in Norwegen?

Eine norwegische Zeitung soll alle 250.000 US-Depeschen haben. Die Zeitung will nicht sagen, wie sie Zugriff darauf gekriegt hat (weil nichtmal die beteiligten Medien wie SPIEGEL, Guardian und Co. noch nicht Zugriff auf alle Depeschen haben sollen), WikiLeaks äußert sich dazu ebenfalls nicht – weder eine Bestätigung, noch ein Dementi.

Aftenposten news editor Ole Erik Almlid told Dagens Naerings: „We’re free to do what we want with these documents … We’re free to publish the documents or not publish the documents, we can publish on the internet or on paper. We are handling these documents just like all other journalistic material to which we have gained access.“

Wollen die alle 250.000 Depeschen in ihrer Zeitung abdrucken? Na dann viel Spaß. m(

Die sind mit 20 Journalisten dran das durchzugucken (zum Vergleich, SPIEGEL hatte 50 und brauchte einen Monat) und die Storys sollen in Norwegisch erscheinen. Immerhin dürften bei so großen Medien wie dem Guardian sicher genug Übersetzer da sein, um uns das in Englisch zu präsentieren – falls der Guardian durch den Zeitvorsprung nicht ohnehin schon bald komplett durch ist.

Neues zu den Vorwürfen gegen Assange

Der Guardian hatte „unautorisierten Zugang“ zu den Verhörprotokollen bei den Anschuldigungen gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange und berichtet darüber. Da hat sich also irgendjemand schmieren lassen und dem Guardian die Protokolle zugesteckt. Bei N-TV gibt es das auch auf deutsch. Die Zusammenfassung: Den Polizeiberichten zufolge soll Assange einmal sexuelle Nötigung und einmal Vergewaltigung bei den beiden Frauen begangen haben, also das, was eh schon bekannt war. Die SMS-Nachrichten soll es nicht gegeben haben – jedoch beachte man, dass es hier nur um die Verhörprotokolle geht. Wenn es die SMS-Nachrichten, in denen die beiden Frauen abgesprochen haben sollen dass sie das vor der Presse behaupten um Geld zu kriegen, geben sollte, so würden die sich wohl kaum selbst belasten (was wohl niemand machen würde).

Einen wahren Knüller gibt es von Fox News, bei denen ging eine Morddrohung gegen Assange direkt über den Sender:

In der Sendung „Follow the money“ sprach sich Beckel offen für die Beseitigung Assanges aus. „Wem schadet das: den amerikanischen Bürgern. Die Art und Weise, wie man mit dieser Situation umgehen sollte, ist simpel: Wir haben Spezialeinsatzkräfte – ein toter Mann kann keine Sachen veröffentlichen. Dieser Typ ist ein Verräter, ein Verräter, hat jedes Gesetz der USA gebrochen. Der Typ sollte… – und ich bin nicht für die Todesstrafe – ..so ich würde den Hurensohn (illegal) erschießen.“ Zuspruch erhielt Beckel von Analyst Bo Dietl und Kolummnist Joel Mowbray. „Dieser Typ muss weg“, so Dietl.

Die haben immernoch nicht kapiert, dass Assange nur ein Teil von WikiLeaks ist. Auch derzeit kann Assange nicht für WikiLeaks arbeiten (Knast, Hausarrest etc.) und dennoch werden weiter Cables veröffentlicht, weil weitaus mehr Leute als nur Assange hinter der Plattform stehen. Immerhin scheint somit der Blitzableiter-Effekt mit Assange zu funktionieren. Den TV-Ausschnitt gibt es auch auf YouTube.

Der SPEIGEL ist gesperrt

Sicherlich ist es nicht verwunderlich, dass die Amis bei der U.S. Air Force Sperrlisten bei den Internetzugängen verwenden. Die Hetzjagd gegen WikiLeaks ist jetzt schon so weit, dass sie dort nicht nur WikiLeaks selbst sondern auch die Nachrichtenseiten die darüber berichten (New York Times, The Guardian und den SPIEGEL) auf die Sperrliste gesetzt haben.

Okay, den SPIEGEL kann man ja ruhig mit seinem „Qualitätsjournalismus“ *hust* verbannen, aber dass die den Guardian gesperrt haben geht echt zu weit. Immerhin dürfte es einige Zeit dauern, bis sie alle (mittlerweile über 2.100) Mirror-Seiten auf die Sperrliste gesetzt haben. :-)

Noch ein tolles Detail im Artikel:

Vom SPIEGEL kann man auch nur speien, toller Spitznamen CNN! Das war es mir sogar wert als Überschrift zu nehmen. Sollten wir auch öfters in Blogartikeln verwenden. :-)

WikiLeaks-Depeschen veröffentlicht

Da jetzt auch einige Suchanfragen kommen: Gegen 19 Uhr wurden die ersten Berichte über die WikiLeaks-Depeschen veröffentlicht. Hier eine Übersicht:

Der SPIEGEL hat eine eigene Themenseite: „Die Botschaftsdepeschen“. Neben den Artikeln wird um 22:30 Uhr auch die E-Paper-Version vom Print-SPIEGEL veröffentlicht.

The Guardian hat auch eine eigene Unterseite: „The US embassy cables“. Dort gibt es auch einen Live-Blog.

Die New York Times hat auch eine Unterseite eingerichtet: „State’s Secrets“. Die besten Auszüge gibt es in diesem Artikel.

Da die WikiLeaks-Seite selbst unter DDoS steht, gibt es bislang noch keine Rohdaten. Das wird aber sicherlich noch passieren, aktuelle Infos gibt es unter @wikileaks.

Der offizielle Hashtag lautet: #cablegate.

Und jetzt, wo auch das Popcorn fertig ist, lesen wir uns das mal durch und schauen, wie die Pressestellen der Regierungen morgen reagieren werden.

Kleines Detail am Rande noch: Der SPIEGEL hatte nicht nur gepatzt, er hat auch versucht, @Freelancer_09 zu untersagen die Infos aus dem SPIEGEL-Exemplar, das es seit gestern in Basel zu kaufen gab, zu unterbinden. Hat aber nix genutzt. :-)

UPDATE: Unter statelogs.owni.fr gibt es die Rohdaten zum Durchsuchen, mit Tags und so weiter.

UPDATE 2: Auch bei Wikileaks selbst kann man nun unter cablegate.wikileaks.org die Texte sehen. Es gibt auch schon eine erste Reaktion aus Washington.